Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates hatte eine ziemlich gute Idee: eine liberale Moschee für moderne Muslime. Vollverschleierung mit Burka oder Nikab sind in diesem Gotteshaus verboten, die Gebete werden nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen geleitet. 

Der Koran selbst verbietet nicht, dass Frauen Gebete leiten dürfen – viele konservative Muslime sagen aber, dass nur Männer es dürfen. Ates prangert solche konservativen und frauenfeindlichen Haltungen an. "Muslimin zu sein und gleichzeitig Frauenrechtlerin, ist für mich kein Widerspruch", sagt sie dem SPIEGEL.

Die Moschee wurde am Freitag eröffnet – seitdem wird Ates von vielen Muslimen angefeindet. 

Auf deutschen Facebook-Seiten pöbeln Kritiker. "Die Alte macht grade ihr Testament", kommentiert ein Nutzer, "Ates ich hoffe du verbrennst in der Hölle", schreibt ein anderer. Ates selbst bestätigte gegenüber der Berliner "Morgenpost", bei ihr seien viele Drohungen eingegangen.

Woher kommt der Hass?

Ates wird vor allem von der deutsch-türkischen Community angefeindet – viele sehen die Moschee als Projekt der Gülen-Bewegung. 

  • Der Prediger Fethullah Gülen war einst ein Weggefährte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Mittlerweile sind beide verfeindet. 
  • Erdogan bezeichnet Gülen als Drahtzieher des Putsches vom Sommer 2016, es gebe dafür geheimdienstliche Erkenntnisse.
  • Gülens Bewegung wurde in der Türkei als Terrorgruppe eingestuft, Tausende Anhänger werden verfolgt. Gülen selbst lebt im Exil in den USA.

Jetzt hat ein türkischer Sender fälschlich berichtet, die Gülen-Bewegung stecke hinter er neuen Moschee von Seyran Ates. An dem Bericht ist nichts dran, aber auf YouTube haben mehrere deutsch-türkische Nutzer die Botschaft verbreitet. Und auf Facebook hetzt vor allem der radikale Konvertit Martin Lejeune. 

(Bild: Screenshot: bento)
Lejeune hatte früher als Journalist gearbeitet und tritt heute vor allem als Erdogan-Fan auf – mit fragwürdigen Äußerungen. 

Er hat den Holocaust geleugnet (wofür er sich später entschuldigte) und mutmaßte, Deutschland würde muslimische Kinder vergasen (oder an Pädophile verkaufen).

Seit dem Wochenende hat Lejeune mehrere Videos hochgeladen, in denen er Ates einen "Kreuzzug gegen den Islam" vorwirft und jeden einen "Satan" nennt, der diese Wahrheit nicht erkenne. Mit Berliner Imamen lästert er darüber, dass eine Frau ohne Kopftuch ein Gebet leite. Und dass Ates' Moschee bewusst ein Gotteshaus ist, das auch Christen und Juden offen steht.

Gibt es auch Kritik aus dem Ausland?

Ja, vor allem ein Bericht im arabischsprachigen Programm der Deutschen Welle hat die Ibn Rushd-Goethe-Moschee im arabischen Raum bekannt gemacht. Der Beitrag wurde auf Facebook geteilt – viele antworten in den Kommentaren kritisch. 

"Das ist nicht die Religion unseres Propheten", schreibt eine Muslima. "Man kann doch nicht irgendeine niedliche Religion gründen, die sich am Weihnachtsmann misst", schreibt eine andere – und meint, Ates vertrete nicht mehr den Islam, sondern eine Religion, die sich dem Christentum anbiedere.

Und auch die staatliche Fatwa-Behörde Ägyptens hat die Moschee in einer offiziellen Erklärung als "Angriff auf die Religion" verurteilt. Die ägyptische Behörde ist keine religiöse Instanz im Islam – hat aber im Nahen Osten eine große Reichweite. Die Schmähung der Berliner Moschee wurde nun von vielen arabischen Medien aufgegriffen.

„"Vielleicht sieht es jetzt komisch aus, ist aber in einigen Jahren schon nicht mehr ungewöhnlich."“
Doch es gibt auch Zuspruch: 

"Eine gute Idee", schreibt eine Nutzerin. "Vielleicht sieht es jetzt komisch aus, ist aber in einigen Jahren schon nicht mehr ungewöhnlich." Auch ein anderer Nutzer schreibt, er sei ganz verwundert, wer sich alles Muslim nenne – und sich gleichzeitig erlaube, gegen eine Moschee zu hetzen, die allen offen steht.

Auch die Pädagogin Lamya Kaddor wird wie Ates angefeindet. Sie setzt sich ebenfalls für einen liberalen Islam ein – wir haben mit ihr gesprochen:


Musik

Wie ich zum Festival-Weichei wurde

Ich bin begeisterte Festivalgängerin seit zehn Jahren. Da gehörten schwer zu öffnende Raviolidosen, von innen nasse Zeltwände und drei Tage ohne Dusche zur Open-Air-Kultur dazu.

Mit 15 kam ich mit matsch- und uringetränkten Klamotten und ohne meine zweite Kontaktlinse von meinem ersten Festival, dem Rocco del Schlacko im Saarland, wieder – und war euphorisch über dieses Spektakel der Musikkultur. Meine Eltern eher nicht so: Die steckten mich zu Hause in die Badewanne, meine Kleider wurden da eingeweicht, wo sonst der Hund nach einem Waldspaziergang im Regen gewaschen wird.