Hätten in den USA nur die Jungen gewählt, dann würde Hillary Clinton jetzt das Land führen. Und trotzdem: Auch unter den 18- bis 30-Jährigen haben viele Donald Trump unterstützt. Wie denken sie jetzt über ihren neuen Präsidenten? Bereuen sie ihre Wahl?

Wir haben mit Studenten aus Washington gesprochen, einige von ihnen lernen an der George Washington University, einer der liberalsten Unis im Land.

Was auffällt: Zwar äußern sich die Studenten mitunter durchaus kritisch über Trump – ihre Pro-Argumente gehen aber nicht wesentlich über das hinaus, was er ihnen im Wahlkampf versprochen hat.

(Bild: Lara Müller)
Hunter Wilson, 18

Ich komme aus einer kleinen Stadt im Bundesstaat New York. Dort haben fast alle Trump gewählt, Washington D.C. hingegen ist sehr liberal und links. Gerade unter jungen Leuten bin ich als Republikaner in dieser Stadt in der Minderheit. Oft diskutiere ich stundenlang über Politik, teilweise bis tief in die Nacht. Häufig werde ich beleidigt, immer muss ich meine Positionen stark verteidigen, aber ich habe das Gefühl: Das stärkt meine Argumentationsfähigkeiten.

Wenn man in den USA etwas Brisantes, Gewagtes sagt, dann bekommt das volle Aufmerksamkeit. Das war der Grund für Trumps Erfolg. Das Dilemma: Viele Bürger in den USA haben Trump ernst genommen, aber nicht wörtlich. Die Medien haben ihn wörtlich genommen, aber nicht ernst. Am Ende lagen wir alle falsch.

Ich bin kein Riesenfan von Trump. Er hat eine Menge schlimme und dumme Dinge gesagt und gefordert – vor und nach der Wahl. Ich bin mir aber sehr sicher, dass Clinton noch viel schlimmer gewesen wäre; vor allem ihre Wirtschaftspolitik. Ich hoffe, in vier Jahren eine bessere Wahl zu haben.

(Bild: Lara Müller)
José Álvarez Gomez, 20

Ich bin Latino, ich bin Jude, und ja verdammt, ich unterstütze Trump. Schon von Anfang an: Ich habe für ihn Wahlkampf in Puerto Rico gemacht. Er erreicht die Leute. Er sagt, was sich viele Politiker lange nicht getraut haben auszusprechen. Das fasziniert mich.

Ich stimme ihm sicher nicht zu 100 Prozent in allem zu. Aber ich vertraue ihm und lasse mich nicht von dem einen oder anderen vielleicht etwas unglücklichen Kommentar irritieren. Ich glaube sowieso, dass das mehr Show ist. Er regt sich öffentlich über die Presse oder möglichen Wahlbetrug auf und alle schauen ihm aufgeregt zu. Gleichzeitig verändern seine Leute Grundlegendes und Wichtiges im Land.

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Meine Uni in Washington D.C. ist eine der liberalsten im gesamten Land. Daher traue ich mich sehr selten zu sagen, wie ich politisch gesinnt bin. Einmal zum Beispiel hat eine Kommilitonin herausgefunden, dass ich Republikaner bin. Sie stellte sich daraufhin vor den gesamten Kurs und nannte mich einen Rassisten. Wie ich als Latino und Jude nur ein Trump-Unterstützer sein könne.

Mich macht so etwas traurig. Denn: Wenn ich so direkt angegriffen werde, können wir nicht vernünftig diskutieren. Dabei wäre Dialog wichtig, um dieses unfassbar gespaltene Land wieder etwas mehr zusammen zu bringen.

Allison Coukos, 20

Für mich war Trump das geringere Übel. Sowohl Clinton als auch Trump hatten gravierende Schwächen – aber Clintons Pläne für unsere Wirtschaft fand ich besorgniserregender als all das, was Trump so von sich gab. Letztlich fühlte es sich aber an wie eine Wahl zwischen Pest oder Cholera.

Viele junge Leute haben einfach keine Perspektive. Wir brauchen Aufschwung, schnell. Ich glaube, Trump schafft das eher als Clinton.

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Auch wenn ich Trump gewählt habe: Ich stimme ihm auf keinen Fall in allen seinen Positionen zu. Wie er sich zum Beispiel über Frauen geäußert hat, fand ich extrem besorgniserregend. Was man ihm zugutehalten muss: Er hält sich an seine Wahlversprechen. Das hat viele überrascht und schockiert, und gleichzeitig viele seiner Wähler bestätigt. Jetzt passiert etwas.

