Bild: privat
Junge Politiker erzählen, wie sie Nachwuchs-Wähler motivieren

Stell dir vor, es sind Wahlen – und keiner geht hin. Am 4. September wird in Mecklenburg-Vorpommern über einen neuen Landtag abgestimmt (hier mehr auf bento). Aber die wenigsten jungen Menschen interessiert das. Drei Viertel der unter 21-Jährigen gehen nicht wählen, schätzen Experten (SPIEGEL ONLINE).

Was ist da los? Ist Politik in Mecklenburg-Vorpommern so oll, dass niemand sich interessiert?

Wir haben die Jugendvertreter der fünf größten Parteien – SPD, CDU, AfD, Linke und Grüne – nach ihren Konzepten gefragt. Und wollten wissen: Wie motiviert ihr eigentlich junge Wähler?

(Bild: Privat)
Luisa Heide, 24 – Landesvorsitzende Jusos (SPD)
Wir wollen, dass junge Menschen das Gefühl haben, es wird nicht über sie entschieden – sondern sie entscheiden selbst mit. Sie müssen das Gefühl bekommen: Meine eigene Stimme zählt.

Um junge Menschen zu motivieren, sind drei Dinge entscheidend: Es müssen wieder Themen im Vordergrund stehen, die jungen Menschen wichtig sind. Das Wahlalter muss gesenkt werden und Jugendliche müssen häufiger nach ihrer Meinung gefragt werden.

Wie wollen wir das konkret erreichen? Wir setzen uns für ein zukünftiges Wahlalter ab 16 Jahren bei Landtagswahlen ein. Außerdem muss das Jugendbeteiligungsgesetz auf Landesebene eingeführt werden. Darin ist verankert, dass sich junge Menschen in Verwaltung, Politik, Schule, Jugendarbeit und bei Jugendverbänden verstärkt einbringen sollen.

Unter anderem über den Kampf gegen Rechts wollen wir junge Wähler wieder für politische Arbeit begeistern. Das zeigen wir mit dem Projekt "Storch Heinar" (Anm. der Redaktion: Unter der Marke verkaufen die Jusos Klamotten – eine Parodie auf die bei Rechtsextremen beliebte Marke Thor Steinar) Mit der Kampagne kämpfen wir dafür, dass die braune Brut aus dem Landtag fliegt. Auf dem landesweiten "Storch Heinar"-Bandcontest blasen wir den Nazis den Marsch und mit den Storchen-Cups, einem Fußballturnier in Greifswald und Schwerin, kicken wir gegen Rechtsextremismus und für Demokratie.

Außerdem bauen wir landesweit Stände auf, kommen mit jungen Wählern ins Gespräch und stellen uns vor. Das Motto heißt: "Wer kämpft für dich?"

Einfach erklärt – Das Wichtigste zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern:​

Franz-Robert Liskow, 29 Jahre – Junge Union (CDU)
Die Wahlbeteiligung war bei jungen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bei den letzten Wahlen gering. Das mag daran liegen, dass die großen Linien der Wahlkampfstrategien der Parteien vor allem auf Ältere zugeschnitten waren.

Wenn man junge Leute wieder mehr für Politik begeistern will, dann muss man mit ihnen darüber reden – egal ob bei Diskussionsrunden oder am Infostand, oder auch mal nebenbei im Sportverein oder bei einem abendlichen Bier. Weg von hochtrabenden Titulierungen, hin zu "Warum ist mein Sportplatz nicht saniert", "Warum fehlt bei meiner freiwilligen Feuerwehr der Nachwuchs?" und "Wie kann ich das ändern?"

Die Junge Union Mecklenburg-Vorpommern hat bereits 2015 ein Wahlprogramm mit dem Titel "Heimat gestalten" für die Landtagswahl vorgelegt – angefangen von der Forderung einer Modellregion für autonomes Fahren über den Breitbandausbau bis hin zum begleitenden Fahren für 16-Jährige. Teile wurden dann auch von der CDU übernommen. Wir stellen außerdem drei junge Direktkandidaten für die Landtagswahl.
Leicht daneben – Die lustigsten Wahlplakate aus MV:
1/12
(Bild: Lars Löwe)
Lars Löwe, 31 Jahre – Junge Alternative (AfD)
Junge Menschen möchten von der Politik Orientierung. Die bekannten Themen Familie, Volk und Nation werden aber von den etablierten Parteien nicht nur vernachlässigt – sondern durch die Dogmen "Multikulti" und "Europa" ersetzt. Um junge Menschen an die Urnen zu bekommen, muss man Dinge klar benennen – so etwa die negative Auswirkung der illegalen Massenzuwanderung auf innere Sicherheit und Sozialsysteme.

