Bild: bento

Ein Schüleraustausch ist eine tolle Sache: Endlich mal raus aus dem eigenen Mief, neue Welten entdecken, fremde Kulturen verstehen lernen. Die meisten denken da an Spanien, Frankreich oder die USA. Der neue Präsident der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter, denkt eher an Bielefeld und Bitterfeld. Oder an Magdeburg und Mannheim. 

Holter meint, auch 27 Jahre nach der deutschen Einheit gibt es immer noch zu viele Unterschiede zwischen Ost und West. Daher sollen Jugendliche in einem Austauschprogramm zwischen Schulen in Ost- und Westdeutschland nun "die anderen" besser kennenlernen (SPIEGEL ONLINE).

Innerdeutsche Horizonterweiterung? Ja, bitte!

Die Unterschiede sind immer noch da und werden es auch noch lange bleiben – ich habe sie selbst gespürt. Ich komme aus Thüringen, in meiner Schule hatten wir nie einen "Quotenwessi" in der Klasse. Aber als einer meiner besten Schulfreunde nach Bayern zog – die Mauer war da schon seit zwölf Jahren gefallen – erzählte er mir, dass er in seiner neuen Klasse nur "Udo" gerufen wird. 

Als ich Jahre später zum Studium ins baden-württembergische Freiburg ging, wurde ich selbst "Udo" genannt. Es bedeutet "Unser dummer Ossi". 

Das ist natürlich nur als Witz gemeint, nicht wirklich böse, wir sind ja alle längst weiter. Aber dann eben doch nicht: Bananenwitze gibt es immer noch, Alles-nur-Nazis-Vorurteile auch. Und umgekehrt fühlen sich viele Ossis auch immer noch bevormundet, klein gemacht und irgendwie belächelt. Den Wessi halten sie für arrogant. Auch ich ertappe mich immer wieder bei solchen Gedanken.

Ein Ost-West-Austausch für Schüler könnte hier zusammenbringen, was endlich zusammen gehört. Westliche Jugendliche, die eine Woche in Eisenhüttenstadt statt in Aberdeen leben oder Ostdeutsche, die den Alltag in Oldenburg statt Orléans kennenlernen – das ist auch ein kultureller Austausch, der sich ebenso lohnt.

Jugendliche, die eine Woche in Eisenhüttenstadt oder Oldenburg leben? Das ist auch ein kultureller Austausch, der sich ebenso lohnt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich will anderen Austausch nicht verbieten. Jeder, der will, kann sein Französisch in Lyon oder sein Englisch in Bristol aufbessern. Aber bei einer sächsischen oder fränkischen Familie unterzukommen, kann auch viel bringen – nicht nur für Linguisten.

Die Einheit ist lange her und viele Jugendliche kennen die DDR und die alte BRD nur noch aus dem Geschichtsunterricht oder den Erzählungen ihrer Eltern. Überwunden ist sie deshalb trotzdem noch nicht. Es gibt noch Unterschiede, sie zeigen sich in der Arbeitslosenquote, im Durchschnittslohn, in den Renten. Sie zeigen sich in der Lebenserwartung und bei der Familiengründung und im Karriereweg. 

Stasi, Honecker & Co. mögen für die heute 16-Jährigen kein Thema mehr sein – Chancengleichheit hingegen schon.

Wir sind ein Land. Aber in den Köpfen existieren beide weiter, auch bei jungen Generationen. 

Wenn es ein Interesse gibt, dann eher einseitig: Mehr als ein Drittel aller ostdeutschen Studenten ist an Unis im Westen eingeschrieben. Umgekehrt entscheiden sich gerade einmal fünf Prozent der Studierenden aus dem Westen für eine Hochschule im Osten (SPIEGEL ONLINE). 

Vielleicht wären bei beiden Seiten weniger Berührungsängste da, wenn sich künftige Kommilitonen schon in der Schulzeit kennenlernen konnten.

Meine Kollegin Elena sieht es übrigens ganz anders:


Style

Darum tragen "Star Wars"-Fans jetzt Schwangerschaftshosen
Hä?

Die Möchtegern-Jedis dieser Welt stehen seit dem jüngsten "Star Wars"-Film vor einer neuen Herausforderung: Sie möchten gerne so aussehen wie Kylo Ren in dieser einen Szene aus "Die letzten Jedi", in der er oberkörperfrei durch sein Raumschiff marschiert. 

Aber der halbnackte Kylo lässt sich schwieriger darstellen, als gedacht.

Es ist nicht das fehlende Sixpack des Schauspielers Adam Driver, das den Männern Probleme bereitet – sondern die Hochbundhose.