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Die Katalanen wollen einen eigenen Staat und provozieren immer weiter.

Was ist passiert?

Viele Katalanen möchten unabhängig von Spanien werden und aus der Region einen eigenen Staat formen. Seit Monaten kämpfen die Separatisten für Unabhängigkeit – nun wollen sie einen neuen Präsidenten wählen: Jordi Turull.

Nachdem monatelang nicht klar war, wer es machen soll, muss es jetzt schnell gehen, schon am Donnerstag könnte die Entscheidung fallen.

Der Grund für die Eile: Am Freitagmorgen muss Turull in Madrid vorm Gericht erscheinen. Sie könnte ihn in Untersuchungshaft stecken. (El País)

Turull ist der Kandidat der separatistischen Partei von Carles Puigdemont. Der vorherige, mittlerweile abgesetzte katalanische Präsident harrt derzeit in Brüssel aus und reist nicht nach Spanien, um so seiner Verhaftung zu gehen. (bento)

(Bild: Getty Images/Jasper Juinen)
  • Turull und Puigdemont drohen Gefängnisstrafen, weil sie versucht haben, Katalonien von Spanien abzuspalten.
  • Die Staatsanwalt wertet das als Aufruhr und Rebellion gegen den spanischen Staat.
  • Turull, 51, war schon Sprecher der Puigdemont-Regierung.
  • Er saß bereits wochenlang in U-Haft.
  • Zurzeit ist er auf Kaution draußen.
Jordi Turull und andere Angeklagte auf dem Weg in die Freiheit.(Bild: dpa/Europa Press)

Worum geht es in dem Konflikt noch mal?

  • Ungefähr die Hälfte der Katalanen wollen einen eigenen Staat.
  • Das verstößt gegen die spanische Verfassung, selbst eine Abstimmung über die Unabhängigkeit hat die spanische Regierung für illegal erklärt.
  • Viele Katalanen sind allerdings auch gegen die Abspaltung.

Hier sind Bilder von einer Demonstration gegen die Unabhängigkeit:

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  • Im Oktober hatte die spanische Regierung die Region unter Zwangsverwaltung gestellt.
  • Bei den Wahlen im Dezember konnten die Unabhängigkeitsbefürworter eine knappe Mehrheit im Parlament erringen.
  • Offen war aber, wer neuer Präsident werden sollte.
  • Puigdemont kann nicht regieren, weil er sich in Brüssel versteckt.
  • Andere mögliche Kandidaten, wie der Aktivist Jordi Sànchez, sitzen in Untersuchungshaft.
  • Deshalb war die Wahl des Präsidenten immer wieder vertagt worden.

Warum gerade Turull – und warum jetzt?

Der Konflikt zwischen Madrid und den Unabhängigkeitsbefürwortern in Barcelona wird schon seit Jahren taktisch ausgefochten. Auch Turulls Nominierung ist offenbar ein Schachzug, der die Katalanen zumindest medial in ein gutes Licht rücken soll: Das Gericht müsste am Freitagmorgen nicht gegen einen normalen Abgeordneten vorgehen, sondern gegen den zumindest bereits gewählten Präsidenten Kataloniens.

Ein demokratisch gewählter Repräsentant hinter Gittern? Das passt zumindest in das Bild, das die katalanischen Nationalisten vermitteln wollen. Sie stellen sich als Opfer eines undemokratischen spanischen Regimes dar – auch wenn das nicht stimmt.

(Bild: Getty Images/Jack Taylor)

Mit der Provokation könnten die Nationalisten auch versuchen, die Euphorie wiederzubeleben. Die war zusehends verflogen, nachdem die spanische Regierung Katalonien im Oktober unter Zwangsverwaltung gestellt hatte.

Ob der Schachzug den Separaratisten wirklich nutzt, ist unklar. Die eigenen Anhänger dürfte langsam ungeduldig werden, wenn die Parteien es schon wieder nicht schaffen, einen Präsidenten einzusetzen.

Wie reagiert Madrid?

Die spanische Regierung hat bereits angekündigt, die Region weiter zwangsverwalten zu wollen, wenn die katalanischen Regierung sich weiter nicht an spanisches Recht halte. Sie hält von Turulls Kandidatur gar nichts. Das Argument: Gegen ihn ermittele schließlich die Justiz.

In der spanischen Verfassung ist es nicht vorgesehen, dass eine Region sich ohne Zustimmung aller Spanier oder ihrer Vertreter abspalten kann. Auf dieser Grundlage verfolgt die spanische Justiz seit Monaten die Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Wie geht es jetzt weiter?

Am Abend wird sich entscheiden, ob überhaupt eine Mehrheit des katalanischen Parlaments die Kandidatur von Jordi Turull unterstützt. Für eine Wahl bräuchte er jede Stimme der drei separatistischen Parteien. Die linksradikale CUP ist die kleinste von ihnen. Sie hat sich noch nicht öffentlich zu Turulls Kandidatur bekannt.

Selbst wenn er zum Präsidenten gewählt werden sollte, ist er aber noch nicht eingesetzt. Der spanische König müsste unter anderem noch zustimmen. Und ins Gefängnis könnte Turull am Freitag trotzdem kommen. Dann könnte er seinen Amtsgeschäften nicht nachgehen – und wäre wieder entmachtet.


Update um 23 Uhr: Jordi Turull ist zumindest im ersten Wahlgang gescheitert. Ihm fehlten die Stimmen der CUP. Morgen muss er vor Gericht erscheinen.


Grün

Dieser Fisch ist ein Roboter – und soll die Meere erkunden
Dürfen wir vorstellen: "SoFi".

Von weitem könnte man "SoFi" für einen echten Fisch halten: Mithilfe einer Schwanzflosse schwimmt sie wie ihre vermeintlichen Artgenossen über das Riff oder weicht Korallen aus. Auch ihre Augen, die eigentlich extreme Weitwinkel-Linsen sind, sehen denen von Fischen sehr ähnlich.

Was jedoch aussieht wie ein Fisch, ist in Wahrheit ein Roboter. 

"SoFi" steht für "Soft Robotic Fish" und wurde von einem deutschen Ingenieur namens Robert Katzschmann und seinem Team am bekannten Massachusetts Institute of Technology entwickelt. Der Roboter ist 47 Zentimeter lang und 1,6 Kilogramm schwer. (Wired)