Bild: Stadtmarketing Elmshorn

Elmshorn ist eine Kleinstadt in Schleswig-Holstein nahe Hamburg. Und immer in der Adventszeit steigt in Elmshorn der "Lichtermarkt", ein Weihnachtsmarkt im Stadtkern, mit Glühwein-Ständen und Lebkuchenherzen. Eröffnet wird der "Lichtermarkt" von als Engeln verkleideten Kindern, eines wird an einem Kran "herabgesandt". An den Adventssonnabenden verteilen die Elmshorner Engel dann Süßigkeiten.

Eigentlich könnte der "Lichtermarkt" ein richtig schönes Fest der Liebe sein – wenn nicht rechte Hetzer in diesem Jahr einmal mehr den Untergang des Abendlandes erwarteten.

Im Netz wettern sie gegen den Namen des Festes und die Aufmachung des Plakates. Darauf ist ein schwarzes Kind zu sehen. Das – kombiniert mit dem angeblichen Verschweigen des Wortes "Weihnachten" – sei ein Einknicken vor dem Islam.

Hunderte Beschwerde-Mails seien eingegangen, dazu Dutzende Anrufe, sagt der Elmshorner Bürgermeister Volker Hatje zu bento. Viele werfen demnach Elmshorn eine heimliche "Islamisierung" vor. "Es ist richtig krank."

Die AfD-Unterstützerin Erika Steinbach postete auf Facebook das Plakat und kommentierte, inklusive Rechtschreibfehler: 

"Ich kenne kein Land, dass seine eigenen Traditionen und Kultur selbst aufgibt. Deutschland zerstört seine Identität selbst." 

So weit, so Steinbach-typisch. 

Auch in rechten Gruppen und auf Facebook-Seiten wird das Bild geteilt, oft gepaart mit Wut-Emojis. 

Der Vorwurf der Hetzer: Der Weihnachtsmarkt sei in "Lichtermarkt" umbenannt worden, um es Flüchtlingen in Deutschland recht zu machen.

In einer Pressemitteilung zeigt sich die Stadt Elmshorn bestürzt. Es sei schade, dass der Weihnachtsmarkt von Rechten instrumentalisiert werde.

  • Tatsächlich heißt der Markt nämlich bereits seit 2007 "Lichtermarkt", es gab keine neue Umbenennung.
  • Der Name wurde damals so gewählt, um auf die weihnachtlichen Lichter hinzuweisen, die die Innenstadt beleuchten.
  • Auch das Foto ist alt, es wird seit 2011 verwendet.

Bürgermeister Hatje sagt, es sei inakzeptabel, "dass eine so traditionsreiche und von unserer christlichen Kultur geprägte Veranstaltung wie der Elmshorner Lichtermarkt instrumentalisiert wird, um im politischen Umfeld Stimmung zu machen".

Die Vorwürfe, dass unsere eigenen Traditionen, unsere Kultur und unsere Identität zerstört würden, sind nicht nur weit hergeholt, sie sind schlicht falsch.

Hatje sagt, dass ein schwarzes Kind auf dem Plakat verwendet werde, sei vollkommen normal. 2011 habe es ein Fotoshooting mit 40 Elmshorner Kindern gegeben, um ein neues Gesicht für den Weihnachtsmarkt zu finden. 

An dem Fotoshooting nahmen Mädchen und Jungs vieler Nationen und Altersgruppen teil. Das Mädchen – eine gebürtige Deutsche – wurde dann ausgewählt. "Da hat sich all die Jahre niemand dran gestört", sagt Hatje.

Die Elmshorner sehen auf dem Plakat einfach nur ein süßes Mädchen.
Volker Hatje über das Plakat

Menschen aus mehr als 120 verschiedenen Nationen leben in Elmshorn. "Für uns als weltoffene Stadt ist das supernormal", sagt Hatje. 

Seit das Plakat im Netz die Runde macht, melden sich Hunderte Empörte aus ganz Deutschland.

Hatje habe wütende Anrufe aus Regensburg und Augsburg bekommen und viele Mails aus Sachsen. Viele konfrontierten ihn mit absurden Verschwörungstheorien – die Juden würden hinter dem "Lichtermarkt" stecken. 

Erstmals habe es 2015 einige empörte Mails gegeben, nachdem im Sommer 2015 so viele Flüchtlinge ins Land kamen. 2016 habe es dann wieder niemanden interessiert, sagt Hatje. Nun, 2017, im zehnten Jahr des Weihnachtsmarktes, sei plötzlich der Shitstorm da.

"Es ist erschreckend, wie weit verbreitet rechtes Gedankengut mittlerweile ist", sagt Hatje. Klein beigeben wolle er allerdings nicht.

Jetzt stehen wir erst recht zu dem Namen!
Volker Hatje

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