Unsere Autorin macht sich auf die Suche nach Lösungen – und einer Fahrkarte nach Griechenland.

Im Sommer möchte ich nach Griechenland fahren – mit dem Zug. Eine Fahrt von München nach Athen zu buchen, ist allerdings gar nicht so einfach. Auf der Bahn-Seite kann ich Athen gar nicht als Ziel eingeben. Trainline und Omio, zwei Plattformen, die Reiseverbindungen innerhalb von Europa anzeigen, finden keine Route. 

Einen Flug zu buchen, würde mich nur ein paar Minuten kosten – dabei sollte es doch einfacher sein, die umweltfreundlichere Variante zu nehmen.

Sven Giegold sitzt für die Grünen im Europaparlament. Er hat eine Studie in Auftrag gegeben, die untersucht, wie die EU nachhaltiges Leben leichter machen kann. Ein Punkt darin: Es sollte ein europaweites Buchungssystem für nachhaltige Mobilität geben. Dort könnte man dann nicht nur Züge buchen, sondern auch Busse oder Fähren – nur keine Flüge. 

Auch Philipp Kosok vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht darin Potenzial. 

„Ich brauche heute quasi schon ein Fahrgastdiplom, um eine Zugreise von Deutschland nach Spanien zu buchen.“
Philipp Kosok, VCD

Über die Website der Deutschen Bahn kann man Verbindungen in 16 europäische Länder buchen, Griechenland ist nicht dabei. "Das sind zu wenige", sagt Philipp. Beim Fliegen könne man problemlos die Reisen verschiedener Anbieter vergleichen und buchen. "Aber für den Zug gibt es nichts Vergleichbares – das macht Bahnreisen in Europa sehr unattraktiv."

Laut einer Übersicht des Umweltbundesamts verursacht ein Flug pro Person etwa siebenmal so viel CO2-Emissionen wie eine Zugreise. Je mehr Menschen vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen, desto besser also für das Klima. Philipp fordert, dass die EU alle Bahnunternehmen dazu verpflichtet, ihre Buchungssysteme zu öffnen, sodass ein übergreifendes System für alle Länder möglich wird.

"Die neue Kommission sollte dieses Thema im Rahmen ihres Green Deals vorantreiben und die nötigen Gesetzesinitiativen auf den Weg bringen", stimmt Sven von den Grünen zu. Dabei müsse man dann technische und juristische Fragen klären, zum Beispiel zu den benötigten Daten, den Schnittstellen für Apps oder den Fahrgastrechten.

Aber selbst wenn die EU-Kommission ein gemeinsames Buchungssystem zu einem wichtigen Ziel erklärt, würde es wohl noch ein paar Jahre dauern. Welche Möglichkeiten gibt es jetzt schon? 

Ein Unternehmen, das Zugfernreisen für seine Kunden bucht, ist Traivelling. Elias und sein Vater Matthias Bohun haben das Reisebüro Ende 2019 in Wien gegründet. Seit Anfang 2020 kann man Reisen buchen – momentan allerdings erst für Fahrten nach dem 1. Juni. Neben festen Reisepakten, etwa von Wien nach Barcelona oder Bangkok, sind auch individuelle Routen möglich.

Elias hat selbst die Erfahrung gemacht, wie schwierig es sein kann, eine Zugreise über eine weite Strecke zu buchen. Nach dem Schulabschluss fuhren er und seine Freundin nach Vietnam. Fliegen wollte er nicht – wegen des Klimas. "Für diese Reise habe ich etwa drei Monate recherchiert", sagt Elias. Er musste in den jeweiligen Ländern Reiseagenturen oder einzelne Agents finden, die die Tickets für ihn kauften und vor Ort hinterlegten. 

Dank seiner Reise weiß Elias, worauf er achten muss. Traivelling plant beispielsweise viel Puffer zwischen den Verbindungen ein. 

„Wir planen die Reisen so, dass es nahezu unmöglich ist, den nächsten Zug zu verpassen.“
Elias Bohun, Traivelling

"Zum Beispiel indem wir die Menschen ermutigen, in einer Stadt zu übernachten und am nächsten Tag weiterzufahren", erklärt Elias. Denn sobald man Tickets für eine Reise bei verschiedenen Bahnunternehmen bucht, gibt es keine Garantie, dass man den nächsten Zug nehmen darf, wenn der vorige Verspätung hat.

Mit einem einheitlichen Buchungssystem gäbe es dieses Problem zumindest innerhalb der EU nicht mehr. Wenn man die ganze Strecke über einen Anbieter bucht, gilt das Recht, den nächsten Zug zu nehmen oder bei einer Verspätung Geld zurückzubekommen. Die Autorin und der Autor der Studie zu nachhaltigem Leben in der EU fordern sogar, diese Fahrgastrechte auszuweiten, sodass sie auch für Verbindungen mit verschiedenen Verkehrsmitteln gelten. Wenn der Zug zu spät kommt, könnte man dann zum Beispiel die nächste Fähre nehmen. 

