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Die Geschichte in 5 Tweets

Warum müssen sich eigentlich immer diejenigen erklären, die keinen Alkohol trinken – und nicht diejenigen, die saufen? Für viele gehört zu einer gelungenen Party Alkohol dazu – aber auch ohne kann man Spaß haben. Noch mehr Spaß hätte man, wenn man sich nicht ständig rechtfertigen müsste.

Jessica, 36, Literatur-Studentin aus Siegen hat sich auf Twitter über die ständigen Diskussionen aufgeregt – und dafür viel Zuspruch bekommen.

Die typische Situation bei einer Party: 

Wieso? 🙄

Dann wirst du vielleicht doch schwach?

Erklärungen bringen einfach nichts.

ES NERVT!

Der erste Tweet wurde mehr als 500 Mal favorisiert, Dutzende kommentierten ihre Meinung. 

Wir haben bei Jessica nachgefragt, welche Situation sie so aufgeregt hat, dass sie bei Twitter die Wut rauslassen musste.

"Der tatsächliche Trigger war, dass eine Freundin auf einer Party dem Druck nachgegeben hat. Da sie nix beziehungsweise wenig verträgt, war sie nach einem halben Glas Schampus schon gut angetüddelt. Es ist nix weiter passiert, aber es war ihr halt unangenehm und es ging auch um den Druck der Freunde und Bekannten", sagt Jessica.

Sie selbst trinke schon mal Alkoholisches, aber nicht bis zum Exzess. Beim Autofahren habe sich Jessica selbst eine 0-Promille-Grenze gesetzt. 

"Ich hatte das in den letzten Monaten immer wieder, dass Kommilitonen gedrängt haben – trotz meiner Erklärungen. Mit so Sprüchen wie: 'Ach, 1 Radler geht doch!'." Freunde würden belächelt, wenn sie nichts trinken.

Alkoholkonsum

Der Alkoholkonsum in Deutschland ist im Jahr 2016 gesunken – um rund ein Prozent im Vergleich zu 2015. Trotzdem ist der Konsum immer noch sehr hoch. 134 Liter trinkt im Schnitt jeder Bürger jährlich ab 15 Jahren an alkoholischen Getränken. Das macht in etwa 9,5 Liter reinen Alkohol – etwa ein Eimer voll.

Mehr Ergebnisse aus dem aktuellsten Jahresbericht, findest du hier. 

Was Jessica sich wünscht:

Dass denen, die den Druck auf die Alkoholverweigerer aufbauen, bewusst wird, wie kacke das ist. Man kann durchaus nüchtern Spaß haben. Es sind eher die Besoffenen, die unerträglich werden.

Es ginge ihr um die Selbstbestimmung und darum, "dass man die Meinung und Position des Gegenüber akzeptiert, ohne die eigene Meinung als überlegen oder die richtigere zu sehen."

Bei Twitter erzählen auch andere von ihren Erfahrungen. 

So erzählt Patrick zum Beispiel, dass er von Geburt an unter Problemen mit der Leber leide und auf keinen Fall trinken dürfe. "Aber ich habe auch keinen Bock, das in jeder spaßigen, feuchtfröhlichen Runde zu erzählen."

Einige erzählen, wie sie im Freundeskreis oder selber mitbekommen haben, dass trockenen Alkoholikern etwas in ihre Drinks geschüttet wurde. Widerum andere erzählen, wie sie belächelt werden, wenn sie für eine Party alkolfreies Bier kaufen. Und andere stimmen Jessica einfach nur zu: "Du hast mir gerade aus der Seele gesprochen."


Gerechtigkeit

Sind Linke naiver als Rechte?
Das wird man ja wohl noch fragen dürfen.

Das Klischee des Linken: Sie wollen, dass jeder Flüchtling bleiben kann. Dass alle Menschen gerecht und gleich bezahlt werden. Dass Reiche nicht zu viel verdienen und Arme nicht wirklich arm sind – damit am Ende jeder ein gutes Leben führt. Klassisch linke Forderungen klingen oft schön. Aber sind sie wirklich realistisch?

Kritiker behaupten: Das ist alles utopisch und Linke sind viel zu naiv.