Bild: Jens Wolf/dpa
Jeder fünfte Student in Köthen kommt aus dem Ausland.

Es soll einfach nichts passieren. So begründet Torsten Schaper, warum sich seine Hochschule in Köthen zu der ungewöhnlichen Mitteilung entschlossen hat. Darin warnt die Hochschulleitung ihre Studierenden vor "potenziell gefährliche Demonstrationen", die am Sonntag in der Stadt stattfinden sollen und empfiehlt, "großzügig" bestimmte Teile der Stadt zu meiden. Dazu wurde die Notrufe-Nummer angeben.

(Bild: Screenshot)

Eine Kleinstadt in Aufruhr

Was wie die Ankündigung von "No-go-Areas" klingt, ist das vorläufige Resultat einer Woche mit mehreren rechtsradikalen Demonstrationen. Am vergangenen Sonntag war ein junger Mann kurz nach einem Streit mit Geflüchteten an einem Herzinfarkt gestorben. 

Wenig später instrumentalisierten Neonazis den Vorfall für einen "Trauermarsch", bei dem Journalisten die Kleidung zerrissen wurde und Redner vom "Rassenkrieg" gegen das deutsche Volk sprachen. Auch Gegendemonstrationen wurden angemeldet, in der Stadt fanden mehrere Trauer-Gottesdienste statt. 

Jetzt könnten sich die Ereignisse wiederholen. Für Sonntag sind weitere Demonstrationen angekündigt. Pegida, die AfD und weitere rechtsradikale Gruppen mobilisieren seit Tagen dafür. Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht riet den Bürgerinnen und Bürgern vorsorglich, lieber zu Hause zu bleiben "und die Rollläden zu schließen". (MZ)

550 ausländische Studierende

Soweit will man an der Hochschule in Köthen nicht gehen, dennoch ist die Anspannung groß. An der früheren Fachhochschule, die inzwischen eine Zweigstelle der Hochschule Anhalt ist, studieren derzeit etwa 2.500 junge Menschen. Mehr als 550 davon seien aus dem Ausland, so Pressesprecher Schaper im Gespräch mit bento. Insgesamt besuchen Studierende aus etwa 100 Nationen die Hochschule. Viele kämen etwa für ein Ingenieursstudium aus China in die Provinz von Sachsen-Anhalt. 

Schaper sagt: 

Wir sind uns nicht sicher, ob alle Studierende von den Demonstrationen gehört haben.

Viele kämen erst an diesem Wochenende wieder in die Stadt – am Montag beginnt die Prüfungszeit. Köthen ist eine kleine Stadt mit nur etwa 28.800 Einwohnern, irgendwo zwischen Magdeburg, Halle und Leipzig. Ein zentrales Studierendenviertel gibt es nicht, vielleicht auch deshalb die Warnung.

Angst vor weiterer Eskalation ist spürbar

An der Hochschule ist man sichtlich bemüht, die Stimmung nicht anzuheizen. In der Mitteilung steht kein Wort über die rechtsextreme Gesinnung vieler Demonstranten, prinzipiell wird vor allen Protesten gewarnt. Auch Schaper spricht lieber vom "Extremismus", den man ablehne und den Aktionen "für ein friedliches Köthen", die derzeit zahlreich in der Stadt stattfänden. 

Für uns ist es das erste Mal, dass so etwas vorkommt.
Torsten Schaper, Pressesprecher der Hochschule in Köthen

Viele Mitarbeitende der Hochschule seien in der Kleinstadt verwurzelt und selbst zivilgesellschaftlich aktiv, so Schaper im Gespräch mit bento. Für die Studierenden wurde für das Wochenende eine extra Hotline eingerichtet. Außer zwei oder drei jungen Menschen hätte bislang jedoch kaum jemand angerufen. Dennoch sei man laufend im Kontakt mit der Polizei, ein extra Team der Hochschulleitung soll das ganze Wochenende über vor Ort sein.

Wieviele Menschen am Sonntag demonstrieren und auf welcher Seite sie dann stehen werden, weiß bislang niemand so richtig – auch das sorgt vielleicht für Nervosität. 

"Wir sind hier nicht in Chemnitz", sagt er. Das stimmt natürlich. Und doch klingt es auch ein bisschen wie ein Wunsch. Es soll einfach nichts passieren.


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