(Bild: Lara Müller)
Michael Postupak, 19

Ich dachte, Trump ändert seine Ausdrucksweise, sobald er Präsident ist. Dachte, er würde diplomatischer, weniger aggressiv. Dahingehend bereue ich es, ihn gewählt zu haben.

In den vergangenen Wochen hat Trump sehr grob mit wichtigen Staatsoberhäuptern geredet – er hat zum Beispiel Australiens und Mexikos Präsidenten verärgert. Wenn ich Trump so reden höre, habe ich Angst um den Frieden in unserer Welt.

Im Wahlkampf hielt ich seine Wortwahl oft für eine Metapher, zum Beispiel die Mauer in Mexiko: So macht er allen Amerikanern klar, dass wir unser Immigrationssystem reformieren müssen, so interpretierte ich es. Jetzt weiß ich: Die Mauer hat er wörtlich gemeint.

Ich bin aber nicht nur unzufrieden: Er setzt direkt und schnell das um, was er versprochen hat. Das zeigt, wie wenig er mit dem politischen Establishment gemein hat.

Ich komme aus einer kleinen Stadt im Bundesstaat New York, in der fast alle für Trump stimmten. Ich bin in einer sehr konservativen Familie groß geworden, meine Eltern sind beide überzeugte Republikaner. Wir haben immer nur Fox News geschaut, dementsprechend war ich von klein auf sehr von diesem Weltbild überzeugt. Mittlerweile schaue ich alle möglichen Sender: BBC, CNN und auch Fox. Ich will meine eigenen Schlüsse ziehen.

Als Trump gewählt wurde, haben Kommilitonen auf dem Campus eine Amerika-Flagge verbrannt und "F*** Trump" an Gebäude geschmiert. Da habe ich mich gar nicht richtig getraut, mich zu freuen. Ich habe von einem Trump-Supporter gelesen, der in seiner Uni zusammengeschlagen worden sein soll. Deswegen weiß außer meinem Mitbewohner kaum einer, dass ich Republikaner bin.

Die Leute hier sind viel politischer als der Durchschnittsamerikaner. Das erklärt auch Trumps Erfolg: Die einfachen Menschen wollen gar nicht so viel Geschwätz. Sie wollen Jobsicherheit und genug Geld, um ab und zu einmal Urlaub zu machen. Das kann Trump ihnen geben.

(Bild: Lara Müller)
Annamarie, 21

Seitdem ich 13 bin, träume ich davon, wählen zu gehen. Meine erste Präsidentenwahl stellte ich mir als richtiges Highlight vor. An der Wahlurne stand ich dann vor einem Dilemma: Den Kandidaten meiner Partei wollte ich nicht wählen, da ich ihm nicht vertraue und ihn für unqualifiziert halte. Aber für Hillary Clinton konnte ich auch nicht stimmen.

Am Ende habe ich gar nicht gewählt. Eine Schande, aber ich wusste nicht, was ich machen sollte.

Seine Kommentare zu Immigranten haben mich verärgert. Ich bin selbst Immigrantin. Außerdem vertraue ich nicht darauf, dass er tatsächlich konservative Werte umsetzt, dass er die Wirtschaft nachhaltig ankurbeln wird. Dann sind da noch Trumps übergriffige Äußerungen gegenüber Frauen. Widerlich.

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Was mir Hoffnung gibt: Ich habe tiefes Vertrauen in unsere Gewaltenteilung und in die Gültigkeit unserer Verfassung. Sein Travel-Ban zum Beispiel wurde ja auch ausgesetzt.

Und trotzdem: Ab und zu überrascht Trump mich positiv. Zum Beispiel war ich auf einer katholischen Schule und bin tief überzeugte Abtreibungs-Gegnerin, deswegen freut mich seine Unterstützung des Pro-Life-Movements.

In solchen Momenten habe ich schon ein paar Mal gedacht: Vielleicht hätte ich ihn doch wählen sollen.

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Twitter war und ist Trumps liebstes Sprachrohr. Was er dort in 140 Zeichen von sich gibt, führt wenig später zu diplomatischen Verwerfungen in Asien oder schwankenden Börsenkursen in Europa. Vieles davon sind grobe Beleidigungen (hier eine Übersicht der "New York Times") oder simple Lügen (hier ein Faktencheck der "Washington Post").


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