"Barcelona is not Catalonia" ist Satire. Die Frage ist, wie lange noch.

Barcelona ist der Stolz Kataloniens. Die Metropole ist die eine große Stadt der Region im Nordosten Spaniens, Touristenmagnet und eine der wirtschaftsstärksten Orte des ganzen Landes. Wenn sie erst mal von Spanien unabhängig sind, wollen die rund zwei Millionen katalanischen Nationalisten Barcelona zur Hauptstadt ihres neuen Staates machen.

Doch nun regt sich Widerstand. Zwei Organisationen wollen Barcelona von Katalonien abspalten – und so in Spanien bleiben. Sie benutzen dieselben Argumente wie die Separatisten und machen klar, wie dünn die Argumente der Nationalisten in Katalonien sind. Über Weihnachten ging die Aktion viral, das Thema trendete für kurze Zeit weltweit.

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"Barcelona is not Catalonia"

Sie ist die bislang erfolgreichere der beiden Bewegungen und offenbar (noch) größtenteils satirisch – ein Witz, der allerdings derzeit das ganze Land elektrisiert. Das Ziel: Die fiktive Region "Tabarnia" soll eine autonome Gemeinschaft, also eine Art eigenes Bundesland, in Spanien werden und nicht mehr zu Katalonien gehören. "Tabarnia" setzt sich aus Barcelona und Tarragona zusammen, zwei Regionen innerhalb Kataloniens. In beiden sind die Gegner der katalanischen Unabhängigkeit in der Mehrzahl – und stimmen auch regelmäßig entsprechend ab. Bei den Wahlen im Dezember gewann dort die liberale pro-spanische Partei "Ciudadanos" von Spitzenkandidatin Inés Arrimadas. (El País)

Die Idee einer solchen Region ist schon mehrere Jahre alt, nach den Wahlen am 21. Dezember in Katalonien hat die Aktion nun über Weihnachten auf Twitter Fahrt aufgenommen – ohne großes Zutun der Initiatoren. Pro-spanische Politiker sprangen auf den Zug auf, der Hype war aber wohl bereits vorher entstanden. Inzwischen haben mehr als 65.000 Menschen die Petition der Organisation auf change.org unterschrieben. Dieses Bild verbreitete sich rasend schnell auf Twitter, es zeigt eine (zumindest noch fiktive Republik) Katalonien und die davon unabhängige fiktive Region "Tabarnia" – mitten drin: Barcelona.

Im Bild stehen außerdem die Forderungen und Versprechen der Bewegung:

  • So soll es im Oktober 2019 eine Volksabstimmung geben.
  • Es soll ein Ende der Steuerausbeutung durch Katalonien geben. Schließlich werde rund um Barcelona mehr Geld erwirtschaftet (selbst pro Kopf) als im katalanischen Hinterland.
  • Die Renten seien sicher, schließlich hätte man dann ja mehr Geld.
  • Es solle auch keine Strafen mehr geben, wenn man seinen Laden nur noch auf Spanisch bewerbe. Beide Sprachen, Spanisch und Katalanisch, sollen offizielle Landessprachen werden.
  • Auf ihrer Webseite schreiben die Organisatoren, dass bald auch Fahnen hergestellt werden sollen, mit denen die Bürger dann ihre Balkons und Fenster schmücken sollen.
  • Mittelfristig sollen auch Unterschriften gesammelt und offiziell eingereicht werden.

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"Barcelona via fora"

Wir glauben, dass wir Barcelona als autonome Gemeinschaft besser regieren können.
Sprecher von "Barcelona via fora"

Die Organisation ist noch nicht so bekannt, hat aber ähnliche Ziele wie "Barcelona is not Catalonia". Die Metropolregion Barcelona solle eine autonome Gemeinschaft Spaniens werden und nicht mehr zur autonomen Region Katalonien gehören. Gegründet wurde die Organisation vor vier Jahren von einer Gruppe Unternehmer und Juristen. "Unser Projekt ist keine Satire, wir meinen es Ernst", sagt ein Sprecher der Organisation zu bento.

Anfang 2018 soll die Organisation offiziell vorgestellt werden. Die Einwohner Barcelonas hätten halt ihre Eigenarten, das ländliche Katalonien ticke anders. "Wir glauben, dass wir Barcelona als autonome Gemeinschaft besser regieren können." Besonders besorgt sind die Initiatoren, weil Tausende Unternehmen ihren Hauptsitz verlegt haben. In Katalonien war ihnen die politische Untersicherheit zu groß. Das Projekt sei zudem juristisch machbar. Tatsächlich gibt es nach spanischem Recht zumindest die theoretische Möglichkeit, aus Provinzen autonome Gemeinschaften zu machen.

Inwiefern stellen die Bewegungen die Nationalisten bloß?

  1. Sie benutzen dieselben Argumente wie die Katalanen und halten ihnen so den Spiegel vor. Im Fall von "Tabarnia" sagen sie Sätze wie: "Katalonien raubt uns aus", wegen der vergleichsweisen hohen Wirtschaftskraft rund um Barcelona. Oder: "Die Bürger von 'Tabarnia' wollen nur abstimmen." Sie seien nicht für die Unabhängigkeit, sondern nur für die Demokratie. All diese Argumente sind gängige Slogans der katalanischen Separatisten.
  2. Sie stellen die Widersprüche der Separatisten heraus: Warum sollen ausgerechnet die Katalanen über eine Abspaltung abstimmen? Und kann dann jede Region einer unabhängigen katalanischen Republik ebenfalls abstimmen, ob sie lieber wieder zu Spanien gehören wollen? Könnte Barcelona also einfach Teil von Spanien bleiben? Das wäre das Ende für die katalanischen Unabhängigkeitsträume, die Metropole ist zu wichtig.
  3. Sie heben hervor, dass die Separatisten im neuen katalanischen Parlament nur eine Mehrheit haben werden, weil Stimmen aus ländlichen Regionen mehr zählen als Stimmen aus Barcelona. Das liegt am katalanischen Wahlrecht. Bei der Wahl am vergangenen Donnerstag hatten die drei separatistischen Parteien Kataloniens zusammen nur 47,5 Prozent der Stimmen erhalten. Nach Sitzen im Parlament kommen sie zusammen aber auf eine absolute Mehrheit.
(Bild: Getty Images/Jack Taylor)

Durch die Aktionen wird noch mal klar: Nationen sind in der Regel nicht einfach da, sondern sie werden geformt, sie existieren in den Köpfen der Menschen, die sich ihnen zugehörig fühlen. Und auch in Katalonien leben viele Menschen, die sich als Spanier fühlen und gerne weiterhin in ihrem Land leben würden. Wenn man auch ihre Meinung im Blick hat, wäre es wohl das beste, wenn sich der spanische Staat und die katalanische Regierung auf einen Kompromiss einigen würden.

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