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Ganz schön asozial, Kiel!
Was ist passiert?

In Kiel leben rund 600 Menschen ohne festen Wohnsitz – ein Drittel davon stammt nicht aus der Stadt. Diese Zugereisten sollen zukünftig aus der Kommune verwiesen werden, denn die Landeshauptstadt plant Obdach- und Wohnungslose nur noch zu unterstützen, wenn sie auch echte Kieler sind. (shz.de/ NDR)

Für alle anderen gibt es ein Bett für eine Nacht und bei Geldmangel eine Fahrkarte zurück zu ihrem letzten Aufenthaltsort. So sieht es das Positionspapier der Stadt vor. 

Das neue Konzept soll noch mit den Trägern der Sozialverbände diskutiert werden – voraussichtlich im Sommer.  

Wieso hat Kiel das vor?

Weil die Sozialwohnungen in der Stadt knapp werden. Um sie konkurrierten Flüchtlinge, Geringverdiener und Obdachlose, heißt es.

"Die Hilfe für Wohnungslose darf nicht in die großen Städte delegiert werden", sagt Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD), der das Papier mit seinen Kollegen erarbeitet hat. "Insofern sind unsere Pläne ein deutlicher Fingerzeig an andere Kommunen, sich entsprechend zu kümmern." (shz.de)

Was sagen die Kritiker?
  • Es handele sich um "ein Modell der Hilfeverweigerung", das "komplett rechtswidrig" ist, meint Thomas Specht. Er ist Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Er sagt: "Wir wissen von keiner anderen Kommune in Deutschland, die auf ähnlich dreiste Art und Weise gegen Obdachlose vorgehen will."
  • Auch Jo Tein vom Kieler Straßenmagazin "Hempels" kann die Pläne nicht nachvollziehen: "Das Konzept, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen, indem ein 'Wir' und ein 'Die' konstruiert wird, ist ethisch und politisch hoch gefährlich", sagt Tein.
Wie geht es jetzt weiter?

Das Papier sieht auch mehr Hilfe für Wohnungslose – aus Kiel – vor. Es soll ein Präventionsprogramm geben, das greift, wenn jemand seine Wohnung zu verlieren droht. Passiert es doch, soll mit Schulden- und Suchtberatung geholfen werden. 

Ob die Pläne wirklich umgesetzt werden, entscheidet sich frühestens im Sommer. Dann diskutiert die Stadt mit den Trägern der Obdachlosenhilfe. Sozialdezernent Stöcken sagt: "Wir werden nichts mit der Brechstange durchsetzen."


Future

Wenn du so zum Bewerbungsgespräch gehst, hast du den Job fast schon sicher

Zuallererst sei festgehalten: Du bist natürlich unfassbar kompetent und für jeden Job, den es auf der Welt gibt, komplett überqualifiziert. Jede Firma sollte froh sein, dich anstellen zu dürfen, egal wie du aussiehst und was du an hast. Versteht sich von selbst. 

Das Problem ist nur: Wenn du bei den Chefs durch die Tür kommst, wissen die das meistens noch nicht. Dann sehen die erstmal nur dein verwaschenes "10-Bier-Gebote"-T-Shirt und deine speckigen Jeans; hören nur das rhythmische Watscheln deiner durchgelaufenen Flipflops; denken sich: "Wer hat denn den Dude zum Bewerbungsgespräch eingeladen?"