Außerdem sehen sie Potential in mehr Nachtzügen. Bisher gebe es nur wenige Verbindungen und die Schlafwagen seien oft veraltet. "So ein schlechtes Angebot verstärkt die Abwärtsspirale von sinkender Nachfrage und sich verschlechterndem Angebot", heißt es in der Studie.

Auch Philipp vom VCD hält den Nachtzug für eine gute Alternative. "Den Geschwindigkeitsvorteil, den der Flieger hat, kann der Nachtzug dadurch wieder gut machen, dass man die Fahrtzeit besser nutzen kann", sagt er. "Man kann im Zug schlafen, morgens frühstücken, ausgeruht ankommen und sich dabei die Hotelübernachtung sparen." 

Nachtzüge hätten großes Potenzial, den innereuropäischen Flugverkehr zu ersetzen.

"Dafür braucht es aber mehr Verbindungen als wir gerade haben", sagt Philipp. 

Die Deutsche Bahn ist 2016 aus dem Nachtzuggeschäft ausgestiegen. Damals übernahm die Österreichische Bundesbahn viele der Verbindungen in Deutschland – und will nun auch weiter in Nachtzüge investieren (SPIEGEL). Philipp schlägt vor, dass Regierungen die Bahnunternehmen und die klimafreundlichere Art zu reisen unterstützen, indem sie Ausschreibungen für Verbindungen zwischen europäischen Hauptstädten machen. 

Je besser das Angebot wird und je leichter man die Züge buchen kann, desto wahrscheinlicher ist es, dass Menschen vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen. Elias und Matthias wollen zeigen, dass auch die Reisezeit schon ein schöner Teil des Urlaubs sein kann. "Man kann im Zug Spiele spielen, einen Zwischenstopp machen und sich eine Stadt ansehen", sagt Matthias. 

Meine Reise nach Griechenland möchte ich gerne selbst buchen. Ein erster Anhaltspunkt ist Google Maps, das mir eine Route über Wien, Budapest, Sofia und Thessaloniki anzeigt. Ich bekomme den Tipp, dass man in den Reisezentren der Bahn mehr Verbindungen buchen kann als online, auch in andere Länder. Der Mann am Schalter ist sehr freundlich, ein Ticket nach Athen kann er mir aber auch nicht ausstellen. Ich solle versuchen, über die Seite der griechischen Bahn ein Ticket nach Griechenland zu buchen. Er könne dann vielleicht eine Verbindung von München bis zum Startbahnhof finden. 

Genauso wie die Reise bleibt die Buchung ein kleines Abenteuer. Mal ganz abgesehen vom Klima: einfach ins Flugzeug steigen und ein paar Stunden später ankommen – das wäre doch irgendwie langweilig. 


Gerechtigkeit

Die Universität des Saarlandes verdiente Geld, indem sie Glücksspiel bewarb
Eine exklusive bento-Recherche über dubiose "Ratgeber"-Texte auf der offiziellen Homepage der Hochschule.

Vom richtig ausgefüllten Bafög-Antrag über die korrekt zititerte Hausarbeit bis zum Streit mit dem WG-Mitbewohner – es gibt immer wieder größere und kleinere Probleme, die im Unileben gelöst werden wollen. Die Universität des Saarlandes bietet für ihre 17.000 Studierenden daher auf ihrer offiziellen Website einen "Uni-Ratgeber" mit Tipps und Tricks an. 

Doch der Ratgeber gibt leider nur wenig Rat – sondern lockt die Studierenden auf dubiose Werbeseiten, Shops und Online-Spielcasinos.

Im Zuge unserer bento-Recherchen hat die Universität zugegeben, fragwürdige Inhalte beworben zu haben und den kompletten "Uni-Ratgeber" offline genommen. 

Anfang Februar fanden sich auf der Seite noch Insgesamt 118 Artikel. Sie waren unterteilt in die Kategorien Gesundheit, Finanzen, Lifestyle und Karriere. Es ging um Studijobs, Freizeittipps oder Job-Chancen. Elf dieser Artikel lieferten echten Mehrwert, etwa Tipps zum Bafög-Antrag. 

Alle anderen 107 Artikel waren für Suchmaschinen optimierte Texte, die auf eine oder mehrere Seiten verlinkten: Anti-Erkältungspräparate, Heilsteine, Kredite, Bitcoin-Spekulation, Sportwetten und andere Glücksspiele wurden teilweise schamlos beworben. 

Ein Artikel empfahl "gestressten Studentinnen" einen Online-Shop, bei dem sie gefälschte Wimpern kaufen können – um schneller mit dem Schminken fertig zu sein. Eine andere Seite vermittelte Mediatoren und Privatdetektive, andere verkauften wiederum E-Zigaretten, Cannabisöle und Matratzen. Viele der beworbenen Angebote hatten kein Impressum und keine offen erkennbaren Hintermänner. 

Diese Produkte wurden auf dem "Uni-Ratgeber" der Universität des Saarlandes beworben: