Wir haben mit ihm gesprochen.

Wenn Jonas an Heiligabend um sich schaut, dann steht da kein Weihnachtsbaum, dann duftet da nichts nach frisch gebackenen Plätzchen. Stattdessen schlägt ihm  Mittelmeerwind ins Gesicht, die Luft riecht nach Salz.

Jonas steht an Deck der "Professor Penck", einem Boot der Organisation "Sea-Eye", mit dem freiwillige Helfer in Seenot geratene Geflüchtete aus dem Mittelmeer retten wollen. Über Weihnachten hat Jonas mit angeheuert und ist gerade auf dem Weg vor die libysche Küste. Er sagt:

„Wenn jemand in seinem Leben bedroht ist, muss dem geholfen werden.“

Libyen gilt noch immer als wichtiges Drehkreuz für Menschen, die nach Europa fliehen wollen. Das nordafrikanische Land ist zerrissen zwischen zwei Regierungen und vielen Milizen, die um Macht buhlen. Schlepper nutzen das Chaos – und wollen Hilfesuchenden aus Afrika teure Tickets für eine gefährliche Überfahrt nach Europa verkaufen. (bento)

Allerdings ist Europa immer schwieriger zu erreichen.

Italien und Malta verhindern, dass Seenotretter ihre Häfen anlaufen dürfen. Vor allem die populistische Regierung in Italien hat Rettungsschiffe von privaten Hilfsorganisationen bereits mehrmals blockiert (bento). Seither müssen sich die EU-Staaten bei jedem einzelnen Boot einigen, wer die Geflüchteten aufnimmt. 

Doch wie geht es denjenigen, die an Bord eines Schiffes sind? Was macht das mit Helfern wie Jonas? Wir haben mit ihm telefoniert.

Jonas an Bord der "Professor". Er trägt den grünen Schal, den ihm seine Freundin mit auf den Weg gab.

(Bild: Alexander Draheim)

Wie geht es dir heute an Heiligabend?

"Ich wäre total gerne bei meiner Freundin. Geplant war, dass ich Heiligabend bei ihrer Familie verbringe und wir danach zu meiner Familie fahren. An Silvester wollte ich außerdem zu meinem Vater fahren. 

Eigentlich sind diese Tage für mich total wichtig am Ende des Jahres. Auch wenn was schiefläuft, an diesen Tagen kann ich immer meine Familie sehen. Das geht jetzt alles nicht – denn ich wurde zu meinem ersten Einsatz als Seenotretter gerufen. 

„Wäre ich zuhause geblieben, hätte ich nicht entspannt Weihnachten feiern können.“

Als klar war, dass die Mission über Weihnachten stattfinden würde, stellte ich mir die Frage: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich nicht mitfahre? Ich war vorher noch nie bei so einer Mission dabei. Davor habe ich freiwillig für Greenpeace gearbeitet. Dort war ich auch im Boot-Team.   

Wäre ich also zuhause geblieben, hätte ich nicht ruhig und entspannt Weihnachten feiern können. Denn die können mich auf der Professor gut gebrauchen."   

Was sind denn deine Aufgaben an Bord der Professor?

"Ich bin als Fahrer eines sogenannten Ribs eingeteilt. Das sind feste Schlauchboote mit Außenmotor, die wir bei Rettungsaktionen zu Wasser lassen können.

Die restlichen Aufgaben sind aber ganz banale Sachen. Ich muss zum Beispiel Wache halten und schauen, ob wir auf Boote treffen, die unsere Hilfe brauchen und die Ribs instand halten. Und ich bin für die Wäsche der Mannschaft zuständig. Außerdem ist jeder im Putzplan eingeteilt. Denn wir putzen hier jeden Tag, damit keine Krankheiten ausbrechen."

Jonas an Bord eines der Ribs.

(Bild: Alexander Draheim)

Wie verbringt ihr sonst eure Tage?

