Bild: Getty Images/dpa; Montage: bento
Warum man die Aktion trotzdem nicht ganz verteufeln sollte.

Das Paradies brennt. Tausende Feuerwehrleute sind im Einsatz. Die Brände komplett zu löschen ist aussichtslos, es geht nur noch darum, sie einzudämmen. Die Rauchbelastung ist enorm. 

Aber während Kleinstädte wie Paradise im Norden Kaliforniens durch die Waldbrände dem Erdboden gleich gemacht werden (bento), haben Kim Kardashian und Kanye West laut Medienberichten ihr Grundstück in den Hidden Hills mit privaten Feuerwehrleuten vor dem Brand schützen können. Ist das gerecht?

Was ist passiert?

In den Waldbränden, die derzeit in Kalifornien in den USA wüten, sind schon über 60 Menschen gestorben. Das sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat. 

Vor allem zwei Großbrände richten Chaos in Kalifornien an: Im Norden ist es das "Camp-Fire", das unter anderem den Ort Paradise komplett zerstört und die meisten Menschenleben gekostet hat. 

Im Süden Kaliforniens bei Malibu, nordwestlich von Los Angeles, wütet das "Woolsey Fire". Hier sind viele Promi-Villen abgebrannt, unter anderem die von Thomas Gottschalk, Gerard Butler und Miley Cyrus. (bento)

Einige wurden aber auch verschont: Kim Kardashian und Kanye West zum Beispiel haben offenbar private Feuerwehrleute engagiert, um ihr Anwesen und die der direkten Nachbarn mit Brandhemmern zu schützen. Erfolgreich. Ihre Häuser stehen noch. Und die Nachbarn sind den Wests extrem dankbar. (TMZ)

Ist das jetzt "Survival of the richest"?

Dass Reiche ihre Kinder auf bessere Schulen und Privat-Unis schicken können, ist schon lange Gang und Gäbe. Mit einer besseren Ausbildung bekommt man später auch die besseren Jobs und bleibt über Generationen reich. (bento)

Aber gilt das jetzt auch für Sicherheit? Können sich Reiche heute in allen Bereichen bessere Dienstleistungen kaufen: neben Bildung und Gesundheitsfürsorge auch noch Polizeiarbeit und Brandbekämpfung?

In den USA gibt es Versicherungsgesellschaften, die privaten Feuerschutz anbieten (Insurance Journal). Logisch: Wenn eine Promi-Villa im Wert von mehreren zig Millionen Dollar abbrennt, würde das die Versicherung mehr Geld kosten, als wenn sie eigene Leute hinschickt, die die Villa schützen. Die Policen kosten von mehreren tausend Dollar bis zu mehreren zehntausend Dollar – je nach Größe und Lage des versicherten Anwesens. 

Die Versicherungen bieten ihren Kunden Beratung und die Installation von Schutzmaßnahmen (wie Sprenkleranlagen, das Beschneiden von Bäumen, damit sie nicht so schnell Feuer fangen, und das Verteilen von Brandhemmern bei nahenden Feuern). Das Geschäft ist ziemlich lukrativ. (NBC News)

Aber ist das wirklich so verurteilenswert?

Seien wir ehrlich: Wenn wir könnten, würden wir es doch genauso machen. Hätten wir das Geld, würden wir uns den bestmöglichen Schutz für unsere Familien und unser Hab und Gut kaufen – so wie es Kim Kardashian und Kanye West auch getan haben. Und die Häuser ihrer direkten Nachbarn haben sie durch ihren Schutz gleich mit geschützt. Dass das Ehepaar mit seinem Geld aber auch nicht die komplette Nachbarschaft oder ganz Kalifornien schützen kann, ist auch klar.

Generell private Feuerwehrleute verteufeln, sollte man nicht. Das sagt auch die staatliche Feuerwehr in Kalifornien: Tatsächlich helfen die privaten Brandbekämpfer der "normalen" Feuerwehr durch ihre präventiven Maßnahmen, die so ein paar Feuer weniger zu löschen hat, betont Scott McLean, der stellvertretende Informationschef der staatlichen Feuerwehr in Kalifornien, gegenüber NBC. 

