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Bei Filmproduktionen entstehen Millionen Tonnen CO2. Was muss sich ändern?

Leonardo DiCaprio nutzt seinen Instagram-Account in erster Linie, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, Mark Ruffalo und Chris Hemsworth gingen zum Klimastreik auf die Straße und Schauspielerin Emma Thompson schloss sich in London "Extinction Rebellion" an (Variety) – doch Hollywoods Klimaaktivistinnen und -aktivisten wird häufig Doppelmoral vorgeworfen. Ihr eigener CO2-Fußabdruck sei groß. Was weniger Beachtung findet: Die ganze Branche, in der sie arbeiten, ist ein Klimafeind.

Laut der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) verursacht eine Stunde Fernsehen im Schnitt einen Ausstoß von 13 Tonnen CO2 – und bei manch einem Blockbusters wird es deutlich mehr: Beim Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow", der passenderweise die Folgen der Erderwärmung zum Inhalt hat, waren es 10.000 Tonnen CO2, die bei der Produktion ausgestoßen wurden. (Goethe Institut)

Denn klimaneutral ist beim Dreh eines Films fast nichts: Schauspieler und Crew müssen oft über weite Strecken zum Drehort anreisen, der Strom kommt bei Außendrehs häufig vom Dieselgenerator, am Set entstehen Tag für Tag Unmengen an Müll. 

Häufig herrscht in der Branche noch kein Bewusstsein für Klimaschutz, sagen Filmschaffende wie Paul-Vincent Roll.

Der 23-jährige Kameraassistent hat vor einigen Monaten "Filmmakers for Future" mitgegründet, mit denen er sich für eine nachhaltigere Filmwirtschaft einsetzt. "Ich sehe es immer noch viel zu oft, dass sich Produktionen keine Gedanken darüber machen, was für die Umwelt das Richtige wäre", sagt er. 

Im vergangenen Jahr habe er während des Drehs eines deutschen Kinofilms lediglich Strom für seinen Laptop gebraucht, woraufhin ein Generator benutzt worden sei – der aus zig Litern Diesel Starkstrom erzeugt. "Dabei wäre es sicher kein Problem gewesen, einmal bei einem Café nebenan zu fragen, ob man dort für ein paar Euro ein Stromkabel anschließen kann", sagt Paul-Vincent.

Mit "Filmmakers for Future" will er zunächst die Branche selbst auf die Probleme hinweisen und bei Filmschaffenden ein Bewusstsein für das Thema schaffen. "Es ist ja nicht so, dass nur Produzenten und Regie Einfluss haben: Ich habe zum Beispiel vor kurzem mit einem Oberbeleuchter gesprochen, der bei seinem nächsten Projekt Solargeneratoren verwenden möchte. Es gibt also auch Lösungen, zu denen jeder am Set beitragen kann."

Wie das geht, hat auch die Schauspielerin Lea van Acken ausprobiert: Beim Dreh eines Kinofilms im vergangenen Jahr habe sie das gesamte Team überzeugt, zum Klimastreik einen veganen Tag einzulegen, erzählt sie. Kleine Schritte, die aber näher zum Ziel führen.

Bereits vor längerer Zeit sei der 20-Jährigen klargeworden, dass die Branche umweltfreundlicher werden muss. Einige Faktoren seien bedenklich: "Sei es, dass wir kleinste Strecken mit dem Auto fahren oder nicht wissen woher der Strom kommt. Und  allein schon die Menge an Essen, die häufig weggeschmissen wird."

Lea spielt auch in der Netflix-Serie "Dark" mit, deren dritte Staffel erstmals als "Green Production" gedreht wurde.

Zu Beginn der Dreharbeiten bekam jeder eine eigene Flasche zum Nachfüllen, auf Generatoren wurde so weit wie möglich verzichtet und der Tagesplan nicht für jeden Einzelnen ausgedruckt, wie es bei Filmproduktionen üblich ist. Wie viel Einsparungen das bringen kann, zeigen Nachhaltigkeitsberichte wie der einer "Tatort"-Produktion: Dort habe man durch "Green Shooting"-Maßnahmen mehr als 50 Tonnen CO2 eingespart, etwa 42 Prozent der üblichen Emissionen, sagen die Verantwortlichen.

Initiativen, die den deutschen Film etwas grüner machen wollen, gibt es bereits einige: Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein setzt bereits seit 2012 auf den "Grünen Drehpass", mit dem besonders umweltbewusste Produktionen ausgezeichnet werden. Auch in anderen Bundesländern gibt es Bestrebungen der Filmförderungen, den Film nachhaltiger zu machen, etwa mit Workshops. Zudem tragen die Filmförderungen eventuelle Mehrkosten der nachhaltigen Drehs mit.

Paul-Vincent und die "Filmmakers for Future" reicht das allerdings noch nicht – sie setzen deshalb auch auf die Politik. Denn ohne die öffentlichen Fördergelder ginge in der deutschen Filmwirtschaft nicht viel: Knapp 200 Millionen Euro gab der Staat im vergangenen Jahr dafür aus (Statista). Würden künftig ausschließlich Projekte gefördert, die auch nachhaltig produziert werden, könnte es in der Branche tatsächlich zu einem Umdenken kommen – was teilweise sogar Auswirkungen auf internationaler Ebene haben könnte.

Denn auch internationale Produktionen erhalten Geld vom deutschen Staat, bisher, ohne dass grüne Standards eingefordert werden. Etwa Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" wurde mit mehr als sieben Millionen Euro unterstützt, der hauptsächlich hierzulande gedreht worden war – immerhin ein Zehntel der Produktionskosten kamen damit aus öffentlichen Mitteln.

Solange sich die Politik aber noch zurückhält, versuchen es manche Produzenten weiterhin mit Eigeninitiative: Erst im Dezember unterzeichneten einige Produktionsfirmen eine Selbstverpflichtung, die sie zu mehr Nachhaltigkeit zwingen soll – keine Flüge, wenn die Reisezeit mit der Bahn unter sechs Stunden liegt, mit Ökostrom betriebene LED-Lampen, regionale und saisonale Lebensmittel am Set.

Das allein wird den deutschen Film noch nicht klimafreundlich machen – aber zumindest ein bisschen grüner. Und es zeigt: Der Wille zur Veränderung ist bei einigen Filmemachern da.


Fühlen

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Im Video erklärt Hanna, warum nicht nur die zerstörerischen Verhaltensweisen von Männern ein Problem sind.

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