Die neue polnische Regierung zeigt deutlich, dass sie keinen Bock auf Flüchtlinge hat.

"Wir haben Angst vor dem Islam, der passt nicht nach Europa.“

Solche Aussagen muss ich mir oft anhören, wenn ich meine Verwandten besuche, und das polnische Fernsehen im Hintergrund läuft. Meine Eltern kommen aus Polen. Trotzdem stoßen sie an ihre Grenzen, wenn sie mit anderen Polen über die Flüchtlingspolitik in ihrem Heimatland reden. Sie verstehen manche Argumente nicht, meine Brüder und ich regen uns nur auf.

In der katholischen Gesellschaft in Polen brodelt der Hass, die Angst, es gibt kein Verständnis für eine andere Religion mit anderen Kulturen. Die nationalkonservative PIS Regierung feuert diese Gefühle noch an.

Außenminister Witold Waszczykowski sagte Anfang dieser Woche über Flüchtlinge aus Syrien: "Wenn wir bedenken, dass mehrere 100.000 junge Syrer nach Europa gekommenen sind, dann könnte man doch aus ihnen eine Armee bilden. Glauben sie, dass wir unsere Soldaten schicken, damit sie für Syrien kämpfen, während Hunderttausende Syrer auf der Straße 'Unter den Linden' oder auf dem Marktplatz sitzen, Kaffee trinken und zuschauen?"
(Bild: Reuters / Agencja Gazeta)

Bei der ersten Regierungserklärung zeigt die neue Ministerpräsidentin Beata Szydlo deutlich, dass Polen sich von der europäischen Solidarität in der Flüchtlingskrise abwendet: "Man kann den Export selbstgeschaffener Probleme anderer Länder nicht Solidarität nennen."

Erst vor einer guten Woche, am Unabhängigkeitstag, haben rechte Organisationen gegen Ausländer demonstriert und "Polen den Polen, Polen für Polen“ durch die Straßen Warschaus geschrien. Im Ausland hat man den Kopf geschüttelt.

Was sagen junge Polen dazu?


(Bild: Slawomir Klimkowski )

Stasiek 24 versteht die Empörung im Ausland:

"Auch wenn die Regierung nicht dazu bereit ist, die Flüchtlinge zu akzeptieren, ich finde wir müssen es tun. Wir sollten Gesetze einführen, um zu helfen, es sind schließlich Menschen. Eine Multi-Kulti-Gesellschaft ist notwendig, weil wir einen demografischen Wandel hier in Polen haben. Gerade ich als Pole sollte anderen helfen, so wie uns Menschen aus dem Ausland im Zweiten Weltkrieg und zur Zeiten des Kommunismus geholfen haben.“

Laut einer Umfrage des polnischen Instituts CBOS wünschen sich 69 Prozent der jungen Erwachsenen in Polen (18 bis 24 Jahren), dass man auf gar keinen Fall Flüchtlinge aus Kriegsgebieten in ihrem Land aufnimmt.

(Bild: Ola Adamczuk)

Eine, die genau so denkt, ist die 25-jährige Izabela:

"Meiner Meinung nach hat Polen genug eigene Probleme und braucht deshalb keine Flüchtlinge. Auf der anderen Seite bin ich bereit Menschen zu helfen, aber woher soll ich wissen, ob es Menschen sind, die vor dem Krieg fliehen oder ob es Menschen sind, die einfach nur die Situation ausnutzen, um nach Europa zu kommen? Ein anderer Punkt ist die Religion. Der Islam ist ganz anders als der katholische Glauben, und das könnte viele Probleme bei uns verursachen."


(Bild: Dawid)

Solche Meinungen findet Dawid, 25, peinlich:

"Ich finde die Debatte in der polnischen Politik zur Flüchtlingskrise ist auf einem sehr niedrigen Niveau: Die PIS-Partei setzt die Flüchtlinge meiner Meinung nach immer gleich mit Terroristen. Die Politiker wollen die Menschen hier in Polen davon überzeugen, dass 7000 Syrer das Land destabilisieren können. So zu denken, ist falsch, und wird in den Medien noch aufgebauscht. Viel zu viele Leute glauben, dass solche Aussagen richtig sind. Ich gehöre zu den wenigen, die denken, dass man Flüchtlingen helfen muss und eine europäische Solidarität zeigen soll."

Gerade die Verteilung der Flüchtlinge durch EU-Quoten führt nach den #ParisAttacks zu großen Debatten in Polen. Der baldige Europaminister Konrad Szymanski betonte, dass man sich in Polen nicht nach den EU-Quoten richten solle, wichtiger seien eigene Kontrollen und Schwerpunkte in der Migrationspolitik.

(Bild: Jan)

So denkt auch Jan, 26, obwohl er nicht wirklich von der politischen Debatte zur Flüchtlingspolitik überzeugt ist:

"Die Reaktion in der Politik und in der Gesellschaft ist viel zu emotional. Das Reinsteigern in die anti-islamische Haltung nervt mich. Die Menschen tun mir leid. Meiner Meinung nach können wir sie aufnehmen, wenn das ganze unter Kontrolle stattfindet und nicht zu Chaos führt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man uns die Flüchtlinge nicht einfach aufzwingen kann, das muss aus eigener Kraft entstehen."

Wenn im konservativen, katholischen und kulturängstlichen Polen nicht mit Ängsten argumentiert wird, dann wird die wirtschaftliche Lage Polens gegen die Flüchtlinge verwendet.
(Bild: Nicole)

Diese Gründe hört auch die 19-jährige Nicole oft:

"In meinem Umfeld sagen viele, dass die polnische Wirtschaft nicht stabil genug sei, um die Flüchtlingskrise zu überstehen. Ich versuche immer sehr menschlich auf die Flüchtlingskrise zu schauen. Wir verdienen alle ein gutes Leben, und ich denke, dass uns Flüchtlinge bereichern und man soll ihnen eine Chance geben. Trotzdem habe ich Angst, dass einige sich nicht anpassen wollen und das kann zu Problemen führen, das macht mir Sorgen.“