3 Gedanken, was daran so daneben ist.

In Leipzig greift ein Mann einer Frau in der Straßenbahn an die Brust. Sie will ihn zur Rede stellen, er schlägt ihr ins Gesicht. Es kommt zum Gerangel, er schlägt weiter auf sie ein. 

Die Leipziger Polizeidirektion formuliert das später so:

"Das gestern Abend ein 24-Jähriger wiederholt seine Finger nicht unter Kontrolle halten konnte, wurde ihm zum Verhängnis. Magisch von den ebenmäßigen Formen einer 25-Jährigen angezogen, griff er ihr in der Straßenbahnlinie 9 an die Brust und erntete dafür wohlverdient ihren Missmut."

Die Meldung ist mittlerweile umformuliert. Doch dass sie ursprünglich so veröffentlicht wurde, bestätigte am Freitag ein Sprecher der Leipziger Polizei gegenüber bento. Demnach wurde das Original am Donnerstagabend veröffentlicht und später geändert, nachdem Kollegen von Buzzfeed darauf aufmerksam gemacht hatten.

Die sächsische Polizei entschuldigte sich daraufhin und bezeichnete die Formulierung als "unpassend". 

Gegenüber bento hieß es, die Tat sei "falsch interpretiert worden", in einer am Freitagnachmittag veröffentlichten Stellungnahme heißt es, es sei zu "keiner Zeit die Absicht, die Tat zu verharmlosen oder das Opfer herabzuwürdigen bzw. zu verhöhnen".

Unveränderte Erstversionen kursieren noch immer im Netz, auf Twitter oder bei Nachrichtenseiten wie "Focus".

Auch wenn der Fehler erkannt wurde – die gedankenlose Formulierung der ersten Meldung zeigt, was in Bezug auf sexuelle Belästigung immer noch falsch läuft.

Drei Erkenntnisse:

1.

Die Polizei verharmlost hier Gewalt.

Ein Mann begrapscht eine Frau, schon das ist Gewalt. Als sie sich wehrt, schlägt er sie. Auch das ist eine Gewalttat. Der Einstieg in die Polizeimeldung thematisiert aber nicht das, sondern macht in einer absurden Wendung den Täter zum Opfer. 

Ihm wurde "zum Verhängnis", dass er eine Frau angegriffen hat. Weil sie sich dann leider gewehrt hat. Der Übergriff wird verniedlichend als "Finger nicht unter Kontrolle" und "magisch angezogen" ausgedrückt. Es wirkt, als ob er der deutsche Täter nichts dafür könne, dass er seine Triebe nicht unter Kontrolle habe.

2.

Die Polizei betreibt hier "Victim Blaming".

Immer wieder wollen Männer ihr Fehlverhalten damit entschuldigen, dass das Opfer angeblich eine Mitschuld trage. Wenn eine Frau kurze Röcke anziehe, müsse sie sich auch nicht wundern, wenn jemand drunter fasse, heißt es dann.

Das ist absurd. Aber leider greifen Frauen diesen Blickwinkel immer noch auf, suchen die Schuld nach Übergriffen bei sich, achten darauf, was sie anziehen – nicht um sich selbst zu gefallen, sondern um Typen wie den 24-Jährigen nicht zu provozieren. Die Polizeimeldung zeigt, wie weit dieses Denken verbreitet ist.

3.

Die Polizei zeigt, was Sprache anrichten kann.

Die Verharmlosung wie auch die Täter-Opfer-Umkehr geschehen, weil die Meldung nicht nüchtern bleibt – sondern unterhalten will. 

Die Polizei hat hier nicht über einen Übergriff informiert, sondern eine Geschichte erzählt. Und das aus der Sicht des Mannes, nicht der Frau. 


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