"Alle reden über Köln, aber keiner redet über uns"

Seit den Silvester-Übergriffen in Köln und anderen Städten diskutiert Deutschland: über Flüchtlinge und Integration, über kulturelle Unterschiede, über Abschiebungen. Um die Frauen, die sexuell belästigt wurden, ging es lange nicht.

Nun haben die "Datteltäter", eine Gruppe von YouTubern aus Berlin, ein Video veröffentlicht, welches das Problem der Debatte rund um Köln auf den Punkt bringt.

(Bild: youtube.com/Datteltäter)

Nemi el-Hassan, Poetry-Slammerin und Muslima, spricht in dem Video über die Situation von Frauen in Deutschland, sie spricht darüber, dass nach den Übergriffen in Köln Gewalt "ethnitisiert" wurde, dass also der Eindruck entstand, nur "die Anderen" würden Frauen sexuell belästigen – und sie fordert, endlich offen über das Thema Sexismus zu reden.

Nemi bestreitet die Herkunft der mutmaßlichen Täter der Silvesternacht nicht, zeigt aber, dass das eigentliche Problem viel tiefer liegt: "Ich will nicht über Abschiebungen und Wohnsitzpflicht reden. Ich will darüber reden, dass ich in einem Land lebe, in dem Mädchen von ihren Lehren hören, dass sie in Mathe nicht gut sein können, weil sie Frauen sind. Und wo sie lernen, über solche Sätze zu schweigen, um keine Schwäche zu zeigen."

Gut gemeinte Ratschläge

Sie erzählt von Situationen, in denen sie als vorlaut bezeichnet wurde, weil sie ihre Argumente vorbrachte: "Dabei ist das Wort meine Waffe, und ich zücke sie, jedes Mal wenn Gewalt in Form von Beleidigungen auf mich zielt." Sie spricht über das Suchen nach Hilfe und das Wegschauen, sie zählt gut gemeinte Ratschläge auf, die wohl jede Frau schon gehört hat. Das Video endet mit einem starken Appell:

Es sei an der Zeit, endlich zu reden.

Was Nemi el-Hassan sagt, ist nicht neu. Und trotzdem: So prägnant zusammengefasst und eindrücklich vorgetragen entwickeln ihre Worte eine enorme Schlagkraft. Und zeigen, dass wir tatsächlich endlich eine offene Debatte brauchen.

Die zentralen Aussagen des Videos in Bildern:
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Die "Datteltäter" sind eine Gruppe junger Berliner, die mit ihren YouTube-Videos versuchen, mit Vorurteilen von und insbesondere gegenüber Muslimen aufzuräumen – und zwar mit Satire. Ihr Slogan: "Muslime planen ein neues Satire-Kalifat im Herzen der YouTube-Szene – ein Empörium für zwanghafte Toleranz." Ein schönes Porträt der Gruppe gibt es beim "Tagesspiegel".

Mitarbeit: Julia Rieke