Bild: Tobias Hase/dpa

Die Mehrheit der Katholiken spüre, dass sich die Kirche derzeit in einer Umbruchssituation befinde, sagt Kardinal Reinhard Marx in einem Interview mit dem bayerischen Radiosender B5. Daher müsse die Lebensgeschichte jedes einzelnen in der Seelsorge stärker in den Blick genommen werden als bisher.

Marx ist Erzbischof von München und als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz der oberste Katholik des Landes. Der 64-Jährige äußerte sich in diesem Zusammenhang auch zur kontroversen Diskussion über mögliche Segnungen homosexueller Beziehungen in der katholischen Kirche.

Diese hatte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode Anfang Januar angeregt. "Auch wenn sich die Ehe für alle eindeutig vom Eheverständnis der Kirche unterscheidet, ist sie nun politische Realität. Wir müssen uns daher fragen, wie wir denjenigen begegnen, die diese Verbindung eingehen und die sich ja zum Teil auch in der Kirche engagieren", sagte Bode der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Oft werde eine gleichgeschlechtliche Beziehung in der Kirche als schwere Sünde eingeordnet, so Bode. Aber sei "da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen? Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken – die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung".

"Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln."
Marx stellt nun Segnungen in Aussicht – im Einzelfall. 

"Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben. Ich sehe da eigentlich keine Probleme." Ein generelles und weltweites Ja zu einer Segnung von homosexuellen Beziehungen in der katholischen Kirche sei das aber nicht. "Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln."

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. 


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