Bild: Getty Images/Montage: bento
Die Celebrity-Queen wird politisch.
Worum geht's?

Kim Kardashian hat eine ganzseitige Anzeige in der "New York Times" geschaltet. Darin geht es um die Armenienfrage – und wie die USA dazu stehen. Kardashian fordert, dass die gewaltsame Tötung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord anerkannt werden soll.

Das würde die Türkei schwer belasten. Sie wird für die Vertreibung und Tötung der Armenier verantwortlich gemacht – die christliche Minderheit wurde bei Massakern und Gewaltmärschen in den Jahren 1915 und 1916 aus der Türkei vertrieben.

Bis heute streitet die türkische Regierung ab, dass die Tat als Völkermord einzustufen ist. Mehrere Länder sehen das anders. Zuletzt hat der deutsche Bundestag Anfang Juni die Verbrechen als Völkermord eingestuft (bento). Die USA schweigen bislang zu dem Thema.

Warum mischt sich nun Kim Kardashian in die Debatte ein?

Kim Kardashian hat selbst armenische Wurzeln. Ihre Vorfahren waren 1913 in die USA geflohen ("The Telegraph"). Für die armenische Community gilt Kardashian als wichtiges Sprachrohr, im vergangenen Jahr hat sie das Mahnmal des Völkermords in Armenien erstmals besucht (SPIEGEL ONLINE).

Dass sie jetzt mit der Anzeige erneut an das Ereignis erinnert, hat eine Vorgeschichte: Im April hatte die türkeinahe Gruppe "FactCheck Armenia" im "Wall Street Journal" eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Darin wurde die Debatte um die Armenienfrage als "Propaganda" dargestellt – und der Völkermord geleugnet:

Die Zeitung selbst hatte die Annahme der Anzeige damals mit ihrer Neutralität begründet: "We accept a wide range of advertisements, including those with provocative viewpoints." (Gawker)

Kardashian hatte daraufhin auf ihrer Homepage einen offenen Brief geschrieben, der nun als Anzeige in der "New York Times" erschienen ist. Die Anzeige wurde von der Armenian Educational Foundation in Auftrag gegeben.

Dass sie gerade jetzt erscheint, dürfte kein Zufall sein: In New York kommen seit Dienstag Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zur UN-Vollversammlung zusammen (bento II).

Was genau steht in der Anzeige?
  • Kardashian kritisiert das "Wall Street Journal" dafür, die Anzeige der türkischen Gesellschaft gedruckt zu haben. Dies sei "reckless, upsetting and dangerous". An einem Völkermord zu verdienen, sei eine Schande.
  • Auch wenn sich die Zeitung als neutral gebe, sei sie genau das nicht: Eine türkische Anzeige zur Leugnung des Völkermords zu drucken, helfe, Lügen zu verbreiten. Kardashian vergleicht den Abdruck mit der Leugnung des Holocaust oder dem Verbreiten von 9/11-Verschwörungstheorien.
  • Die Vertreibung der Armenier endlich als Völkermord anzuerkennen, sei Pflicht der US-Regierung – "because when we deny our past, we endanger our future".
Wie wird Kim Kardashians Anzeige aufgenommen?

Auf Twitter bejubeln viele Fans die Aktion. Türkische Nutzer eher nicht:

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