Rechte Gewalt in Sachsen-Anhalt: Schmierereien und Einschüchterungen gehören für Politiker wie Sören Herbst fast schon zum Alltag, Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und Hetze im Internet nehmen zu.

Sören Herbst(Bild: Bianca Mayer)

bento hat vor der Landtagswahl am Sonntag mit Sören Herbst über diese Alltäglichkeit gesprochen. Drehort war sein Büro in der Magdeburger Innenstadt. Erst vor wenigen Wochen hatten Unbekannte hier "Volksverräter" auf die Frontscheibe gesprüht, dazu das Bild eines am Galgen baumelnden Menschen.

So lief das Interview:

Sören Herbst sitzt für die Grünen im Magdeburger Landtag und weiß, wie sich rechte Gewalt anfühlt. Erst vor wenigen Wochen wurde sein Büro mit Nazi-Parolen beschmiert. Was macht das mit deiner Arbeit, Sören?

Posted by bento on Freitag, 11. März 2016

Kaum endete das Interview, mischt sich ein kahl geschorener Kerl ein, der die letzten Minuten des Gesprächs beobachtet hatte: "So so, die Grünen kungeln im Hinterhof mit der Presse. Mir ist alles klar!" Typen, die einfach um sein Büro schleichen, ihn anpöbeln, Hemmungen, die fallen. Sören Herbst sagt: "Mich nimmt das schon mit, wenn ich merke, wie das alles auch in mein privates Umfeld eindringt."

Die letzte rechte Aktion war noch keinen Tag alt:

Unbekannte hatten ein Wahllokal zugemauert, bei dem Flüchtlinge selbst wählen gehen können. "Das sind die Zustände derzeit in Sachsen-Anhalt", sagt er.

Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) hat solche Wahllokale am Freitag im ganzen Land geöffnet. Dabei können sich Ausländer, die nicht wahlberechtigt sind, spielerisch mit dem Wahlkampf auseinandersetzen. Das ganze ähnelt den Modellen, wo Jugendliche unter 18 Jahren probeweise wählen können. Echte Stimmen, die zur Wahl am Sonntag gezählt werden, sind das allerdings nicht.

Im Fotoslider: Diese Politiker stehen zur Wahl
1/12
Das Hauptziel hinter der "Migranten-Wahl": Demokratie erklären, Integration voranbringen.

Ein Wahllokal steht im Einewelthaus in Magdeburg. Laut den Organisatoren vor Ort hätten schon vor Öffnung der Wahllokale rund 40 Migranten Schlange gestanden, landesweit hätten zudem 700 Briefwahl beantragt. Die Ergebnisse werden erst nach der offiziellen Wahl am Sonntag veröffentlicht.

Hier findest du alle Live-Reporting-Geschichten aus Magdeburg: