Der kanadische Premierminister Justin Trudeau ist das Sexsymbol der internationalen Politik. An seinem Po und seinem definierten Oberkörper kommt man auf Facebook kaum vorbei. Heiß, heißer, Trudeau!

Auch bento hat dabei mitgemacht und sich über die Fotos gefreut. Ich habe dabei mitgemacht. Anschließend gab es bei uns eine heftige Diskussion: Sexy Fotos einer Politikerin würden wir schließlich nicht abfeiern. Das wäre komisch. Warum ist es jetzt nochmal okay, einen Politiker zum Sexsymbol zu machen? Gelten für Männer andere Standards?

1. Über eine Frau würden wir so nicht berichten

Politiker nach dem Äußeren zu bewerten, geht's noch? Wenn andere über Kleider und Schuhe von Politikerinnen schreiben, rollen wir mit den Augen.

Gerade erst haben wir eine Sendung von Markus Lanz kritisiert, in der eine Runde Männer Angela Merkel die Weiblichkeit abgesprochen hat. Weil Merkel so eine kühle Art habe. Und sich so wenig weiblich anziehen würde. Unser Urteil für diese Aussagen: "unerträglich". (bento)

Bei Trudeau ist es ja nur nett gemeint. Aber genau das sagen auch Männer, wenn sie Frauen auf ihr Äußeres reduzieren. Wenn das bei Frauen nicht okay sein soll, dann auch nicht bei Männern. Sexismus funktioniert schließlich in beide Richtungen.

So reagieren Menschen auf Trudeaus Jugendfotos:
1/12
2. Trudeau nutzt diesen Effekt bewusst

Trudeau streut Bilder von sich beim Boxen oder Schwimmen – er zeigt sich wie ein Popstar. Ganz ähnlich wie Barack Obama oder sein russisches Pendant Vladimir Putin, der gerne mal mit zwei antiken Vasen aus dem Meer schreitet oder obenrum frei Reiten geht.

Denn Sexyness und muskulöse Männlichkeit sorgen für mehr Zustimmung. Unabhängig davon, ob man sich nun links oder rechts auf dem politischen Spektrum befindet. Studien belegen: Physische Attraktivität sorgt nicht nur für bessere Einstellungschancen im Job, sondern auch für bessere Wahlerfolge.

Forscher nennen das den "Heiligenschein-Effekt". Der sorgt dafür, dass wir gut aussehenden Personen gleichzeitig andere positive Eigenschaften zuschreiben. Wer Trudeau für sein Aussehen feiert, lenkt von politischen Inhalten ab.

Welche Politikerin würde noch erstgenommen werden, nachdem sie sich sexy im Bikini oder schwitzend beim Yoga ablichten ließe?
3. Frauen könnten sich das nicht erlauben

Frauen müssen in der Politik noch mehr auf ihr Äußeres achten als Männer. Zwei Beispiele:

  • Sarah Palin soll im US-Wahlkampf 2008 nicht nur 150.000 Dollar für Kostüme ausgegeben haben, sondern auch mehr Geld für ihren Stylisten als John McCain für seine politischen Berater.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel musste erst bei Udo Waltz zum Umstyling, bevor sie bei der Wahl richtig abräumen konnte. Haare, Mode, Gesten – alles wurde überarbeitet. (FAZ)

Mehr dazu:

Aber zu gut dürfen Frauen dann doch nicht aussehen: Sarah Wagenknecht oder Marina Weißband würden kaum mehr ernst genommen werden, wenn sie sich sexy im Bikini oder schwitzend beim Hot Yoga ablichten ließen. Familienministerin Manuela Schwesig wurde von Kommentatoren am Anfang ihrer Karriere als "Küstenbarbie" abstempeltet. Jung und schön, ihre Politik war zweitrangig.

Was bei Justin Trudeau gefeiert wird, gilt bei Frauen als irgendetwas zwischen peinlich und nuttig. Das Zeigen extremer Körperlichkeit funktioniert nur bei Männern. Das ist unfair. Das muss man nicht noch zusätzlich unterstützen. Wenn man findet, dass Frauen nicht auf ihr Äußeres reduziert werden sollten, darf man das auch bei Trudeau nicht tun. Zumal man ihn für etwas feiert, was sich ausschließlich Männer erlauben dürfen


Today

Tag 42: Jetzt haben auch die Republikaner eine E-Mail-Affäre

Aus den Fehlern seiner Gegner sollte man eigentlich lernen: Hillary Clinton war für die Benutzung eines privaten Email-Accounts für das Verschicken von sensiblen Informationen von den Republikanern scharf kritisiert worden (bento).