Entscheiden Modeunternehmen, ob wir schlank oder rundlich sind?

Als Deena Shoemaker, 27, neulich ihren Schrank aufräumte, ahnte sie vermutlich noch nicht, dass ihr diese Aktion mehr als 40.000 Likes und Tausende Kommentare auf Facebook bescheren würde.

Eigentlich wollte Deena Kleidung raussuchen, um sie an Bedürftige in der Nachbarschaft zu spenden, die ihr Haus durch einen Brand verloren hatten. Doch als sich die Frau aus Wichita, Kansas, vor ihren Schrank stellte und einzelne Hosen hervorholte, stutzte sie: Sie besaß von so ziemlich jeder Kleidergröße eine Hose.

Eine in 36, eine in 38, eine weitere in 40 – und noch eine in 42. Und das, obwohl Deenas Figur sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hatte.

Sie zog die Hosen an – und jede einzelne passte ihr. Sehr gut sogar.

No I'm not selling my pants; I've just got a bone to pick. I've worked with teen & pre-teen girls as a leader and...

Posted by Deena Shoemaker on Samstag, 10. Dezember 2016

"Ich habe hier verschiedene Hosen, die mir alle passen", steht unter dem Foto, das Deena kurze Zeit später auf ihrer Facebook-Seite teilte und das sie in den verschieden großen Hosen zeigt.

"Lasst mich erklären, warum mich das ganz und gar nicht glücklich macht", schreibt Deena. Und weiter: "Models werden bei Photoshop bearbeitet und landen dann auf den Titelseiten von Beauty-Magazinen. Amerika, es ist ganz offensichtlich, dass du uns anlügst – das sind keine ehrlichen Fotos vom menschlichen Körper."

Wie siehst du das – hast du das auch schon erlebt?

Mit ihrer Kritik stößt die Frau, die schon länger für Sozialdienste und in Jugendheimen arbeitet, den Nerv einer Debatte, die in den vergangenen Jahren immer wieder hochgekocht ist. Im Kern dreht sie sich um die Frage: Wer definiert, was schön aussieht und zu mir passt – ich selbst, Designer oder Werbetreibende?

Wer mal in einem Laden der großen Modeketten wie H&M, Mango oder Zara eingekauft hat, der weiß: Die Größe, die heute passt, kann in der nächsten Kollektion schon ganz anders ausfallen. Erst vor wenigen Monaten musste H&M einen Shitstorm über sich ergehen lassen, nachdem eine junge Frau mit schlanker Figur ein Facebook-Foto teilte, auf dem zu sehen ist, dass ihr eine Jeans in Größe 42 viel zu klein ist.

Das, obwohl diese Größe die größte ist, die das Unternehmen führt. Damals regten sich Tausende über die wie willkürlich festgelegten Größen bei H&M auf. Das Unternehmen selbst äußerte sich dazu nur kurz bei Facebook: "Wir wollen all unseren Kunden eine angenehme Zeit beim Einkaufen bieten und sie mit einem gesunden Selbstbewusstsein nach Hause schicken."

Eine unbefriedigende Aussage – doch auch andere Unternehmen äußerten sich zu der Debatte bisher nicht.

Die Größe zeigt nicht, wer ihr seid
Deena

Unter Deenas Hosenbeitrag melden sich jetzt viele Kommentatoren, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Deena: Eine 34 bei H&M könne bei Mango eine 36 sein und bei Zara eine 38. Oder umgekehrt, finden viele.

In dem einen Laden gilt mancher daher als eher schlank, im nächsten als rundlich.

"Der eine Klamottenhersteller macht mich schlank, der andere lässt mich glauben, dass ich dringend eine Diät brauche", schreibt eine Nutzerin. "Ich kenne das", schreibt eine andere. "Als ich kürzlich shoppen war, habe ich Hosen gesehen, die definitiv Kindern gepasst hätten – aber in der Frauenabteilung hingen!"

Ob Lena Dunham, Ashley Graham oder Iskra Lawrence: Auch Prominente haben sich schon gegen den Druck auf Frauen gewehrt, so aussehen zu müssen wie die Werbegesichter, die von Plakaten auf sie herunter lächeln. Sie ließen ihre Körper mit gewöhnlichen Falten und Dellen fotografieren oder teilen unbearbeitete Fotos von sich. Ihr Schlachtruf: Von Modemarken lassen wir uns nichts vorschreiben!

Egal, was auf dem Etikett stehe, schreibt Deena: "Die Größe zeigt nicht, wer ihr seid, euer Leben tut es. Größen legt die Modeindustrie total willkürlich fest – wie es ihnen gerade so passt."


Gerechtigkeit

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