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Ein Interview mit einem Juniorprofessor für ökologische Krisen und Konflikte

Wenn es um die Klimakrise geht, wirken viele Diskussionen, als gäbe es keine gemeinsame Grundlage, dann stehen Aktivistinnen und Aktivisten, die fürs Klima den Verkehr blockieren, auf der einen Seite, SUV-Fahrer mit "Fuck you Greta"-Sticker am Heck auf der anderen. Mehr als eine Million Menschen gingen mit "Fridays for Future" auf die Straße, auf Facebook organisieren sich Auto-Fans zu Hunderttausenden in der Gruppe "Fridays for Hubraum".

Wie geht eine Gesellschaft damit um? Gibt es Möglichkeiten, wie sich beide Seiten versöhnen können? Und wie lange wird uns die Debatte um Klimaschutz noch beschäftigen?

Mit genau diesen Fragen setzt sich Stefan Aykut auseinander. Der 39-Jährige ist Juniorprofessor für ökologische Krisen und Konflikte an der Universität Hamburg. 

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bento: Sehen wir gerade eine Spaltung der Gesellschaft in Deutschland?

Stefan Aykut: Gesellschaftliche Spaltung ist ja ein sehr aufgeladener und meist negativ besetzter Begriff. Historisch betrachtet sind gesellschaftliche Konflikte aber auch ein sehr wichtiger Treiber für Veränderungen: Die Arbeiterbewegung und die feministische Bewegung waren zum Beispiel wichtige Momente, in denen sich die Art und Weise, wie wir unser Zusammenleben gestalten, verändert hat. Ich denke, dass wir das im Moment auch rund um das Klimathema sehen.

Bei der Debatte um SUVs zum Beispiel: Ist es okay, dass manche Leute mit diesen riesigen Autos durch die Gegend fahren und dadurch viel mehr CO2 produzieren? Ist das noch private Freiheit, oder greift das schon in die Freiheit von anderen ein, weil die Umwelt verpestet und das Klima erwärmt wird?

bento: Beide Seiten scheinen sich zu radikalisieren. Ist dieser Konflikt so leicht zu lösen? 

Stefan: Wenn wir unsere selbstgesteckten Klimaziele einhalten möchten, dann wird das massive gesellschaftliche Veränderungen zur Folge haben. Die Mobilität von heute, um bei dem Beispiel zu bleiben, kann sicherlich so nicht weitergeführt werden. Da wäre es doch sehr überraschend, wenn es nicht zu Konflikten käme. 

Indem etwas simple Feindbilder kreiert werden, wird in solchen Debatten klargemacht, wo die Konfliktlinien liegen, und was verändert werden muss. Da wird es zunächst zu einer Zuspitzung kommen, weil konträre Interessen aufeinandertreffen und weil sehr viel auf dem Spiel steht. 

Zugleich entstehen aber auch neue Solidaritäten, weil sich Menschen gemeinsam für eine Sache einsetzen. Ein Beispiel ist der Ruf nach Klimagerechtigkeit, der Bewegungen aus dem globalen Süden und dem globalen Norden eint.

bento: Was kommt dann auf uns zu?

Stefan: Aus der Arbeiterbewegung oder der Bürgerrechtsbewegung können wir lernen, dass sich nach Phasen gesellschaftlicher Instabilität ein neues Gleichgewicht einpendeln kann. Mit der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert kamen die Sozialgesetze und damit auch mehr Umverteilung. So kann so ein neuer Gesellschaftsvertrag entstehen.

Heute sehen wir, dass sich die junge Generation bei "Fridays for Future" organisiert hat und sagt: "Ihr lebt auf Kosten unserer Zukunft und wir wollen, dass sich das ändert."

Falls sich der Konflikt immer weiter zuspitzen sollte, wird die Frage sein: Wie wollen wir eigentlich zusammenleben in einer Welt, die zunehmend unter dem Zeichen des Klimawandels steht? Daraus folgen weitere Fragen: Wenn wir unsere Wirtschaft CO2-neutral machen wollen, wie sollen dann eigentlich die Lasten verteilt werden? Und wie können wir eine breite gesellschaftliche Dynamik für einen solchen Wandel erzeugen und mittelfristig auch aufrechterhalten?

bento: Sind denn Blockadeaktionen wie von "Extinction Rebellion" in Berlin förderlich für die Debatte?

