Die Bilder von damals zeigen eine verkohlte Halle, Menschen blicken fassungslos auf das völlig zerstörte Gebäude, Mütter weinen um ihre Kinder. 2012 brannte im pakistanischen Karatschi eine Textilfabrik. Mehr als 250 Menschen starben, ihre Körper verbrannten teils bis zur Unkenntlichkeit, nur wenige konnten sich verletzt ins Freie retten.

Das Feuer liegt mittlerweile Jahre zurück, aber der Fall beschäftigt jetzt ein deutsches Gericht. Denn in der Fabrik Ali Enterprises arbeiteten die Angestellten überwiegend für Kik, sie nähten Unterhosen und Jeans für einen Lohn, der gerade einmal für das Nötigste reichte. 

Am Donnerstag hat der Schadensersatzprozess vor dem Landgericht Dortmund gegen den Textildiscounter Kik begonnen. 

Ein direkt Betroffener und drei Angehörige von Opfern verlangen je 30.000 Euro Schmerzensgeld von Kik. Es geht um das Schicksal von Familien – aber auch um mehr. Und zwar um die Frage, welche Verantwortung deutsche Unternehmen tragen, wenn sie zu Dumping-Löhnen in Entwicklungsländern produzieren lassen? Ganz egal, ob es sich nur um einen Zulieferer handelt.

Wie kam es zu dem Brand?

Es handelte sich um einen Brandanschlag der pakistanischen Schutzgeldmafia. 15 Stunden benötigten die Einsatzkräfte, um die Flammen zu löschen. Da es keine Notausgänge, Sprinkleranlagen oder Feuerlöscher gab, waren die Menschen in den Flammen eingeschlossen

Arbeiterinnen und Arbeiter aus den obersten Stockwerken konnten sich retten, weil sie vom Dach sprangen. Viele brachen sich dabei die Knochen, so schreibt es die "Tagesschau".

Worum wird es vor Gericht gehen?

Bevor es darum geht, inwieweit Kik für den Tod der Menschen verantwortlich gemacht werden kann, muss noch eine andere Frage beantwortet werden: Das Gericht muss klären, ob der Fall nicht schon verjährt ist. Ein britischer Gutachter geht davon aus. (WDR)

Über die Klagen müssen die Richter nach pakistanischem Recht entscheiden.

Wie hat sich Kik verhalten?

Kik sagt selbst, dass das Unternehmen mehr als sechs Millionen US-Dollar Entschädigung freiwillig gezahlt hat. Man fühle sich in der moralischen Verantwortung, sagte ein Unternehmenssprecher dem WDR

Aber darüber hinaus will Kik dann keine Verantwortung übernehmen. Man sei im juristischen Sinn nicht Schuld an dem Brand und den Folgen. Ein Manager des Unternehmens sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es war kriminelle Brandstiftung. Hier ging es nicht um eine Verletzung von unternehmerischen Sorgfaltspflichten."

Das klingt nicht danach, dass Kik an der dauerhaften Verbesserung der Arbeitsbedingungen interessiert ist.

Was sagen Initiativen, die sich für bessere Arbeitsbedigungen engagieren?

  • Nach dem Brand hat die Regierung neue Gesetze erlassen, die die Arbeiterinnen und Arbeiter besser schützen sollten. Zahroor Awan ist Mitglied bei der Internationalen Arbeiterorganisation ILO. Er sagt, dass diese neue Gesetze nicht umgesetzt werden: "Vor allem wenn wir weiter nach unten auf die Zulieferketten schauen. Hier werden nach wie vor Frauen ausgebeutet, es gibt nach wie vor Kinderarbeit." (Tagesschau)
  • Auch Gewerkschafter Nasir Mansoor berichtet Ähnliches: "Unternehmen und Fabrikbesitzer haben nichts gelernt aus der Tragödie." Die Arbeiter hätten keine Rechte, eine solche Katastrophe könen jederzeit wieder passieren.
  • Was die Gewerkschafter fordern: Medizinische Versorgung, soziale Absicherung, feste Verträge, und einen Mindestlohn. 

Wie wird es jetzt weitergehen?

Am Donnerstag hieß es, das Landgericht Dortmund werde voraussichtlich erst in mehreren Wochen darüber entscheiden, ob der Fall weiter verhandelt wird – oder längst verjährt ist.

Für die Arbeiterinnen und Arbeiter in Pakistan wäre sicherlich vor allem eines wichtig: faire Löhne und keine Ausbeutung. Dieser Prozess könnte ein weiterer Schritt sein, darauf aufmerksam zu machen. 

Mit Material von dpa


Today

Wenn Razzia bei der Deutschen Bank ist – und die Polizei denkt, es ginge um Klo-Besuche
Über eine kleine Twitter-Verwechslung


Die Deutsche Bank soll Kunden dabei geholfen haben, illegal Geld zu waschen. Am Donnerstag stürmten daher Ermittler der Staatsanwaltschaft Frankfurt und des Bundeskriminalamts die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank.

So eine Razzia, noch dazu bei einem Finanzriesen wie der Deutschen Bank, ist keine kleine Aktion. Kurz vor dem Zugriff war die Frankfurter Innenstadt entsprechend voll mit Einsatzwagen der Polizei

Frankfurt voller Polizisten? Das hat auf Twitter nun zu einer lustigen Verwechslung geführt.

Der ARD-Journalist Moritz Zimmermann hatte die Einsatzwagen vor der Bankzentrale gefilmt. Und per Twitter bei der Frankfurter Polizei nachgefragt, was denn da los sei: