Bild: Getty Images/Christopher Furlong
Die Kanadier rüsten sich schon mal zum Protest.

In mehreren europäischen Ländern gibt es mittlerweile mehrere Verhüllungsverbote, nun erstmals auch in Nordamerika. Die kanadische Provinz Quebec hat ein Gesetz beschlossen, dass Gesichtsschleier im öffentlichen Dienst verbietet. 

Das Gesetz Nr. 62 soll sich nicht speziell gegen Muslime richten, ist aber de facto genau das: ein Niqab- oder Burkaverbot. (Quartz)

  • Es gilt ab sofort für alle, die in Quebec im Staatsdienst arbeiten, also zum Beispiel Lehrer, Ärzte oder Busfahrer. 
  • Es gilt aber auch für jeden, der Staatsdienste in Anspruch nehmen will, also auch für Schüler und jeden, der mit dem Bus fahren will.
Kanadas Premierminister Justin Trudeau mag das Gesetz nicht.

Zwei Jahre lang würde über die Einführung gestritten, Trudeau gilt als Gegner. Er will Kanada zum Einwanderungsland machen, Religionsfreiheit und Multikulturalismus – also das friedliche Miteinander verschiedener Kulturen – sind in der Verfassung festgeschrieben. 

So werden die verschiedenen Gesichtsschleier unterschieden:

Und wer trägt sonst noch so Kopftuch?
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Die Befürworter hoffen auf mehr Sicherheit. In einer demokratischen Gesellschaft sollte jeder das Gesicht des anderen sehen können, erklärte der Premierminister der Provinz Quebec. 

  • Im September war ein mutmaßlich islamistischer Attentäter in der kanadischen Stadt Edmonton mit einem Auto in einen Polizisten gefahren und hatte diesen niedergestochen (Edmonton Journal).
  • Den verheerendsten Anschlag jüngster Zeit erlebte Kanada im Januar: Ein Rechtsextremer hatte das Feuer auf eine Moschee in Quebec eröffnet und dabei sechs Muslime getötet und mehr als ein Dutzend verletzt (bento).
Bürgerrechtsgruppen wollen nun das neue Gesetz vor Gericht stoppen – und könnten damit mit Blick auf die Verfassung recht bekommen.

Auch auf Facebook und Twitter protestieren Kanadier gegen das Gesetz. Unter #Bill62 zeigen sie sich vermummt, um damit auf die absurde Regel aufmerksam zu machen: 

Auch in Österreich gibt es jetzt ein Verhüllungsverbot – mit fragwürdiger Umsetzung:


Gerechtigkeit

Sexuelle Belästigung im Europaparlament? Mitarbeiterinnen klagen an
Nach Weinstein und #MeToo schildern die Frauen in der "Sunday Times" ihre Erlebnisse.

Mehrere Mitarbeiterinnen des Europäischen Parlaments haben der "Sunday Times" anonym geschildert, wie sie von Mitgliedern des Europäischen Parlaments in Brüssel sexuell belästigt worden seien. 

Die Frauen berichten von einer frauenfeindlichen Atmosphäre, unerwünschtes Grapschen soll den Schilderungen zufolge kein Einzelfall sein. Das Europäische Parlament sei eine "Brutstätte der Belästigung", wird eine Mitarbeiterin des Parlaments zitiert. Politiker würden gezielt junge Frauen anstellen und sich nicht rechenschaftspflichtig fühlen.