Bild: Gregor Fischer / dpa
Ran ans Eigentum

Juso-Chef Kevin Kühnert ist dafür, Autokonzerne wie BMW zu kollektivieren, also zum Beispiel der Belegschaft oder dem Staat zu übertragen. In einem Interview mit der "Zeit" sprach er darüber, wie er den Kapitalismus überwinden möchte. Es soll vor allem den Reichen ans Eigentum gehen.

Kühnert stört sich daran, dass einige wenige große Profite einstreichen, etwa als Besitzer von Autokonzernen oder von Mietwohnungen, während der Staat das Versagen des Arbeits- und Mietmarkts auffangen muss.

Es wird nicht diskutiert, ob der Kapitalismus menschengerecht ist, sondern wie man über die Runden kommt.
Kevin Kühnert im "Zeit"-Interview

Im Optimalfall gebe es auch keine privaten Vermietungen mehr, so Kühnert. Wohnen sei ein Grundbedürfnis, aber der Markt stelle nicht genügend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung. Menschen sollten maximal die Wohnung besitzen, in der sie selbst wohnen, so Kühnert.

Die Verteilung der Profite muss demokratisch kontrolliert werden. Das schließt aus, dass es einen kapitalistischen Eigentümer an diesem Betrieb gibt.
Kevin Kühnert im "Zeit"-Interview

Die ersten Reaktionen auf Kühnert: "irrer Vorstoss" (Bild), "extreme Ideen" und "radikal linke Tagträume" (Welt), "radikale Ideen" (Faz). "Grober Unfug", empörte sich der Hamburger SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs auf Twitter.

Dabei ist "Kapitalismus überwinden" bei den Jusos schon lange Programm, bei der Mutterpartei SPD ist der "demokratische Sozialismus" fest verankert. Auch wenn man davon in den aktuellen Debatten nichts merkt: Gerade erst hat SPD-Chefin Andrea Nahles angesichts von Mietexplosionen Enteignungen eine Absage erteilt.

Kühnert versucht hingegen, der Sozialdemokraten ein Profil zu verpassen. Ob er dabei auch in die USA schielt? Mit einem ausgesprochen linken Programm hatte es die junge Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez dort bis in den Kongress geschafft. Dazu hatte sie den bisherigen Abgeordneten in ihrem Wahlkreis, ebenfalls ein Demokrat, mit demokratischem Sozialismus links überholt.


Gerechtigkeit

Diese junge Politikerin tritt aus der FDP aus – weil die FDP Frauen fördern will
Wir haben mit Maike Wolf, 23, gesprochen.

Die FDP hat ein Problem mit Frauen: Sie hat zu wenige davon. Nur 21,6 Prozent der Mitglieder sind weiblich. Auch in hohen Parteiämtern gibt es nur wenige Frauen. 

Das will die Partei jetzt ändern. Nicht mit einer festen Quote, aber mit individuellen "Zielvereinbarungen" auf allen Ebenen, von der Bundespartei bis zu den Ortsverbänden. Der Bundesvorstand der FDP hat das gerade erst beschlossen. (SPIEGEL ONLINE)

Ein paar Tage später hat die Partei stattdessen eine potenzielle Führungsfrau weniger: Maike Wolf.

Die 23-jährige ist ehemalige Landesvorsitzende der Jungen Liberalen (Julis) in Rheinland Pfalz. Sie war so wütend über die Maßnahme, dass sie aus der FDP ausgetreten ist.

Intern war bereits im Vorfeld eine "Austrittswelle" weiblicher Mitglieder befürchtet worden. Dabei ist der Schritt der FDP nicht einmal besonders revolutionär: Die meisten Parteien haben bereits ähnliche Regelungen. Sogar die konservative CDU hat eine Quote – wenn auch eine freiwillige. (Süddeutsche)

Was hat eine junge Frau gegen das Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen? Wir haben mit Maike gesprochen.

Ihren Austrittsantrag hat Maike bei Twitter veröffentlicht.