Bild: dpa/Boris Roessler
Dann kamen auch noch Rechtspopulisten dazu.

Alles begann mit diesem Satz: 

Einem jungen Mädchen ein Kopftuch überzustülpen, ist pure Perversion. Das sexualisiert das Kind.

Das sagte die NRW-Staatssekretärin Serap Güler vor knapp zwei Wochen dem WDR. Sie will, dass Mädchen erst später selbst entscheiden sollen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Familien sollen ihren Kindern kein Kopftuch vorschreiben.

Aus dem Satz wurde schnell eine Debatte um ein neues Kopftuchverbot in Deutschland – schließlich wollten deutsche Muslima und Muslime ein Zeichen für Toleranz setzen.

Unter #NichtOhneMeinKopftuch schrieben sie auf Twitter in den vergangenen Tagen Bilder und Statements zur Religionsfreiheit. Der Tenor: Wer wann wie viel Stoff tragen will, ist immer noch eine private Entscheidung. Und keine politische.

Der Hashtag ist allerdings nicht so tolerant, wie ihn viele Muslime verstehen: denn dahinter stecken Islamisten.

Schon ein Blick auf viele der Tweets der vergangenen Tage zeigt, wie viel Hass in ihnen steckt. Die meisten Äußerungen kommen von Männern, die sich in Sachen Islam nicht reinreden lassen wollen – obwohl sie als Männer vom Kopftuchverbot nicht direkt betroffen wären. 

Entsprechend ging es auch gar nicht mehr um ein Stück Stoff. Oft wird direkt von einem Kampf des Islam gegen den Westen geredet, Drohungen inklusive. Andere Tweets sind einfach nur herablassend:

Wer steckt hinter dem Hashtag?

Vor allem die Organisation "Generation Islam". Sie gilt als Plattform, die zum Umfeld der islamistischen Hizb ut-Tahrir gehören. Hizb ut-Tahrir, zu deutsch "Partei der Befreiung", ist eine islamistische Organisation. In Deutschland ist sie offiziell verboten. Sie gilt als besonders reaktionär und antisemitisch. (Verfassungsschutz NRW)

Über Facebook hatte "Generation Islam" ihre knapp 63.000 Fans vergangenen Sonntag gebeten, "Twitter zu überfluten". Sie sollten unter dem Hashtag Stellung zum Kopftuch beziehen. Hunderte Accounts wurden dafür extra neu angelegt.

So wollte "Generation Islam" seine Nutzer instrumentalisieren:

Mittlerweile ziehen die Islamisten in einem Folgepost Resümee: 

Der Sturm auf Twitter zieht langsam von dannen und er hinterlässt eine vereinte Community.

130.000 Tweets hätten sie abgesetzt, "um Allahs Willen wurde unsere Stimme laut!"

Tatsächlich haben die Islamisten an dem Hashtag einen großen Anteil. Der Datenanalyst Luca Hammer konnte 77.000 Tweets auswerten.

  1. Nur ein Fünftel aller Accounts, die sich unter dem Hashtag gemeldet hatten, gehören zu "Generation Islam".
  2. Allerdings sorgten die fast für vier Fünftel aller Tweets zum Thema.

Die Schieflage fiel auch anderen Twitter-Nutzern auf:

"Generation Islam" sind nicht die einzigen Islamistinnen und Islamisten, die den Hashtag groß machen wollten.

  • Auch der bekannte deutsche Salafist Pierre Vogel rief über seine Kanäle zur Teilnahme auf.
  • Der fundamentalistische "Islamische Zentralrat Schweiz" teilte einen Video-Aufruf mit einer jungen Muslima mit Kopftuch.
  • Und die Seite "Realität Islam" vom Konvertiten Raimund Hoffmann warb ebenfalls dafür.

Hoffmann steckt mutmaßlich auch hinter einer Petition, die seit einigen Tagen läuft. Unter "Deine Stimme gegen das Kopftuchverbot" wird auf openPetition um Unterstützer geworben. 50.000 Unterzeichner braucht die Unterschriftenaktion, mehr als 36.000 hat sie schon.

Das Paradoxe: Je aktiver die Islamisten wurden, desto mehr Rechte schalteten sich in die Twitter-Diskussion ein.

Rechtspopulisten sind laut Datenanalyst für etwa ein Zehntel der Tweets verantwortlich – sie haben den Hashtag für ihre eigene Propaganda genutzt. Der Tenor: Das Kopftuch bedeute automatisch Unterdrückung, der Westen werde durch den Islam überrannt.

Liberale Muslime blieben damit auf der Strecke. Die Debatte, ausgelöst durch den Satz von Serap Güler, habe so nur Extreme hervorgeholt. Die, die es wirklich betrifft, werden hingegen nicht gehört.

Wie viele muslimische Mädchen tragen in Deutschland tatsächlich Kopftuch?

Dazu gibt es kaum verlässliche Zahlen. Die letzte Erhebung ist schon zehn Jahre alt. Das Bundesamt für Migration hatte 2008 eine Umfrage im Auftrag gegeben. 

Das Ergebnis: 2,5 Prozent der unter 10-jährigen Muslima sagten, Kopftuch zu tragen. Bei den 11- bis 15-Jährigen waren es sieben Prozent.


Grün

Zwei Freunde haben ihren Job gekündigt, um Hunde aus dem Tierheim zu retten
... und nehmen uns per Insta mit auf die Reise!

Will man arbeiten, Tag für Tag in einem Büro sitzen – oder lieber die Welt zu einem besseren Ort machen? Die Freunde Luke und Lee haben sich entschieden. Lee, der Unternehmensberater, und Luke, der Fotograf, haben ihre Jobs gekündigt. 

Nun fahren sie mit einem Wohnmobil durch die USA, um Hunde aus Tierheimen zu retten!

bento hat mit den beiden gesprochen und gefragt, wer das alles bezahlt und warum die Hunde überhaupt gerettet werden müssen.