Stefan: In der Anti-Atomkraft-Bewegung waren Blockaden bereits ein sehr wichtiges Mittel. Daran schließt "Extinction Rebellion" an. Als solche sind die mit Sicherheit effektiv, um Aufmerksamkeit zu erregen und so die Anliegen der Bewegung in die Gesellschaft zu tragen.

bento: Besteht durch solche Aktionen nicht die Gefahr, eigentliche Unterstützer abzuschrecken?

Stefan: Direkt betroffen sind ja erstmal vor allem ein paar Autofahrer in Berlin. Die Bilder, die dadurch erzeugt werden, sehen aber weit mehr Leute. Den Protestierenden geht es darum, in die Gesellschaft hineinzuwirken.

bento: Wird der Klimwandel noch lange den gesellschaftlichen Diskurs so prägen wie im Moment?

Stefan: Wir wissen, dass sich Themen in den Medien abwechseln. In unserem Jargon sprechen wir von Zyklen medialer Aufmerksamkeit: Einmal ist Migration das Top-Thema, dann ist es das Klima und im nächsten Moment vielleicht die Wirtschaft. Das heißt aber nicht, dass der Klimawandel aus der Diskussion verschwinden wird. Er spielt schon seit den späten Achtzigerjahren eine mediale Rolle in Deutschland, verdrängt wurde er nie ganz. 

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Einerseits nimmt der Handlungsdruck zu. Immer neuen Studien zeigen uns zum Beispiel, dass die Durchschnittstemperatur sich weiter verändert. Bei extremen Wetterereignissen wird immer die Frage auftauchen, ob das nun Auswirkungen des Klimawandels sind. Das garantiert dem Thema eine gewisse Präsenz in den Medien.

Das Thema wird außerdem immer weiter entgrenzt: Gewissermaßen kann alles mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden – Mobilität, Energieproduktion, Landwirtschaft und auch Migration, Stichwort Klimaflüchtlinge. Aus Medienperspektive wird es deshalb nie langweilig.

bento: Ist es wirklich allein der Protestbewegung zuzuschreiben, dass das Thema so stark auf die Agenda kam? Oder gab es auch andere Gründe dafür?

Stefan: Der Klimawandel wurde schon zuvor in relativ vielen verschiedenen Kanälen thematisiert: Einerseits auf internationaler Ebene, beispielsweise mit dem Pariser Abkommen 2015. Und natürlich gab es auch eine Diskussion über das deutsche Klimaziel für 2020, das nicht mehr erreicht werden kann.

Trotzdem ist "Fridays for Future" eine völlig neue Form der Mobilisierung, die absolut zentral dafür ist, dass wir jetzt so prominent über den Klimawandel diskutieren.


Future

Kündigung, Gehalt, Urlaubstage: Worauf es beim ersten Arbeitsvertrag ankommt

Seit Ärztin Marlyn Koop, 28, die Zusage für ihre erste Stelle hat, fragt sie sich, ob sie nicht neben Medizin noch hätte Jura studieren müssen. Um den Überblick zu behalten, was es vor dem Berufseinstieg alles zu beachten gilt.

Marlyn ist nicht nur aufgeregt, wie ihre erste Stelle in der Anästhesie wohl sein wird. Sie muss auch zum ersten Mal einen richtigen Arbeitsvertrag unterschreiben – mit vielen kleingedruckten Details. "Im Studium haben wir dazu gar nichts gelernt", sagt Marlyn. "Wir helfen uns in der Freundesgruppe weiter und erzählen uns, was man alles erledigen muss."

Wie Marlyn stehen viele Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen vor der Herausforderung, ihre Arbeitsverträge richtig zu verstehen, ihre Rechte und Pflichten zu kennen. Häufig unterschreiben sie einfach vor lauter Freude, dass es jetzt endlich losgehen kann. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Maria Dimartino ist Rechtsanwältin für Arbeitsrecht. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen zum Jobeinstieg.

bento: Welche Fragen sollte sich jeder Berufseinsteiger zu seinem Arbeitsvertrag stellen?

Maria Dimartino: Zunächst einmal ist es wichtig, den Vertrag auch genau zu lesen – zu Hause, nicht vor Ort, ganz in Ruhe. Klingt banal, viele denken aber vor lauter Nervosität nicht daran. Oft wird in den Verträgen auf andere Regelungen wie Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen verwiesen. Hier sollte man gezielt nachfragen, wo diese Informationen zu finden sind. Dabei muss nicht jede Klausel bis ins Detail betrachtet werden, aber die wichtigsten Fragen sollten geklärt sein: Wann ist Vertragsbeginn? Gibt es mehrere Einsatzorte? Wie setzt sich mein Gehalt zusammen? Gibt es Sonderzahlungen? Wie viel Urlaub steht mir zu?