Bild: imago / Westend61
Das wird man ja wohl noch fragen dürfen.

Viele junge Menschen behaupten, sich für das Klima zu interessieren, haben aber neue Smartphones, sind gern im Flieger unterwegs und kaufen massenhaft Klamotten. Auch den Aktivistinnen und Aktivsten von "Fridays for Future" wird das Verhalten ihrer Altersgenossen immer wieder vorgehalten: Andauernder Konsum sei für die "Generation Greta" selbstverständlich. Das trüge jedoch zu einem besonders großen CO2-Fußabdruck bei, also zum Ausstoß besonders vieler klimaschädlicher Treibhausgase. 

Doch stimmt das? Sind junge Menschen die größten Klimasünder der Gesellschaft?

Das wird man ja wohl noch fragen dürfen

Vorurteile hat jeder. Manche sind uns bewusst, andere nicht, manche sind uns peinlich, andere halten wir für abstoßend oder hinterwäldlerisch. In dieser Reihe versuchen wir, weit verbreiteten Vorurteilen auf den Grund zu gehen und die dahinter stehenden Fragen wissenschaftlich zu beantworten. 

Das sagen die Zahlen:

Der CO2-Fußabdruck lässt sich auf verschiedene Bereiche aufteilen. Beim CO2-Rechner des Bundesumweltamts sind dies folgende: Heizung und Strom, Mobilität, Ernährung sowie sonstiger Konsum. Hinzu kommt ein geringer Anteil von öffentlichen Emissionen, also solchen, die jede und jeder automatisch mitträgt, beispielsweise durch Verwaltung und Infrastruktur. 

Wir haben uns die einzelnen Sektoren genauer angesehen und versucht, anhand von Statistiken herauszufinden, welche Altersgruppe am meisten CO2 ausstößt.

Heizung und Strom:

  • Mit steigendem Alter vergrößert sich auch der Wohnraum: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft wohnten 19- bis 24-Jährige im Jahr 2013 durchschnittlich auf 35,5 Quadratmetern pro Person. 45- bis bis 64-Jährige hatten im Schnitt 50,9 Quadratmeter und über 65-Jährige sogar mehr als 60 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Je größer die Wohnung, desto mehr muss auch geheizt werden – und dementsprechend steigt auch der CO2-Ausstoß. Das bestätigt eine Studie des Umweltbundesamts: Während bei Menschen zwischen 18 und 50 der CO2-Ausstoß durch das Heizen etwa gleich bleibt, steigt er danach mit steigendem Alter stark an.
  • In der gleichen Studie wurde auch der CO2-Ausstoß durch den Energieverbrauch verschiedener Tätigkeiten im Haushalt untersucht, darunter Duschen, Kochen und Mediennutzung. Das Ergebnis: Junge Menschen verbrauchen dabei etwas mehr Strom und stoßen somit auch mehr CO2 aus. Mit dem Alter nimmt der Stromverbrauch bei diesen Tätigkeiten im Durchschnitt ab.

Mobilität:

  • Ein Argument, das auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder angebracht hat, ist die steigende Anzahl junger Fluggäste. In der Tat ist die Zahl der unter 30-jährigen Flugreisenden aktuell so hoch wie noch nie – das trifft jedoch auch auf andere Altersgruppen zu. Im Jahr 2017 gab es laut dem Flughafenverband Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) 38,8 Millionen Flugreisende im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Bei den unter 30-Jährigen waren es nur 22 Millionen (BR). Bezogen auf die jeweiligen Bevölkerungsanteile fliegen jüngere Menschen weniger häufig. 
  • Laut Studie des Umweltbundesamts stoßen 30- bis 49-Jährige durch Urlaubsreisen mehr als doppelt so viel CO2 aus wie 18- bis 29-Jährige, Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren sogar dreimal so viel.
  • Auch bei der Mobilität im Alltag sorgen Menschen unter 30 für einen geringeren CO2-Ausstoß: Laut der Studie sind 30- bis 49-Jährige hier Spitzenreiter mit jährlich knapp 1,6 Tonnen CO2, bei 18- bis 29-Jährigen liegt der Ausstoß bei weniger als einer Tonne. Woran das liegt zeigt der "Modal Split", die Verteilung des Transportaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel. Laut der Studie "Mobilität in Deutschland" war im Jahr 2017 der Anteil der Autofahrenden bei den 40- bis 49-Jährigen am höchsten: Sie waren zu 59 Prozent mit dem Auto unterwegs, bei den 20- bis 29-Jährigen waren es 43 Prozent. 