Die einzigen Kontroversen, die die normale Feuerwehr mit den privaten Feuerwehrleuten hat, ist die Zuständigkeit und Organisation bei tatsächlichen Bränden. Wenn die privaten Feuerwehrleute auch Brände löschen wollen, sollten sie an den Einsatzbesprechungen der Feuerwehr teilnehmen, damit sich niemand im Wege steht. (NBC News)

Doch zuletzt steht noch immer die ethische Frage im Raum und sollte nicht vergessen werden: Die "normale" Feuerwehr löscht Brände und es ist ihnen egal, wer in dem Haus wohnt. Die privaten Feuerwehrleute retten nur bestimmte Häuser.

Wie gesagt: Man sollte private Feuerwehrleute nicht komplett verteufeln. Toll finden, muss man sie trotzdem nicht. 

Arme Menschen dürfen nicht auf der Strecke bleiben – erst Recht nicht, wenn es um Leben und Tod geht. 

Die Großbrände und die Gefahren in Kalifornien sind ein großes Stück weit menschengemacht – unter anderem durch den Klimawandel. Der kalifornische Feuerexperte Kurt Henke, langjähriger Feuerwehrchef im Bezirk Sacramento, sagt gegenüber der dpa: "Früher gab es alle sechs bis acht Jahre ein verheerendes Feuer, jetzt haben wir zwei bis vier Megabrände pro Jahr." 

Und die Brände werden in den nächsten Jahren voraussichtlich eher schlimmer und häufiger. Eine Entwicklung, die wahrscheinlich schon läuft: Seit 1932 dokumentiert Kalifornien Waldbrände. Neun der zehn größten Brände haben ab dem Jahr 2000 stattgefunden. (SPIEGEL ONLINE)

Zusätzlich dringt der Mensch aber auch immer weiter in natürliche Waldbrandgebiete vor. Waldbrände sind in Kalifornien tatsächlich etwas natürliches – nur sollten sie eigentlich den Menschen nicht so tangieren, da sie in ursprünglich unbesiedelten Gebieten stattfinden. "Wir expandieren zu sehr in Regionen, wo die Feuergefahr sehr hoch ist", meint Feuerexperte Henke. Mit fast 40 Millionen Einwohnern ist Kalifornien der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat. 

So sind hier also doch wieder der Mensch und die Politik in der Verantwortung. Es muss mehr gegen den Klimawandel getan werden. Und der Mensch sollte akzeptieren, dass es noch Gebiete gibt, in denen die Natur stärker ist als er.

Mit Material von dpa

Auch das sind die Folgen des Klimawandels:

1/12

Today

So streng ist die bayerische Polizei bei Tattoos
Selbst die katholische Kirche ist da entspannter.

Polizisten müssen im Dienst ordentlich aussehen. Was da gar nicht ins Bild passt: ein sichtbares Tattoo. So sieht es zumindest der Freistaat Bayern.

In einem Streit vor Gericht hat der Staat Bayern nun Recht bekommen – und verhindert, dass sich ein Polizist den Unterarm tätowieren darf.

Es geht um ein sehr banales Wort. Der Polizeioberkommissar Jürgen Prichta wollte sich das hawaiianische Wort "Aloha" stechen lassen. 2008 hatte Prichta mit seiner Frau die Flitterwochen auf Hawaii verbracht, das Tattoo sollte eine Erinnerung werden. Der Freistaat war dagegen.

Nun, zehn Jahre später, gibt es eine Entscheidung. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat es höchstrichterlich verboten. (Stern)

Was ist daran besonders?

Das Urteil ist rechtskräftig, die Revision wurde nicht zugelassen. Und es geht um mehr als nur "Aloha" – denn das Urteil hat eine Bedeutung für alle Polizistinnen und Polizisten in Bayern. Alles, was sichtbar die Erscheinung der Polizisten verändert, ist nicht zulässig.

Das Gericht verweißt auf das Bayerische Beamtengesetz: 

"Soweit es das Amt erfordert, kann die oberste Dienstbehörde nähere Bestimmungen über das Tragen von Dienstkleidung und das während des Dienstes zu wahrende äußere Erscheinungsbild der Beamten und Beamtinnen treffen. Dazu zählen auch Haar- und Barttracht sowie sonstige sichtbare und nicht sofort ablegbare Erscheinungsmerkmale."

Also auch: Tattoos.

Einer der Anwälte sagte, es ginge nicht darum "irgendwelche verstaubten Moralvorstellungen durchzusetzen". Stattdessen: