Bild: dpa/Ngala Killian Chimtom
Drei Fakten über die Krise in Kamerun

Kamerun in Zentralafrika steuert auf einen großen, blutigen Bürgerkrieg zu – und die Welt schaut bisher weg.

In dem Land stehen sich Separatisten und Sicherheitskräfte der Regierung gegenüber, Zivilisten werden erpresst, entführt und getötet. Mittlerweile warnen Menschenrechtler vor der Gewalt. Mausi Segun, die Afrika-Direktorin von "Human Rights Watch" warnt:

Die Menschenrechtslage in Kamerun hat Krisenniveau erreicht und könnte sich noch deutlich zuspitzen.

Die wichtigsten Fakten zur Lage in Kamerun:

1

In Kamerun ist die Bevölkerung gespalten – ein Erbe der Kolonialzeit.

Das Land liegt in Zentralafrika und hat rund 25 Millionen Einwohner. Früher war es Spielball europäischer Mächte: Kamerun war erst deutsche Kolonie, nach dem Ersten Weltkrieg teilten sich Frankreich und Großbritannien das Land.

(Bild: Lokaler)

Dieses koloniale Erbe sorgt nun für Spannungen: Die Mehrheit im Land ist französisch geprägt, etwa 20 Prozent der Bevölkerung jedoch britisch. Der britisch geprägte Teil entlang der nigerianischen Grenze erklärte Ende 2017 seine Unabhängigkeit. Sie haben den neuen Staat "Ambazonia" ausgerufen – der vom Rest Kameruns aber nicht anerkannt wird.

2

Die englischsprachige Minderheit klagt über Unterdrückung und Verfolgung.

Justiz, Verwaltung und teilweise auch der Schulunterricht werde auf Französisch abgewickelt, berichten Kameruner. Sie fordern daher ihre von der Verfassung garantierten Minderheitenrechte ein.

Nun gibt es bewaffnete Separatisten, die dafür kämpfen – und die kamerunische Armee, die gegen sie vorrückt. Das Problem: Separatisten wie Soldaten gehen dabei auch gegen Unschuldige vor. Die Armee soll Dutzende Dörfer niedergebrannt haben, Menschen werden entführt und getötet. (BBC)

So hat "Human Rights Watch" die Zerstörung des Dorfes Munyenge aus der Luft dokumentiert:

1/12

Reportern wird der Zugang zur Region verwehrt. Journalisten von "African Eye", einer Investigativ-Sparte der BBC, konnten trotzdem Aufnahmen von einem Angriff sichern:

3

Mittlerweile ist die Gewalt in Kamerun eskaliert – und Menschen sind auf der Flucht.

Nach Angaben der Uno sind mehr als 160.000 Menschen in Kamerun auf der Flucht, mehr als 20.000 sollen bereits im benachbarten Nigeria sein. Mehr als 70 Dörfer sollen bereits angegriffen worden sein, die Menschen vor Ort leben in Angst. 

Ein Kameruner sagt der "Tagesschau":

"Wenn Sie morgens ins Büro gehen, in dem Moment, wo Sie sich auf die Arbeit konzentrieren wollen, hören Sie, dass nur wenige Hundert Meter von Ihnen jemand getötet wurde. Jeder spitzt die Ohren. Wir leben in ständiger Angst. Das lenkt uns komplett von der Arbeit ab."

Eine Frau berichtet dem "Guardian" von den Taten der Soldaten:

"Sie haben Häuser niedergebrannt, Frauen vergewaltigt und Menschen willkürlich ermordet. Die, die eine Chance hatten, flohen und verstecken sich im Dschungel. Viele sind tot. Es ist ein Völkermord."

Und so dokumentiert "Human Rights Watch" die Krise:

Wie geht es weiter?

Die Regierung in Kamerun schweigt über die Angriffe und versucht, die Zahlen Geflohener abzuschwächen. International findet der brodelnde Bürgerkrieg kaum Beachtung. 

Mittlerweile haben sowohl die US-amerikanische Regierung als auch die Vereinten Nationen die Konfliktparteien zum Dialog aufgerufen – allerdings bisher ohne Erfolg.


Today

In Pakistan hat es ein ehemaliger Cricketspieler zum Ministerpräsidenten geschafft
5 Fragen zu Imran Khan

Imran Khan wird neuer Ministerpräsident von Pakistan. Seine Fans feiern im ganzen Land, in der Hauptstadt Islamabad ist auf den Straßen die ganze Nacht Musik zu hören, Menschen fahren hupend durch die Straßen, Feuerwerk erleuchtet den Himmel. "Dies ist der Höhepunkt meiner langjährigen Bemühungen", sagte er in der Nacht. "Ich habe mein Bestes für Pakistan gegeben, jetzt liegt alles in der Hand Gottes."

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Khan, einst Cricket-Star des Landes, Playboy und Lebemann, hat nach einem Wahlkampf voller Gewalt geschafft, was viele für unmöglich hielten: 22 Jahre nach seinem Eintritt in die Politik hat er die jahrzehntelange Vorherrschaft der zwei mächtigen Politikerdynastien Bhutto und Sharif gebrochen.