"Wir haben in der Regel zwei Trainings am Tag. Ein Medizinisches, bei dem uns die Schiffsärztin zeigt, wie man sich in Notfällen richtig verhält und der zweite Teil ist eine Art Rib-Training. Da lassen wir die Boote ins Wasser, simulieren Rettungen und üben die Handgriffe. Denn die müssen im Ernstfall sitzen."

Hattest du schon so einen "Ernstfall"?

"Nein, der ist noch nicht passiert. Es ist mein erster Einsatz und wir sind noch auf dem Weg zur libyschen Küste."

Was ist für dich der Grund, bei dieser Mission zu helfen?

"Ich möchte Menschen in Seenot helfen. Mir geht es nicht darum, wo diese Menschen am Ende Asyl bekommen oder ob sie Asyl bekommen. Das ist erst einmal zweitrangig. Mir geht es aber darum, dass die Menschenwürde nicht angetastet wird. Das heißt, wenn jemand in seinem Leben bedroht ist, muss dem geholfen werden."

„Mir geht es darum, dass die Menschenwürde nicht angetastet wird.“

Wie feiert ihr Weihnachten an Bord?

"Momentan ist alles noch ein bisschen von Routine geprägt. Heute Abend wird es aber wahrscheinlich was Besonderes zu essen geben. Und es wird noch ein bisschen dekoriert. Ein bisschen wird also schon noch gefeiert. Aber nicht jeder an Bord feiert Heiligabend. Hier sind immerhin sechs unterschiedliche Nationen an Bord. Einige feiern gar nicht, andere wiederum den 6. Januar."

Mehr zu Libyen

Libyen war lange Zeit vom Diktator Muammar al-Gaddafi beherrscht. 2011 wurde er gestürzt, seitdem befindet sich das Land im Bürgerkrieg. Der Osten des Landes wird vom Warlord Chalifa Haftar regiert, im Westen sitzt die von der EU anerkannte Regierung des Staatschefs Fayis Sarradsch

Erstmals seit Jahren hat sich die italienische Regierung nun mit beiden Seiten getroffen, vor allem, um Maßnahmen auszuhandeln, wie Migranten daran gehindert werden können, von Libyen illegal nach Europa zu reisen. (Hier erfährst du mehr zu Libyen)

Wie findet deine Familie deine Entscheidung?

"Ich habe die totale Unterstützung bekommen. Aber sie waren natürlich nicht überglücklich, dass ich nicht da bin. Außerdem haben sie ein bisschen Sorge, was mit mir passiert. Meine Mutter hat echt Respekt vor Wasser und würde wahrscheinlich nicht mit einem Schlauchboot aufs offene Meer rausfahren. Ein bisschen stolz sind sie aber auch."

Jeder Handgriff muss sitzen. Deswegen ist Training angesagt!

(Bild: Alexander Draheim)

Hast du heute noch Kontakt mit ihnen?

"Leider nicht. Wir haben hier theoretisch eine Stunde Internet am Tag. Praktisch kommen vielleicht ab und zu WhatsApp-Nachrichten durch. Telefonieren geht auch nicht."

Was wäre dein Wunsch für heute an Heiligabend?

"Ich hätte am liebsten eine Komplettlösung. Also dass unser Einsatz nicht mehr notwendig ist."


Style

Nichts ist so herrlich hässlich wie die Weihnachtspullis der Bundesliga-Vereine
Eine kleine Stil-Kritik

Weihnachten besteht nicht nur aus ganz viel Liebe, Essen und Geschenken, sondern auch aus festlicher Kleidung. Wie die aussieht, entscheidet jede und jeder für sich. Mal ist es das schöne Hemd, mal das Kleid – manchmal aber auch der Weihnachtspullover.

Sehr gewagt: "Ugly Sweater".

Die besonders hässlichen Weihnachtspullover sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass sich die Vereine der 1. und 2. Bundesliga fast schon einen Kampf um den hässlichsten Pullover liefern.

Wie hässlich die sind, schaut ihr euch am besten selbst an. 

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