Bild: Ralph Peters / imago

Umweltfreundlich, klimaneutral, emissionslos und nachhaltig – seit die Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future ganz Deutschland zwingen, sich mit der heraufziehenden Klimakatastrophe zu beschäftigen, fallen diese Begriffe ständig. Sie sollen Hoffnung auf eine Zukunft machen, in der wir genau so leben können wie jetzt – ohne der Welt zu schaden. Was die Begriffe aber verschleiern: damit belügen wir uns oft selbst.

"Umweltfreundlich" 

Seit ein paar Wochen stehen zum Beispiel in deutschen Städten überall E-Scooter auf den Bürgersteigen. Als das entsprechende Gesetz erlassen wurde, wurde glücklich über die große Chance für mehr umweltfreundliche Mobilität geredet. Das klingt gut – ist aber falsch. 

Die E-Scooter sind nicht umweltfreundlich. Umweltfreundlich ist eigentlich nur zu Fuß gehen. Natürlich ist ein E-Scooter im Vergleich zum Auto im Normalfall weniger klimaschädlich. Im Vergleich zum Radfahren ist er aber schädlicher, er verbraucht Energie, muss geladen werden und wird dafür quer durch die Stadt transportiert.

Es gibt auch immer wieder die Forderung, Bahnfahren günstiger zu machen – für das Klima. Dabei wird ignoriert, dass natürlich auch Bahnfahren schädlich ist, nur eben weniger schädlich als das Flugzeug. Und auch ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr ist nicht per se ein Mittel zum Klimaschutz. Dann würden vielleicht weniger Menschen mit dem Fahrrad fahren, was aber klimafreundlicher ist, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

"Klimaneutral"

Ein anderes Beispiel ist das Wort "klimaneutral". Es suggeriert, dass das, was man tut, keinen Einfluss auf das Klima hat. Klimaneutral heißt aber oft nur, dass an anderer Stelle CO2 eingespart wird. Zum Beispiel klimaneutrale Flüge: Man verursacht mit der Reise CO2 und bezahlt dafür Geld an ein Unternehmen, das in Umweltprojekte investiert, die CO2 einsparen. Hier rein, da raus, so ist die Logik. 

Das Problem: Wir müssten viel mehr tun, als nur zu kompensieren, um die Erderwärmung zu stoppen. Laut dem jüngsten Bericht des Weltklimarats können wir weltweit noch etwa 420 Gigatonnen CO2 ausstoßen, wenn wir das 1,5 Grad Ziel halten wollen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind die 420 Gigatonnen in zehn Jahren aufgebraucht. (Weltklimarat)

Wirklich klimaneutral ist nur, was nicht CO2 oder andere Treibhausgase verursacht. Ein Begriff, der so tut, als könnten wir fliegen, ohne der Umwelt überhaupt zu schaden, führt dazu, dass wir unser Gewissen beruhigen – nicht dazu, dass wir die Welt vor der Klimakatastrophe retten. 

"Null-Emissions-Auto"

Die Bundesregierung bezeichnet Elektroautos als Null-Emissions-Autos. Das ist falsch. Auch E-Autos verursachen in der Produktion Emissionen und der Strom, der zurzeit in Deutschland fließt, kommt nur zu einem Teil aus erneuerbaren Energien. Und je mehr Menschen E-Autos fahren, desto mehr Strom brauchen wir. 

Doch die Bezeichnung "Null-Emissions-Autos" und die damit verbundene Denkweise führt dazu, dass sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt hat, bis 2020 (bzw. inzwischen bis 2022) eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen (SPIEGEL ONLINE). Diese E-Autos sollen natürlich andere, schädlichere Autos ersetzen. Aber theoretisch hätte die Regierung ihr Ziel auch erreicht, wenn ein Teil davon zusätzlich auf den Markt käme – zum Beispiel, weil Familien ein "umweltfreundliches" Zweitauto vertretbar fänden und es wegen der Förderung bezahlbar wäre. Dabei würde das dem Klima schaden. 

Für die Autohersteller gibt es übrigens einen sogenannten Flottengrenzwert: Ihre gesamte Flotte darf im Schnitt nur einen bestimmten CO2-Ausstoß erreichen. E-Autos werden mit null Emissionen angerechnet (SPIEGEL ONLINE). Die Hersteller können also Autos, die viel ausstoßen, mit E-Autos ausgleichen, obwohl auch E-Autos Emissionen verursachen. Wenn E-Autos mit ihrem tatsächlichen CO2-Ausstoß angerechnet würden, müssten die Autohersteller den Ausstoß der anderen Autos stärker senken. 

 "Nachhaltigkeit"

Und dann gibt es da noch das Wort "nachhaltig". Gerade wenn es um Kleidung oder Essen geht, achten immer mehr Menschen auf die Produktionsbedingungen. Sicher sind die Jeans der zertifizierten Marken unter besseren Bedingungen hergestellt als die der konventionellen Marken. Das sollte aber nicht dazu führen, dass wir uns denken: "Perfekt, dann kann ich mir ja ganz viel nachhaltige Kleidung kaufen." Denn auch die Produktion der nachhaltigen Kleidung oder der Transport des Bio-Kaffees verursachen CO2. 

Und jetzt?

Sehr viele Dinge, die wir konsumieren, und fast alle Arten der Fortbewegung führen zu CO2-Emissionen, schaden der Umwelt und dem Klima. Wenn wir uns das eingestehen, können wir klarer sehen. 

Wir können darüber nachdenken, welche Maßnahmen am meisten helfen – und wo wir uns blind in vermeintliche Lösungen stürzen, die eigentlich keine sind. Die Dinge so zu benennen, wie sie sind, ist ein erster Schritt zu mehr Ehrlichkeit gegenüber uns selbst und anderen. Es ist eine Art, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Tun, ohne Ausflüchte. 

Ich bin auch schon mit einem dieser E-Scooter gefahren, weil ich das mal ausprobieren wollte. Jetzt kann ich mir überlegen, ob ich das beim nächsten Mal wieder tun möchte. Aber ich werde mich immer fragen, ob es mir den Schaden an der Umwelt wert ist – und mich nicht gut dafür fühlen, dass ich "umweltfreundlich" E-Scooter gefahren bin. Und als Wählerin kann ich Politiker abstrafen, die so tun, als sei die Welt in Ordnung, bloß weil sie vom "Null-Emissions-Auto" schwärmen. 

Aber so was geht nur, wenn wir uns von der Sprache nicht in die Irre führen lassen. 


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