Sachsen und Brandenburg haben gewählt – und in beiden Ländern haben fast alle Parteien Verluste hinnehmen müssen. Hinzugewonnen hat vor allem die AfD, aber auch die Grünen erreichten in beiden Ländern ihr bislang bestes Ergebnis. Die Rechtspopulisten kommen auf 27,5 Prozent, die Grünen auf 8,6 Prozent. (SPIEGEL ONLINE)

In Sachsen gelang Lucie Hammecke auf Anhieb der Sprung in den Landtag – mit 22 Jahren wird sie künftig die jüngste Abgeordnete sein. 

Lucie ist damit eine Newcomerin. Vor zwei Jahren war sie politisch noch gar nicht aktiv, erst nach der Bundestagswahl 2017 trat sie der Grünen Jugend bei, die sie im vergangenen Jahr zur Wahl aufstellte. Zuvor hatte Lucie sich bei der "Generationenstiftung" für eine generationengerechtere Politik eingesetzt. Erst kurz vor dem Wahlkampf hat sie ihre Bachelorarbeit in Politikwissenschaft abgegeben. 

Wir haben mit Lucie über das Wahlergebnis gesprochen und weshalb junge Politik für Sachsen so wichtig ist. 

Zunächst einmal: Glückwunsch zum Einzug in den Landtag! Aber kannst du dich bei 27,5 Prozent für die AfD so richtig über das eigene Ergebnis freuen?

"Für uns Grüne ist es ein krass gutes Ergebnis in Sachsen. Aber ich bin sehr geschockt von den vielen Stimmen für die AfD. Ich glaube, das werden schwierige Jahre im Landtag und im Land. Aber ich bin natürlich trotzdem glücklich über das gute Ergebnis der Grünen."

Die Grünen werden in vielerlei Hinsicht als Gegenpol zur AfD verstanden – wie hat sich das im Wahlkampf für dich angefühlt?

"Natürlich kann man nicht der Liebling aller Menschen sein, weshalb es auch Anfeindungen gab von Menschen, die unserer Partei vorwerfen, dass man die 'ganzen Ausländer' ins Land lassen würde. Im Wahlkampf ist es Alltag, dass man bepöbelt wird, aber tatsächlich ging es auch oft um reale Probleme der Menschen, um teurere Mieten oder um Hartz IV. Hartz IV wird den Grünen auch zurecht vorgeworfen, da sie das damals zusammen mit der SPD mitgetragen haben. Jetzt sind wir zum Glück lange der Überzeugung, dass es eine sanktionsfreie Grundsicherung braucht. Es gab allerdings auch viel Zuspruch, und das gibt einem immer wieder Kraft."

Wann hast du beschlossen, in die Politik zu gehen?

"Ende letzten Jahres wurde ich von der Grünen Jugend gefragt, ob ich nicht für sie kandidieren möchte. Davor war ich im Landesvorstand aktiv, als politische Geschäftsführung und genderpolitische Sprecherin. Die Frage, wie wir jungen Menschen eine Stimme geben können, hat mich schon länger beschäftigt. Deshalb habe ich auch die Chance ergriffen und mich beworben. Mein Gedanke war: Ich rede immer davon, dass wir mehr junge Menschen im Parlament brauchen, vielleicht kann ich es einfach selbst machen."

Sachsen ist eines der ältesten Bundesländer, der Altersdurchschnitt liegt bei über 46 Jahren, im Landtag lag der Altersdurchschnitt zuletzt bei 50 Jahren. Wenn Land wie Parlament eher alt sind, ist es doch nicht so schlimm, wenn kaum junge Abgeordnete da sind?

"Wenn nur 50-Jährige im Landtag sitzen, wird die Bevölkerung damit nicht abgebildet. Es gibt ja trotzdem viele junge Menschen in Sachsen, die sich von denen eventuell nicht vertreten fühlen.

Als junge Abgeordnete kann ich mit jungen Menschen im Bundesland besser in Kontakt kommen. Ich persönlich würde mich eher an jemanden in meinem Alter wenden, als an eine Politikerin im Alter meiner Großeltern. Es ist einfach eine viel niedrigere Schwelle, wenn ich Abgeordnete auf Instagram anschreiben kann. Ich glaube, dass es diese direkte Kommunikation viel mehr braucht."

Du willst vor allem Politik für die junge Generation machen – in einem Bundesland, aus dem die Jungen häufig abwandern. Was willst du tun?

"Ich glaube, wir müssen vor allem Perspektiven für junge Menschen schaffen. Dazu gehört, dass sie eine Möglichkeit haben, hier eine Ausbildung zu machen. Aber es geht auch darum, dass die Leute sich ein politisches Klima wünschen, in dem sie sich wohlfühlen. Ich glaube, deshalb müssen wir auch die Zivilgesellschaft und die politische Bildung zu stärken."

Du bist ja nicht nur als junger Mensch in der Minderheit im Parlament, sondern auch als Frau. Wir haben einmal nachgerechnet: Im neuen Parlament beträgt der Frauenanteil nicht einmal 28 Prozent.

"Ja. Dank dem Wahlergebnis von CDU und AfD ist er im Vergleich zur letzten Legislaturperiode sogar noch weiter gesunken – da waren noch etwas mehr als ein Drittel der Abgeordneten Frauen.

Das Parlament muss diverser besetzt werden, mit mehr jungen Menschen, Frauen und auch mit People of Color.

Wir müssen weg von dem typischen Bild eines Politikers als ein alter weißer Mann im Anzug. Denn davon fühlen sich sehr große Teile der Bevölkerung nicht mehr repräsentiert und sie trauen sich auch nicht, diese Personen anzusprechen."

Du hast gerade erst deine Bachelorarbeit abgegeben, jetzt wirst du im Landtag sitzen. Fühlst du dich bereit für fünf Jahre Parlament – und womöglich sogar Regierungsverantwortung?

"Ich freue mich wirklich sehr darauf. Das werden fünf anstrengende, aber auch spannende Jahre. Es geht darum, junge Menschen, die gerade im Studium oder in der Ausbildung stecken, zu vertreten – ohne den Anspruch zu haben, eine perfekt ausgebildete Politikerin zu sein. Denn die gibt es ja ohnehin nicht."

bento gibt es auch als App!

Wir pushen dir die besten Storys aufs Handy. Hier kannst du die App kostenlos runterladen: Android | iOS


Fühlen

Charlotte Roche lässt sich aufspießen und springt in die Tiefe – warum gucken wir uns so etwas an?
Was solche Sendungen mit uns machen und warum man nicht wegschauen kann.

"Ich liebe Mutproben", sagt Charlotte Roche, 41, in die Kamera – kurz bevor sie an vier Titanhaken angeseilt, die in ihrer Rückenhaut stecken, von einer Eisenbahnbrücke springt. 

Die Szenen am Samstagabend entstammen einer der brutalsten Aufgaben, die Joko und Klaas jemals in ihrer Sendung "Duell um die Welt" gestellt haben. Zwar ging es in der Show immer um das Testen und Überschreiten von Grenzen: ein Begräbnis bei vollem Bewusstsein, Klettern auf einem fliegenden Heißluftballon, ein U-Boot, das mit Wasser volläuft.