Bild: dpa / Jens Wolf
Nie wieder Krieg!

Die Bundesregierung will in den Krieg gegen den "Islamischen Staat" ziehen – er soll nur nicht so heißen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CSU) spricht lieber von einem "sehr harten Kampf", den der Bundestag am Freitag genehmigen soll.

Ursula von der Leyen(Bild: dpa/Peter Steffen)

Das Wort "Krieg" vermeidet sie. Wie schon ihre Vorgänger unternimmt sie große Verrenkungen: Es würden nämlich "nicht zwei Staaten" aufeinandertreffen.

"Krieg" sagt man einfach nicht als Verteidigungsminister:

(Bild: dpa/Thomas Köhler)
<p>Schon beim Kosovo-Krieg 1999 sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums unter Rudolf Scharping (SPD), man sei nicht im Krieg (<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/kosovo-krieg-als-die-menschenrechte-schiessen-lernten-1.457678" target="_blank">Süddeutsche.de</a>). </p>
(Bild: dpa/Rainer Jensen)
<p>Scharpings Nachfolger und Parteikollege Peter Struck sagte zum Thema Afghanistan-Krieg: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt." Auch Struck bezeichnete den Einsatz öffentlich nicht als „Krieg“ (<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76397389.html" target="_blank">DER SPIEGEL</a>).</p>
(Bild: dpa/Bodo Marks)
<p>Vermutlich am talentiertesten im Vermeiden dieses Wortes war Franz-Josef Jung (CDU), der das Amt von 2005 bis 2009 innehatte. Seine <strong>beharrliche Weigerung, den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr "Krieg" zu nennen</strong>, ist gut dokumentiert (<a href="http://www.zeit.de/online/2009/26/afghanistan-krieg-gefallene-2/komplettansicht" target="_blank">Zeit Online).</a></p>

Jung benutzte unter anderem folgende Formulierungen:

  • "Stabilisierungseinsatz" (siehe Video unten)
  • "andere Situation" (siehe Video): Auf einer Pressekonferenz stellte sich Jung Aussagen der niederländischen Regierung entgegen. Diese hatte gesagt, ihre Soldaten seien in der afghanischen Provinz Urusgan seit Jahren im Krieg.
  • "Selbstverteidigung" (siehe Video)
  • "asymmetrische Bedrohungslage" (Deutschlandfunk)
  • "Einsatz für den Frieden" (SPIEGEL ONLINE)

Das ZDF zeigte in seinem satirischen Jahresrückblick von 2008, wie kreativ Jung war:

(Bild: dpa/Michael Kappeler)
<p>Anders als Jung machte es ein Jahr später sein Nachfolger im Verteidigungsministerium: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Er war <strong>der Erste im Amt</strong>, der das Wort "Krieg" in Bezug auf den Einsatz der Bundeswehr verwendete - wenn er auch nur indirekt. <br><br>Er könne jeden Soldaten verstehen, der von Krieg spreche. </p><p>Guttenberg selbst sprach dann aber lieber doch von "kriegsähnlichen Zuständen" (<a href="http://www.zeit.de/2009/47/Kriegsbegriff/komplettansicht" target="_blank">DIE ZEIT</a>).<br> </p>

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