Bild: Graham Hughes/The Canadian Press/dpa
Die Aktion ist ziemlich gefährlich.

In Tschetschenien werden schwule Männer verfolgt, eingesperrt, gefoltert. Die autonome Republik im Süden Russlands betreibt eine systematische Jagd auf Schwule, Hunderte wurden in den vergangenen Monaten in Foltergefängnisse gesperrt. (Mehr dazu bei bento)

Viele Homosexuelle sind daher in letzter Zeit nach Russland geflohen. Doch auch dort sind die Männer benachteiligt, Russland hat strenge Anti-Schwulen-Gesetze.

Nun hat Kanada in den vergangenen Monaten heimlich mehrere schwule Tschetschenen aus Russland ausgeschleust.

Die Aktion wurde von Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland betreut. Insgesamt 22 Tschetschenen wurden aus Aufnahmestellen in Russland nach Kanada gebracht. Weitere Flüchtlinge sollen in den kommenden Tagen nachkommen, berichtet die kanadische Zeitung "The Globe and Mail".  

Insgesamt sollen derzeit knapp 100 verfolgte Tschetschenen in geschützten Häusern in Russland leben. Im Juni hat auch Deutschland einen aufgenommen, weitere Fälle werden geprüft:

Tschetschenien ist eine islamisch geprägte Region, sie wird vom Putin-treuen Autokraten Ramzan Kadirow geführt. Er hetzt gegen Minderheiten, Schwule werden in Lagern interniert. 

Kadirows Sprecher hatte die Berichte zuvor als "Lüge" und "einen Versuch, die Republik Tschetschenien zu diskreditieren" bezeichnet. Schwule Männer gebe es im Land gar nicht – man könne daher auch keine Menschen verhaften und töten, die nicht existierten. (Interfax)

Zwei Geflohene berichteten dem britischen Guardian später von schwerer Folter und Erpressung:
Adam berichtet, er wurde in einer Art Konzentrationslager gefangen gehalten, zusammen mit einem Dutzend anderer Männer.
Er sollte die Namen anderer Schwuler verraten. Wärter haben ihm Metallkappen an Finger und Zehen befestigt – und dann Strom durch seinen Körper gejagt.
"Sie sagten, wir seien Tiere und Nicht-Menschen – und dass wir hier sterben würden."
Weiterhin sei Adam mit Holzlatten und Metallstangen verprügelt worden: "Sie haben sich in Runden mit dem Verprügeln abgewechselt."
Ein anderer Zeuge heißt Akhmed, die Polizei wollte ihn nach eigenen Angaben zunächst bestechen.
Wenn er Geld zahlt, erfahre seine Familie nichts von seiner Homosexualität – und Bilder von ihm und Freunden würden nicht im Netz landen.
Das sei über Jahre so gelaufen, dann erfuhr die Familie doch davon: "Ich habe keine Zweifel, dass sie geplant haben, mich zu töten."
Akhmet floh nach Europa, hier muss er seine Sexualität nicht mehr verstecken. "Ich hatte ursprünglich geplant, all diese Probleme mit in mein Grab zu nehmen."
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Die Aktion des kanadischen Außenministeriums könnte neue diplomatische Spannungen zwischen Kanada und Russland bedeuten. Außenministerin Chrystia Freeland beteuerte aber, das zum Schutz der Männer in Kauf zu nehmen.

Für die heimliche Aufnahme der Verfolgten hat Kanada mit der Organisation "Rainbow Railroads" zusammengearbeitet. Deren Mitarbeiter sind nach Russland gereist und haben dort die Geflüchtete aus Tschetschenien und dem Nord-Kaukasus getroffen.

Dass es ausgerechnet Kanada wurde, das den Verfolgten zu Hilfe kommt, könnte am tschetschenischen Präsidenten selbst liegen.

Kadirow hatte in einem Interview selbst bestritten, dass es überhaupt schwule Männer gebe. Dann sagte er: "Wenn da welche sind, bringt sie doch nach Kanada ... bringt sie so weit weg, dass wir sie hier nicht mehr haben. Dann können wir unser Blut reinigen."

Auch Russland wiegelt bei dem Thema Homosexualität ab. Er selbst sei "kein großer Spezialist in Sachen nichttraditioneller Orientierung", spottete ein Kreml-Sprecher nur, als er zu den Geschehnissen in Tschetschenien befragt wurde (bento).


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Zuerst durften die "Großen" ran, nun folgen die "Kleinen": Nach dem TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) findet jetzt auch ein Duell zwischen den Oppositionsparteien statt.

Vertreter von CSU, Grüne, Linke, FDP und AfD treffen aufeinander – allerdings in zwei verschiedenen Formaten.
  1. Das ZDF zeigt am Montag um 19.25 Uhr einen Schlagabtausch mit den im Bundestag vertretenen Parteien CSU, Linke und Grüne. 
  2. Die ARD zeigt dann am Montagabend um 20.15 Uhr ein 5er-Duell mit allen wichtigen kleinen Parteien – also auch noch FDP und AfD.