Michel Arriens ist 1,18 Meter groß und kann ganz gut mit seiner Kleinwüchsigkeit leben, wie er selbst sagt. Doch am Mittwoch fühlte er sich zum erstem Mal seit Jahren wieder richtig klein. "Ich hätte weinen können", sagt er zu bento.

Michel wurde aus einem Hamburger Bus rausgeworfen – und durfte auch nicht in den Folgebussen mitfahren. Die Fahrer hatten Anweisungen erhalten, ihn nicht mitzunehmen. Das Erlebnis schilderte Michel auf Facebook. Seither reagierten mehr als 10.000 Menschen auf seinen Post, fast ebenso viele teilten ihn.

Was war vorgefallen? bento hat sich von Michel die Geschichte erzählen lassen.

Michel war auf dem Weg zum Augenarzt, er ist wie immer mit seinem Elektro-Roller unterwegs. Dieses kleine, extra für ihn angefertigte Fahrzeug, ermöglicht es Michel seit 15 Jahren, sich selbstständig fortzubewegen.

Michel hat gerade seinen üblichen Platz im Rollstuhlbereich eingenommen – beide Beine auf dem Boden, den Arm um den Haltegriff gelegt. Da ruft der Busfahrer ihm zu, er könne so nicht mitfahren, erzählt der 26-Jährige später. Der Roller sei ein Sicherheitsrisiko, soll der Busfahrer gesagt haben, Michel solle sich doch bitte umsetzen.

Das geht allerdings nicht. Denn die Beine des jungen Mannes können ihn kaum tragen. Ohne Hilfsmittel kann er sich höchstens in seiner Wohnung fortbewegen, auf kürzesten Distanzen und auch nur, wenn er sich an Gegenständen entlang hangelt. Einfach absteigen und auf einen der – für ihn auch noch viel zu hohen – Sitze des Busses setzen, ist also nicht möglich. Doch der Busfahrer gibt nicht nach. Kein Sitz, keine Mitfahrt.

"Ich habe mich lange nicht mehr so klein gefühlt", sagt Michel. Allein die Tatsache, dass Dutzende Menschen in dem Bus sitzen, die zur Arbeit wollen und die er, der Behinderte, nun aufhält – "das war mit das Schlimmste", sagt Michel.

Einige Fahrgäste wollen helfen, bieten Michel an, ihn auf einen Sitzplatz zu heben. Das findet er zwar sehr nett, doch ihm geht es um etwas anderes: "Ich bin ein erwachsener Mensch", sagt Michel, "Ich will nicht getragen werden, ich bin verantwortlich für meinen eigenen Körper".

Alle Busfahrer haben die Anweisung bekommen, mich nicht mitzunehmen.
Michel Arriens

Schließlich steigt Michel wieder aus dem Bus aus, notiert sich vorher noch den Namen des Busfahrers, um sich später zu beschweren.

Als der nächste Bus kommt, ruft dessen Fahrer Michel sofort zu, er solle gar nicht erst einsteigen. "Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern", sagt Michel, "aber im Grunde hieß es, alle Busfahrer hätten über Funk die Anweisung bekommen, mich nicht mitzunehmen."

Zur Info:

Was ist eigentlich das Problem?

Seit Anfang des Jahres ist bei der Hamburger Hochbahn (und bundesweit in mehreren anderen Verkehrsverbunden) die Mitnahme von E-Scootern in Bussen verboten (Hochbahn-Blog). Grund dafür sind Sicherheitsmängel, die an bestehenden Modellen festgestellt worden sind.

Wie soll das gelöst werden?

Laut Hochbahn wollen die Bundesländer nun bestimmte Sicherheitskriterien festlegen, an denen sich dann die Hersteller der Transportmittel orientieren können.

Bringt das was für Menschen wie Michel?

"Das glaube ich nicht", sagt er. Es gebe so wenige Kleinwüchsige und von denen seien auch nicht alle gehbehindert. "Der Markt für unsere Transportmittel ist also sehr klein, da wird es kaum Standards geben, sondern eher Einzelanfertigungen wie in meinem Fall", sagt Michel, der im Vorstand des Bundesverbands kleinwüchsiger Menschen ist.

Wie geht es jetzt für Michel weiter?

Busse sind für Michel die einfachste Art, sich durch eine Stadt zu bewegen. Einfach zu akzeptieren, dass er nicht mehr Bus fahren darf, ist also keine Option für Michel. Er wendete sich noch am selben Tag an die Hamburger Hochbahn, den Betreiber der Bus- und U-Bahn-Linien.

Das Unternehmen hatte sich zunächst auf Facebook an Michel gewendet: "Es liegt uns absolut fern, Sie diskriminieren zu wollen." Stattdessen sei lediglich um Michels Sicherheit gegangen. Der Busfahrer habe nur helfen wollen.

Am Donnerstag wollen sich beide Seiten zusammensetzen. Michel will sich dann auf jeden Fall nicht mit einer Einzelfalllösung abfertigen lassen – sondern eine Regelung, die auch anderen Behinderten hilft. "Wenn mir gesagt wird, mein Roller brauche vier statt drei Räder, dann denke ich: 'Einem Blinden wird doch auch nicht vorgeschrieben, welchen Gehstock er benutzen darf'."

Update:

Am Donnerstagabend, 19 Uhr, postet die Hochbahn auf ihrer Facebook-Seite: "Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit Michel Arriens eine Lösung gefunden haben, wie wir ihn auch künftig weiterhin in unseren Bussen mitnehmen können."

Was für ein Tag, wir sind wohl alle erschöpft, aber zufrieden. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit Michel Arriens...

Posted by HOCHBAHN on Donnerstag, 9. Februar 2017

Grün

So stark verändert Lichtsmog unsere Wahrnehmung der Welt

Lichtsmog ist ein großes Problem. Er entsteht, wenn das künstliche Licht der Städte den Nachthimmel erhellt. Das kann die Gesundheit und unseren Schlaf gefährden und verwirrt Tiere in ihrem natürlichen Verhalten.

Experten messen "Luftverschmutzung" mit verschiedenen Methoden – zum Beispiel der Bortle-Skala. Sie reicht von 1 – kaum Lichtverschmutzung, beispielsweise in der Wüste – bis hin zu Stufe 9 – der ganze Himmel wird hell erleuchtet, zum Beispiel in Metropolen (Urban Astronomy).

Der Fotograf Sriram Murali ist an acht Orte in den USA gereist, die unterschiedlich stark mit Licht "verschmutzt" sind. Von 1 bis 8. Nach seiner Reise hat er ein beeindruckendes Zeitraffer-Video gemacht. Es zeigt, wie Lichtsmog unsere Wahrnehmung der Welt beeinflusst. Oben könnt ihr es sehen.