Bild: dpa/Bodo Schackow

In Deutschland haben am Mittwoch mehrere jüdische Gemeinden, Politikerinnen und Politiker zum Tragen einer Kippa aufgerufen. Die Aktionen sollen ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.

Wer eine jüdische Kippa auf seinem Kopf trägt, zeigt: Angriffe gegen jüdisches Leben sind in Deutschland fehl am Platz.

Aber was genau ist eine Kippa? Und wie gefährlich ist es für Menschen jüdischen Glaubens, sich in Deutschland damit zu zeigen? Die wichtigsten Antworten zum Thema.

1.

Was ist eine Kippa?

So wird die Kopfbedeckung jüdischer Männer genannt. Es ist eine kleine, kreisrunde Kappe aus Stoff, die oft mit Haarklammern befestigt wird. Männer tragen ihre Kippot (so der hebräische Plural) aus Ehrfurcht vor Gott. 

Beim Besuch einer Synagoge, dem jüdischen Gotteshaus, und auf jüdischen Friedhöfen ist das Tragen der Kippa Pflicht – sonst nicht. Wer will, drückt aber auch in der Öffentlichkeit so sein Bekenntnis zum Jüdisch-Sein aus. Es gibt kein Gebot, dass das Tragen vorschreibt. Stattdessen wurde es über die Jahrhunderte Brauch.

So sieht sie aus:

(Bild: dpa/Fredrik Von Erichsen)

Sehr konservative Juden tragen über ihrer Kippa oft noch eine Fellmütze, Schtreimel genannt. Das links ist so eine Mütze:

(Bild: Getty Images)

2.

Tragen auch Frauen Kippa?

Nein. Zwar sollen auch Frauen in der Synagoge ihr Haupt bedecken, allerdings haben sie dafür andere Möglichkeiten – mit einer Perücke oder einem Kopftuch zum Beispiel. Das Kopftuch ist dem im Islam vergleichbar.

Tiefgläubige Frauen tragen auch außerhalb der Synagoge ihr Haar bedeckt. Die Perücke wird oft als Scheitl bezeichnet, ein alter Begriff aus dem Jiddischen.

3.

Warum gibt es jetzt einen Aktionstag zum Kippa-Tragen?

In den vergangenen Monaten war es vermehrt zu Übergriffen gegen Juden in Deutschland gekommen. Vor allem in Berlin haben arabischstämmige Jugendliche Kippa tragende Menschen in der Öffentlichkeit beleidigt und sogar attackiert. 

Vergangene Woche wurde ein Fall bekannt, bei dem ein Angreifer mit seinem Gürtel nach einem Kippa tragenden Mann schlug (bento). Diesen Fall hat nun die Solidaritätsaktionen begründet.

  • In Berlin treffen sich 18 Uhr Politiker und Vertreter der jüdischen Gemeinde zur Kundgebung "Berlin trägt Kippa".
  • Der Frankfurter Bürgermeister von Frankfurt hat ebenfalls zum Kippa-Tragen in der Stadt aufgerufen.
  • Weitere Aktionen gibt es unter anderem in Erfurt, Köln, Magdeburg und Potsdam.
Juden dürfen nie wieder Angst haben, wenn sie sich in Deutschland als Juden zu erkennen geben
Justizministerin Katarina Barley

Justizministerin Katarina Barley hat im Vorfeld der Kundgebungen bereits ein hartes Durchgreifen des Staates bei Angriffen auf jüdisches Leben angekündigt: 

"Wer Jüdinnen und Juden attackiert oder beschimpft, wer ihre Synagogen und Friedhöfe angreift und beschmiert, muss mit allen Mitteln unseres Rechtsstaates zur Verantwortung gezogen werden."

Jüdisches Leben sei Teil deutscher Kultur, "ein Angriff darauf, ist ein Angriff auf uns alle."

4.

Dürfen jetzt auch Frauen und Nichtjuden eine Kippa aufsetzen?

Die Kippa ist vor allem ein Symbol, keine religiöse Pflicht. Entsprechend gibt es kein klares Ja oder Nein. Verboten ist es auf jeden Fall nicht. 

In den jüdischen Gemeinden wird mittlerweile selbst diskutiert, ob auch Frauen in der Synagoge Kippot tragen dürfen – ohne klares Ergebnis.

Einige Initiatoren der Solidaritätsaktionen beantworten die Frage auf jeden Fall mit Ja: Als Zeichen gegen Antisemitismus solle jeder Kippa tragen, auch Frauen. Das fordert unter anderem der Pfarrer, der die Aktion in Erfurt organisiert (Jüdische Allgemeine) wie auch der Bürgermeister von Frankfurt, der die dortige Kundgebung initiiert hat (Frankfurter Allgemeine).

Auch Josef Schuster, Präsident vom Zentralrat der Juden, sieht kein Problem (Stern). Im Gegenteil: 

"Ich wünsche mir, dass viele Menschen Flagge bekennen und rufe sie dazu auf, eine Solidaritätskundgebung in ihrer Stadt zu besuchen. Denn es ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft, sich gerade auch im Alltag gegen Antisemitismus zu engagieren." 

5.

Wie sicher ist es für Juden, in Deutschland eine Kippa zu tragen?

In Großstädten kann es leider Probleme geben – weshalb viele Juden im Alltag auf das Tragen der Kippa verzichten. Sogar Zentralratspräsident Schuster warnt. (rbb

Zwar sei ein "trotziges" Bekenntnis zur Kippa eigentlich genau richtig, trotzdem würde er Einzelpersonen davon abraten, "sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu in Deutschland zu zeigen." Stattdessen solle man lieber "eine Basecap oder irgendetwas als Kopfbedeckung tragen".

Mit Material von dpa


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