Kommentare im Internet zu lesen, macht oft keinen Spaß. Es wird gepöbelt und beleidigt, positive Beiträge sind manchmal schwer zu finden. Da ist es sehr einfach, zu resignieren, weiterzuklicken und wegzugucken. 

Wie man das anders machen kann, haben Cornelia Heyken und Christina Dinar auf der Medienkonferenz re:publica in Berlin gezeigt. Die beiden Pädagoginnen arbeiten für das Projekt "Debate, dehate" der Amadeu Antonio Stiftung, wo sie unter anderem Jugendlichen beibringen, mit Hassbotschaften im Internet umzugehen.

Wie schafft man es also, gegen Negativ-Kommentare anzukommen? Hier sind ihre Tipps:
1. Stille Mitleser aktivieren.

Die Lautesten bekommen im Leben die meiste Aufmerksamkeit. Das ist auch im Netz so. Leider – denn dadurch entsteht häufig der Eindruck, ihre Meinung sei auch die verbreitetste. 

Wenn du das nicht so stehen lassen, aber auch nicht alleine dagegen argumentieren willst, such dir am besten Mitstreiter. Denn es gibt sie – auch wenn sich viele von ihnen im Hintergrund halten.

Doch wie schaffst du es, sie zum Kommentieren zu ermutigen?

Häufig ganz einfach dadurch, dass du den ersten Schritt wagst. Christina Dinar schlägt Sätze vor wie: "Mich stört deine Aussage X. Bin ich die einzige, die sie rassistisch/beleidigend findet?"

2. An die anderen denken – und ein Signal geben.

Vielleicht denkst du gerade: "Warum muss ich mich überhaupt einbringen? Ich kann die Kommentare doch auch einfach ignorieren."

Klar. Allerdings ist dabei das Problem, dass in vielen Kommentaren bestimmte Gruppen oder einzelne Menschen konkret angegangen, beleidigt und verurteilt werden. Und wenn diese die Beiträge lesen und sehen, dass niemand für sie argumentiert, kann leicht der Eindruck entstehen, sie sind vollkommen allein mit dem Hass.

Im Zweifelsfall hilft also schon ein Kommentar, der Empathie mit den Betroffenen zeigt und ausdrückt: "Nein, das sehe ich anders.

Auf der re:publica übten Teilnehmer in einem Workshop, wie man auf Kommentare im Netz reagieren kann:
3. Entlarven!

Es ist relativ offensichtlich, aber muss hier trotzdem erwähnt werden: Wenn jemand Zahlen nennt oder auf angebliche Fakten verweist, google sie einfach mal. In vielen Fällen lassen sich Statistiken oder Berichte als Gegenbeweise finden.

Es macht dabei auch nichts, wenn du nicht alle Aussagen widerlegen kannst. Da hilft dann wieder die Community-Aktivierung aus Punkt 1. Wenn zum Beispiel jemand in einem Kommentar viele verschiedene Themen anspricht, hilft es, den Beitrag zu zerlegen, sagt Cornelia Heyken. Man könnte also schreiben: "Du erwähnst sehr viele verschiedene Baustellen. Ich würde gerne zunächst auf Thema X eingehen."

4. Gemeinsamkeiten suchen.

Falls du in dem genannten langen Post etwas findest, was du loben oder hervorheben kannst, ist das ein perfekter Gesprächseinstieg. 

Gute Sätze sind beispielsweise: "Ich finde es gut, dass du das ansprichst." Oder: "In diesem Punkt stimme ich dir zu."

Das öffnet die Kommunikation und erlaubt eine echte Auseinandersetzung mit den Inhalten.

So viel Hass kursiert im Netz

Hass im Netz beginnt häufig mit falschen Informationen oder sogar mit absichtlicher Hetze durch die Betreiber von Facebookseiten und als Nachrichtenportale getarnte Websites. 

Doch es gibt auch Gegenbewegungen. Die Seite hoaxmap.org deckt beispielsweise irreführende Gerüchte und Falschmeldungen über Geflüchtete und Minderheiten auf.

Von Anfang 2015 bis heute verzeichnet die Hoaxmap 473 unterschiedliche Falschmeldungen, von denen viele tausendfach geteilt und verbreitet wurden.

5. Wiederhole nie Behauptungen.

Wenn du dieselben Wörter oder Aussagen verwendest, wie die Person, der du widersprichst, verstärkst du unterbewusst nur deren Argumentation. Besser ist es, mit eigenen Worten zu reagieren.

Dieser Effekt wird übrigens hier im Detail beschrieben:

6. Don't feed the troll.

Ein häufig gehörter Satz. Er bedeutet letztendlich: Wenn es offensichtlich ist, dass jemand einfach nur seine Weltsicht abladen möchte, dann geh darauf lieber gar nicht ein.

In manchen Situationen kann man aber gut mit den anderen Kommentatoren diskutieren. Wenn ein Kommentar unentschlossen wirkt, oder jemand darin Ängste äußert, kannst du erst mal fragen: "Wie kommst du darauf?" 

"Man muss nicht immer gleich tausend Links und Fakten posten", sagt Cornelia Heyken. Wenn das Gegenüber weiterhin negativ reagiert, kannst du immerhin auf die Community-Standards verweisen. 

Und wie reagiert man auf Sätze wie "Ich lasse mir meine Meinung nicht verbieten?" Da schlägt Heyken vor: "Natürlich ist das deine Meinungsfreiheit, du kannst das äußern – aber ich stimme dir nicht zu."

7. Humor ist gut, lustig machen nicht.

Dieser Punkt ist relativ offensichtlich, aber er kann einfach nicht oft genug betont werden: Humor ist super, weil er den Ton oft auflockert. Doch er darf nicht abdriften ins Veralbern. Denn dann kann kein Dialog entstehen.

8. Ein Like geht immer.

Und was ist, wenn ich nicht lustig genug bin, oder mir kein schlagfertiges Argument einfällt? Dann drück zumindest auf "Gefällt mir".

Selbst wenn du keine Zeit oder nicht so viel Ahnung von dem Thema hast – gute Beiträge liken kannst du immer!

"Liken macht dich auch nicht angreifbar, denn welcher Troll wird schon alle anschreiben, die den Daumen hoch gegeben haben?", sagt Cornelia.

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