Mecklenburg-Vorpommern leidet nach wie vor unter der Abwanderung junger Menschen. Wir müssen diesen Menschen eine Perspektive in unserem Bundesland bieten. Darüber hinaus müssen wir für bessere Bildung sorgen. Wir sind das Bundesland mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit (11,6%), während gleichzeitig immer mehr Ausbildungsplätze mangels geeigneter Bewerber unbesetzt bleiben. Nur wer von seiner Arbeit, sich selbst und seiner Familie ein gutes Leben bieten kann, bleibt hier oder zieht hierher.
Wie überzeugend findest du die einzelnen Positionen?
Mitglieder des Jugendverbandes: (v.l.) Daniel Seiffert, Maximilian Hentschel (vorne), Nico Burmeister, Carolin Schmidt, Marie Guskowski, Chris H.(Bild: Privat)
linksjugend ['solid] M-V (DIE LINKE)
Wir wollen jungen Menschen zeigen, dass sie wirklich etwas bewegen können. Das schafft man auf jeden Fall auf der Straße, bei politischem Protest und Kundgebungen – etwa gegen Rechtsextremismus, das Freihandelsabkommen mit den USA oder die Atompolitik.

Wir müssen eine Alternative bieten: Wenn junge Menschen sehen, dass sie etwas verändern können, bekommen sie auch wieder politisches Interesse. Junge Menschen brauchen eine politische Vision – hin zur Veränderung zu einer besseren Gesellschaft.

Deshalb konnte auch zum Beispiel Bernie Sanders in den USA so viele junge Menschen für sich mobilisieren. Er wollte die Gesellschaft hin zu mehr Demokratie, mehr Gerechtigkeit, mehr Teilhabe aller verändern. So eine Veränderung brauchen wir in Mecklenburg-Vorpommern wie in Deutschland.

Bei vielen Wahlen ist das Mindestalter 18 Jahre. Engagierte Jugendliche werden so von der politischen Beteiligung ausgeschlossen. Das muss sich ändern.

Wir sind in unserer Funktion als Jugendverband natürlich nicht nur auf der Straße aktiv, sondern versuchen auch, junge Menschen über Angebote wie Filmabende, Vorträge, Diskussionsrunden, Jugendcamps und Festivalstände kennen zu lernen und zu politisieren.
(Bild: Ronja Thiede)
Ronja Thiede, 25 Jahre – Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen)
Junge Menschen müssen ernst genommen werden und es darf nicht nur Politik für "Alte" gemacht werden – wir denken da beispielsweise an die Kinder- und Jugendparlamente. 14- bis 24-Jährige sind eine der aktivsten Gruppen der Bevölkerung. Unser Wahlrecht spiegelt diesen Fakt aber leider nicht wider. Haben junge Menschen mehr Einfluss, gibt es auch in die Politik mehr junge Themen.

In Mecklenburg-Vorpommern ist Bildungspolitik gerade sehr wichtig: Junge Menschen brauchen einen Ausgleich zwischen guter Ausbildung und individueller Freizeit, egal ob in Schule, Uni oder Betrieb. Hierfür benötigt es einen Abbau des übertriebenen Leistungsdrucks, der heutzutage herrscht. Weitere Themen sind aber auch der Klimawandel, Toleranz oder soziale Gerechtigkeit. Schließlich sind wir die Generation, die es später ausbaden muss, wenn die Umwelt erst einmal zerstört oder die Gesellschaft komplett gespalten ist.

Lass uns Freunde werden!


Gerechtigkeit

Dieser Wahlometer kennt nur die AfD als Ergebnis
Die Geschichte dahinter klingt wie eine schlechte Verschwörungstheorie

Kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kursiert im Internet ein Test, der unentschlossenen Wählern die Entscheidung erleichtern soll. Doch mit dem bekannten Wahl-o-Mat hat die Seite nichts zu tun. Hinter dem scheinbar seriösen Angebot steckt ein Verein, der mit enormem Aufwand für die AfD wirbt.