Ernährung:

  • Etwa zwei Drittel der Emissionen durch unsere Ernährung geht auf tierische Produkte zurück (WWF), allen voran Fleisch. Eindeutige Aussagen darüber, in welchen Altersgruppen mehr davon gegessen wird, lassen sich nicht treffen. Laut Umfragen gibt es etwas mehr jüngere Menschen, die täglich Fleisch essen, als ältere – gleichzeitig ist bei den Jüngeren jedoch auch der Anteil von Vegetarierinnen und Veganern am höchsten (Ernährungsreport 2019).

Sonstiger Konsum:

Mit durchschnittlich 4,56 Tonnen CO2 pro Kopf ist dieser Bereich laut Bundesumweltamt der größte Verursacher von Emissionen in Deutschland. In diesen Bereich fallen alle anderen Konsumgüter, also beispielsweise Elektrogeräte oder Kleidung.

  • Mit zunehmendem Alter steigt das durchschnittliche Einkommen (Gehaltsbiografie 2018) – und damit auch der Privatkonsum. Gerade bei Kleidung wird jungen Menschen häufig der Vorwurf gemacht, nicht nachhaltig einzukaufen. Laut Studie des Umweltbundesamts ist das Gegenteil der Fall: In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen ist mit jährlich 120 Kilogramm der CO2-Ausstoß durch den Kauf von Klamotten am kleinsten, bei 30- bis 49-Jährigen mit knapp 177 Kilogramm am größten.

Das sagen Studien:

Bereits eine Untersuchung aus dem Jahr 2000, welche die Emissionen verschiedener Konsumentengruppen beleuchtete, kam zu dem Ergebnis, dass jüngere Menschen einen kleineren CO2-Fußabdruck haben. Demnach hätten damals junge Menschen für 10,5 Tonnen jährlichen CO2-Ausstoß gesorgt, alte Menschen für etwa 12 Tonnen.

Auch am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock haben Forscher im Jahr 2011 die CO2-Bilanz nach dem Alter aufgeschlüsselt. Demnach stiegen die Emissionen ab dem 10. Lebensjahr rasant nach oben – und erreichten ihre Spitze im Alter zwischen 63 und 65. Als Grund sehen die Wissenschaftler das mit dem Alter steigende Konsumverhalten. (Welt)

Und in der bereits erwähnten repräsentative Studie des Umweltbundesamts wurden 2016 die CO2-Emissionen der Bevölkerung in einigen Sektoren untersucht, darunter Mobilität und Energieverbrauch im Haushalt. Hier kommen Menschen zwischen 50 und 65 Jahren mit jährlich etwa 5,5 Tonnen auf den höchsten CO2-Ausstoß in diesen Sektoren, dicht gefolgt von 30- bis 49-Jährigen. 18- bis 29-Jährige seien in den Bereichen für 4,7 Tonnen CO2 verantwortlich und die über 65-Jährigen für knapp 4,4 Tonnen. Zurückzuführen ist der geringere Ausstoß bei letzteren vor allem durch den geringeren Energieverbrauch im Bereich der Mobilität.

Was sagt uns das?

Stephan Schunkert ist Geschäftsführer von "Klimaktiv" und hat den CO2-Rechner des Umweltbundesamts entwickelt. "Den größten Fußabdruck haben durchschnittlich Menschen im Alter zwischen 40 und 60", sagt er. Den Grund dafür sieht er im höheren Einkommen: "Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto mehr wird auch ausgegeben. Und hinter fast jeder Ausgabe steht eine CO2-Last, nur sehr selten eine Vermeidung, wie bei klimafreundlichen Geldanlagen." 

