Noch elf Tage bis zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 13. März. An was denkt man, wenn man an die Pfalz denkt? Richtig, an Wein. Die bento-Redakteurinnen Nike und Katharina haben sich mit Sedat Aktas und Michael Reinfrank, den beiden Gründern des Start-ups "Geile Weine" in Mainz getroffen. Ein Gespräch über Start-ups, Politik und Bio-Wein:

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie zufrieden seid ihr in Rheinland-Pfalz?

Sedat: Ich bin in Mainz sehr, sehr zufrieden. Man hat hier alles, was man braucht, die Wege sind kurz und die Menschen sehr freundlich und offen. Ich gebe mal eine 9.

Michael: Ehrlich gesagt, ich würde sogar eine volle 10 geben. Mir fehlt eigentlich nicht wirklich was. Ich würde jetzt nicht woanders hinziehen.

Wie ist es als Start-up in Rheinland-Pfalz?

Michael: Ich habe in den letzten Jahren viele Dinge mitbekommen: Netzwerke, Treffen, die von der politischen Ebene organisiert werden, über verschiedene Leute, die extra dafür eingestellt sind – zum Beispiel Gründerlotsen. Das habe ich aber alles erst mitbekommen, nachdem ich schon längst gestartet war. Ich glaube, es ist nicht so einfach, wenn man vor der Gründung steht, an diese Punkte heranzukommen. Da könnte schon ein bisschen mehr Unterstützung sein für Leute, die wirklich noch wie der Ochs vorm Berg stehen und noch keine Ahnung haben.

Sedat: Mittlerweile hat sich hier in Mainz schon sehr viel getan. Es gibt sehr viele Veranstaltungen, die es den Gründern einfacher machen, sich auszutauschen. Ich glaube, alleine die Tatsache, dass wir dort auch oft hingehen und von denen, die gründen wollen, auch direkt gefragt werden, zeigt das. Dieser direkte Austausch ist für die meisten viel, viel aussagekräftiger als ein Institut, das dir Broschüren gibt.

Wäre es ein Vorteil, wenn Gründer von Anfang an unterstützt würden?

Michael: Auf jeden Fall.

Sedat: Wobei es ja nicht immer nur Geld sein muss. Wahllos Geld zu verteilen, ist nicht die Struktur, die man braucht. Es gibt viele Sachen, die man sehr einfach umsetzen könnte. Zum Beispiel mehr Räumlichkeiten. Das wäre ein Leichtes für eine Stadt oder ein Land, gewisse Flächen im größeren Stil anzubieten. Wo man sich ausprobieren kann, ohne die Belastung einer Miete. Ich glaube, das könnte ein sehr fruchtbarer Boden sein.

Michael: Es geht nicht nur um Politik. Ich bin damals mit dem Konzept von meinem Laden zu den ortsansässigen Banken und hab dann halt gar keine Unterstützung erfahren. Jungen Gründern zumindest die Chance zu geben, zu starten. Ich glaube, da müsste man an die Politik hinarbeiten, dass da ein besserer Nährboden für die Finanzierung im Bankenbereich da ist. Aber nicht jede Idee muss das nächste Google oder Facebook sein. Viele versuchen, The Next Big Thing zu sein. Da fehlt mir manchmal der Bezug zur Realität.

Wenn ihr Ministerpräsident wärt, was würdet ihr machen?

Sedat: Ich müsste mich erstmal beschäftigen, was bedeutet es, Politiker zu sein?

Michael: Ich würde versuchen für Start-ups und Gründer, Strukturen zu schaffen und versuchen, diese nicht nur in den Hotspots zu haben. So wie es sich in Deutschland auf Berlin konzentriert, konzentriert es sich in Rheinland-Pfalz auf Mainz. Dann natürlich Unterstützung im Bereich von Räumen und anderen Dingen, beispielsweise den Gründerlotsen. Solche Dinge sind schon gute Ansatzpunkte. Was ich für ein Problem halte: die finanziellen Möglichkeiten. Hier kann das Land vielleicht auch Fonds einrichten, wo Risiken mitgetragen werden.

Wie seht ihr den ökologischen Weinanbau?

Michael: Das Thema ist nicht ganz so einfach, es ist eine Sonderkultur. Du hast eine schwierige Aufgabe, wenn du versuchst, da ein Ökosystem aufzubauen. Ich bin der Überzeugung, dass mancher konventionelle Winzer, der mit Sinn und Augenmaß arbeitet, ein besseres Ergebnis haben kann als ein Bio-Winzer. Ganz allgemein: bei Bio könnt es ein bisschen mehr Klarheit geben, auch für den Verbraucher.

Geht ihr wählen?

Michael: Auf jeden Fall! Man muss sich aber diesmal echt überlegen, wen man wählt.

Sedat: Ich hatte immer ein klares Wahlprofil. Aber jetzt kommt man da schon ins Überlegen. Dieses klare Wahlprofil, das man sich gebildet hat, das ist nicht mehr so klar.

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