"Syrer gegen Sexismus!" - Mit diesem Slogan haben am Samstag etwa 300 Menschen vor dem Kölner Hauptbahnhof demonstriert.

Nach den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht wollten sie ein Zeichen setzen: Es geht nicht um "die Flüchtlinge".

Sakher Al-Mohamad hatte die Kampagne schon vor einer Woche ins Leben gerufen, ursprünglich nur als virtuellen Protest und Solidaritätserklärung an die Opfer der Übergriffe. Auf Facebook hatten vor allem junge syrische Männer Fotos von sich veröffentlicht – mit Papierschildern, auf denen sie sich von Sexismus und Gewalt distanzieren. "Viele haben mich gebeten, das auch auf die Straße zu bringen, darum habe ich diese Kundgebung organisiert", sagt Sakher. Der 27-jährige Syrer und seine Mitstreiter haben eine Bühne organisiert und hunderte Rosen gekauft, die sie zusammen mit Flugblättern an Frauen verteilt haben.

(Bild: Organisator Sakher Al-Mohamad )

Für Sakher Al-Mohamad war das nicht der erste Protest. Schon im vergangenen Sommer hatte er ein Protestcamp syrischer Flüchtlinge in Dortmund mitorganisiert. Die deutsche Gesellschaft hat der Journalist aus Homs seitdem gut kennen gelernt. Angst vor einer Vorverurteilung wegen der Taten der Silvesternacht hat er nicht: "Ich glaube, die Mehrheit der Deutschen ist gebildet genug, um zu wissen, dass nicht alle Flüchtlinge so sind. Es gibt in jeder Gesellschaft gute und schlechte Menschen. Wir müssen mit den Deutschen zusammenarbeiten, um solche Probleme zu beseitigen."

Ihm geht es auch um Zivilcourage. "Wenn ich einen sexuellen Übergriff beobachte, muss ich dazwischen gehen", sagt er. "Egal ob ich in Syrien bin, oder in Deutschland!"

Vor der Bühne auf dem Bahnhofsvorplatz standen nicht nur Syrer: Auch Flüchtlinge aus anderen Ländern und deutsche Unterstützer hatten sich dort versammelt, um gegen Sexismus und Gewalt zu demonstrieren.

Wir haben ein paar von ihnen gefragt, warum sie dort sind:
Heba Abeduldeen, 18, aus Syrien

"Ich bin hier, um 'Sorry' zu sagen, für das was in der Silvesternacht passiert ist. Und um den Menschen zu sagen, dass nicht jeder aus der arabischen Welt schlecht ist. Natürlich gibt es gute und schlechte Menschen. Für mich hat das aber nichts mit arabischer Kultur oder dem Islam zu tun, solche Leute gibt es leider überall. Wir wollen hier leben, studieren und arbeiten und der deutschen Gesellschaft etwas zurück geben. Diejenigen, die das nicht wollen, und so etwas tun, wie in der Silvesternacht, sollten Deutschland verlassen.“

Ibrahim Sallat, 21, aus Syrien

"Wir lieben Köln und wollen den Kölnern zeigen, dass wir mit den Menschen, die das an Silvester gemacht haben, nichts zu tun haben. Die meisten Deutschen sind freundlich zu Flüchtlingen, darum habe ich auch keine Angst, dass sie jetzt schlecht über uns alle denken."

Ehsan Abdulsamad, 22, aus Afghanistan

"Ich bin hier, um zu zeigen, dass auch afghanische Flüchtlinge für die Freiheit der Frauen sind. In Afghanistan dürfen Frauen oft nichtmal zur Schule gehen, in Deutschland haben Frauen zum Glück mehr Rechte. Drei Tage nach Silvester habe ich im Fernsehen und im Internet gehört, was passiert ist. Ich war erstmal geschockt und habe mich gefragt, warum Menschen so etwas tun. Was ist los bei denen? Deutschland hat uns so viel geholfen, und dann passiert sowas!"

Sabine Henze, 66, aus Deutschland

"Ich finde es schlimm, dass jetzt alle Flüchtlinge, vor allem die 'gefährlichen muslimischen Männer', unter Generalverdacht stehen. Ich arbeite in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln-Mechernich und habe bislang vor allem so viele nette Menschen kennen gelernt, dass ich diesem Bild entgegenstehen möchte. Ich glaube, dass die meisten, die heute hier sind, wirklich mit ganzem Herzen gegen Sexismus sind. Das ist ein großes Vorurteil, dass muslimische Flüchtlinge alle ein völlig anderes Weltbild hätten. In der Flüchtlingsunterkunft stehen die Männer der Familien zum Beispiel genauso in der Küche!"

Hishan Alshoufi, 25, aus Syrien

"Ich hatte erstmal Angst, dass die Deutschen jetzt denken, dass wir alle so sind. Darum bin ich heute aus Bochum hierhin gekommen, um zu zeigen, dass das nicht so ist. Ich bin gegen Sexismus!"

Joud Nannas, 21, aus Syrien

"Ich bin eine junge Frau aus Syrien, und das was Silvester passiert ist, ist ein Problem für alle Frauen. Egal woher die Täter kommen! Ich bin vor Krieg und Tod geflohen. Hier in Deutschland bin ich nicht nur in Sicherheit, sondern kann zum Glück auch in Freiheit leben, jeder darf hier seine eigene Meinung haben. Dafür bin ich dankbar."