Bild: Gordon Welters / Greenpeace
Was sie und ihre Mitstreiter sich von der Klage vorm Bundesverfassungsgericht erhoffen.

Ist Klimaschutz ein Grundrecht? Über diese Frage muss bald das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheiden. Denn neun junge Menschen wollen gemeinsam mit Umweltverbänden genau darauf klagen. Sie sehen durch die Klimakrise ihre Zukunft gefährdet.

Neben "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer sind das vor allem junge Bäuerinnen und Bauern, die schon jetzt mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen haben. Eine von ihnen ist Sophie Backsen. 

Die 21-Jährige kommt von der Nordseeinsel Pellworm, wo ihre Familie einen Biohof betreibt. Gemeinsam mit zwei anderen Familien hatten die Backsens bereits im vergangenen Jahr eine Klimaklage beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht – diese wurde jedoch als unzulässig abgewiesen, weil es zu diesem Zeitpunkt nur Kabinettsbeschlüsse gab, in denen die Klimaziele der Bundesregierung festgelegt waren, nicht aber ein Gesetz. (DER SPIEGEL)

Mittlerweile gibt es jedoch das Klimapaket – und die neun jungen Aktivistinnen und Aktivisten wagen gemeinsam mit Greenpeace, Deutscher Umwelthilfe und Germanwatch einen neuen Versuch beim Bundesverfassungsgericht. 

Im Interview mit bento erklärt Sophie, weshalb sie nicht aufgibt – und warum sie durch den Klimawandel ihre Existenz bedroht sieht.

bento: Sophie, wann haben du und deine Familie das erste Mal den Klimawandel als Problem für euch erkannt?

Sophie: In der Landwirtschaft beschwert man sich ja sowieso immer: Es ist zu nass, zu kalt, zu warm. Aber wirklich extrem war es für uns ab dem Winter 2017/2018: Da hat es total viel geregnet und Pellworm läuft dann einfach voll – wie eine Badewanne. Wir bekommen dann große Probleme mit der Entwässerung der Felder. Gleich darauf folgte dann ein ziemlich trockener Sommer und auch der letzte Sommer war sehr heiß und trocken. Da haben wir dann gedacht: Okay, das ist jetzt nicht mehr so normal.

bento: Wetter ist nicht gleich Klima. Woher weißt du, dass die Phänomene mit der Erderhitzung zu tun haben?

Sophie: Mein Großvater hat das einmal so beschrieben: Früher gab es so einen trockenen, heißen Sommer in 100 Jahren und jetzt gibt es drei solcher Sommer in zehn Jahren. Es werden einfach immer mehr Wetterextreme in kürzerer Zeit. Daran merkt man, dass es nicht mehr nur Wetter ist, sondern sich das Klima ändert. 

bento: Du studierst gerade Agrarwissenschaft und willst später den Hof übernehmen. Mit welchen Ängsten blickst du in die Zukunft?

Sophie: Wenn nichts getan wird, wird der Meeresspiegel immer weiter ansteigen, bis es irgendwann nicht mehr möglich sein wird, auf Pellworm zu wohnen. Wir können ja den Deich nicht immer höher bauen. Irgendwann ist einfach Schluss, und ich habe einfach Angst davor, meine Heimat zu verlieren. 

Ich bin da aufgewachsen. Das ist mein Zuhause und unser Betrieb ist mir wichtig. Wenn die extremen Wetterereignisse immer weiter so zunehmen, dann wird es sehr schwierig sein, dort weiterhin ökologische Landwirtschaft zu betreiben, die sich noch lohnt. Und man kann ja nicht einfach sagen: Okay, wir nehmen unseren Betrieb und setzen den jetzt einfach nach Mitteldeutschland um und machen da weiter.

bento: Geht das überhaupt noch: Klimaschutz und wirtschaftliche Landwirtschaft?

Sophie: Ja, das geht auf jeden Fall. Natürlich ist die Landwirtschaft auch immer Täter und Opfer zugleich, aber Klimaschutz und Landwirtschaft sind vereinbar. In der Landwirtschaft wird zum Beispiel auch CO2 im Boden gespeichert. Es muss vielleicht auch an einigen Stellen umgedacht werden, das kann aber nur mit der Regierung und den Verbrauchern gemeinsam passieren. 

bento: Die erste Klage deiner Eltern vor dem Verwaltungsgericht wurde abgelehnt. Weshalb machst du weiter?

Sophie: Inhaltlich hat der Richter gesagt, dass Klimaschutz ein Grundrecht ist und dass er in Deutschland einklagbar ist – deshalb haben wir es nicht als Niederlage angesehen, sondern eher als Teilerfolg. Mit dem jetzt verabschiedeten Klimagesetz ist aber die Grundlage für die Argumentation des Verwaltungsgerichts nicht mehr da – und deshalb ziehen wir vor das Verfassungsgericht.

bento: Was erhoffst du dir nun?

Sophie: Dass die Politik endlich ein Gesetz erlässt, das wirklich sinnvolle Klimaschutzziele beinhaltet und dass sie endlich etwas dafür tut, dass meine Generation weiterhin in Deutschland leben kann – und nicht in einer unsicheren Welt, in der es Kriege über Ressourcen oder wegen Klimaflüchtlingen gibt.

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bento: Es gibt aber auch Landwirte, die gegen die aus ihrer Sicht jetzt schon zu restriktive Umweltpolitik der Regierung demonstrieren. Wie blickst du auf deren Protest?

Sophie: Ich denke, dass diese Proteste auf jeden Fall gerechtfertigt sind. Die Regierung hat jahrelang nichts für die Landwirte in Deutschland getan und verlangt jetzt, dass sie massive Investitionen tätigen um die Umweltschutzmaßnahmen durchzuführen. Das können die meisten Landwirte jedoch nicht einfach so stemmen. Sie sind frustriert und gehen deshalb auf die Straße. Sie müssten bei der Umsetzung viel mehr von der Regierung unterstützt werden, anstatt einfach alleingelassen.


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