Darin sieht der Klimaschutzstratege eine große Herausforderung. Denn selbst wenn die neue Hose aus nachhaltiger Produktion ist – besser fürs Klima ist es immer, sich keine neue Hose zu kaufen. 

Erst im höheren Alter gehe der CO2-Ausstoß wieder zurück: "Man braucht kein neues Mobiliar und kein Zweitauto mehr und verkleinert vielleicht die Wohnung", erklärt Stephan Schunkert. 

Fazit

Mit dem Alter verändert sich auch die Größe des persönlichen CO2-Fußabdrucks. Der Vorwurf, die junge Generation sei besonders klimaschädlich, stimmt also nicht. Allerdings: Ein entscheidender Faktor für einen höheren CO2-Ausstoß ist das Alter nicht. Entscheidend ist vor allem das zur Verfügung stehende Einkommen, welches üblicherweise mit zunehmendem Alter wächst. 

Es ist jedoch möglich, dass die heutige junge Generation im Vergleich zu früheren jungen Generationen klimaschädlicher ist: Zwar gehen seit Jahrzehnten die Emissionen zurück, allerdings hauptsächlich in Sektoren, die bei jungen Menschen ohnehin einen kleineren Fußabdruck hinterlassen, beispielsweise der Heizenergie. Im Bereich des Privatkonsums könnten sie jedoch für einen höheren CO2-Ausstoß verantwortlich sein als ihre Vorgänger – belastbare Zahlen gibt es hierzu jedoch nicht. Sie sind nur schwierig zu ermitteln, da die Emissionen teilweise durch die Produktion im Ausland entstehen.

Was jedoch gesichert sein dürfte: Wer heute jung ist, wird auch in Zukunft tendenziell mehr CO2 ausstoßen. Viel entscheidender für den Klimaschutz ist ohnehin, dass alle Menschen ihre Emissionen verringern – egal ob jung oder alt.


Fühlen

Männer unter sich
Ein Besuch auf der Männermesse

"Die Karten haben wir in einem Drogeriemarkt gewonnen", erzählen zwei sechzigjährige Männer vor dem Eingang zur "Man's World", einer Messe für Männlichkeit. "Sonst hätten wir auch gar nicht mitgekriegt, dass das stattfindet." Seit 2016 zeigt das Event an wechselnden Standorten Produkte ausschließlich für Männer. 

Die beiden Besucher freuen sich jetzt auf Barbecuesaucen, schwere Motorradstiefel und Schnaps, der hier natürlich crafted ist. Und hoffen, dass es eine Fußballecke gibt, um St. Pauli "mit einem schönen Bier" zu schauen. Bis jetzt sind sie angetan von der Atmosphäre im Hamburger Hafen, "richtig was für Männer", meint der eine. Der andere stört sich an den auffälligen Autos, die zu Dutzenden vor der Halle geparkt stehen: "Angeberautos!" – "Was hast du erwartet?" 

Gute Frage, was erwartet man im Jahr 2019 von einer Männermesse? 

Man könnte an Motoröl und Alkohol denken, aber auch an eine neue Form von Männlichkeit. Debatten um Sexismus und Geschlechterrollen haben es spätestens seit dem Hashtag #metoo in den ganz breiten Diskurs geschafft. Auf die Frage, was männlich ist, gibt es inzwischen mehr als nur eine Antwort. Ist das auch auf der Man's World zu spüren? 

Das Bild unmittelbar vor dem Eingangsbereich widerspricht dem erst mal: Es riecht nach Grillfleisch, Männer in Motorradjacken oder hellblauen Hemden essen Steak im Brötchen, und dann kommt auch noch Tim Mälzer rauchend aus der Halle. Direkt hinter den Kassen stehen Luxusautos und eine zwölf Meter lange Segelyacht, es läuft Frank Sinatras "I Did It My Way". Die Halle ist abgedunkelt, indirekt angestrahltes Holz vermittelt das Gefühl, man befinde sich in einer angestrengt hippen Bar im Szeneviertel.