Bild: Getty Images/Lior Mizrahi

Am 9. Oktober 2019 beginnt das nächste Mal Jom Kippur, der höchste Feiertag im jüdischen Glauben. Und ob religiös oder säkular– ein Großteil der Juden in Israel und auf der ganzen Welt wird daher von Sonnenuntergang an für 25 Stunden fasten.

Worum geht es bei dem Feiertag? Wie leben ihn junge Juden heute? Und warum gibt es überall Bilder von Gläubigen, die Hühner über ihrem Kopf schwenken? Wir haben die wichtigsten Antworten.

Was genau ist Jom Kippur?

An Jom Kippur feiern Juden die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen

Nach dem jüdischen Neujahr – das wird 2019 am 30. September sein – haben Gläubige zehn Tage Zeit, sich zu ihren Sünden zu bekennen und um Vergebung bei Gott und den Menschen in ihrer Umgebung zu bitten. Jom Kippur beendet diese "Zehn Tage der Umkehr" und ist gleichzeitig der Moment, in dem Gott über das Schicksal jedes einzelnen Gläubigen entscheidet. (BR)

Da sich der jüdische Kalender nach dem Mond richtet, fällt Jom Kippur jedes Jahr auf einen anderen Tag. Der jüdische Tag beginnt nicht nach Mitternacht, sondern bereits nach Sonnenuntergang des vorigen Tages. Jom Kippur startet also nicht am 9. Oktober 2019, sondern schon am Vorabend.

Wie verbringen Juden Jom Kippur?

An Jom Kippur soll jeder einzelne in sich kehren, sich reflektieren, das eigene Verhalten hinterfragen und Gott dadurch näher kommen. Das ist auch der Grund, warum ein Großteil der Juden an diesem Tag streng fastet und weder Nahrung noch Wasser zu sich nimmt.

Duschen, schminken und Sex sind ebenfalls für 25 Stunden tabu – nichts soll den Büßer von seiner Mission ablenken. Als Zeichen der mentalen Reinheit kleiden sich die meisten Gläubigen in weiß und verzichten auf Lederschuhe. (Jüdische Geschichte und Kultur)

Etliche Juden beten zusätzlich bis zu zehn Stunden am Stück in der Synagoge, viele sitzen mit ihren Familien zusammen, andere verbringen den Tag komplett allein. 

Das Fasten brechen die Juden am Ende der 25 Stunden (zu Recht) mit einem regelrechten Futterrausch

Was hat es mit den Hühnern an Jom Kippur auf sich?

Tausenden ultraorthodoxen Juden in Israel ist das Bußgebet nicht genug. Sie zelebrieren zusätzlich das altertümliche und blutige Ritual Kapparot. Am Vortag von Jom Kippur opfern sie Gott ein weißes, gesundes Huhn.

Mit einem speziellen Gebet übertragen sie ihre Sünden symbolisch auf das Tier, schwingen es dreimal über ihren Kopf und schneiden ihm anschließend die Kehle durch. Nach dem Ausbluten wird das Fleisch traditionell an die Armen verteilt. ("Die Zeit")

Wie wichtig ist Jom Kippur für Juden?

In Israel kommt an Jom Kippur das gesamte gesellschaftliche Leben zum Erliegen. Selbst säkulare Metropolen wie Tel Aviv und Haifa gleichen Geisterstädten. Es schließen nicht nur alle Shops, Bars und Restaurants, auch die Grenzübergänge und Flughäfen bleiben dicht. Radio- und Fernsehstationen stellen das Program ein und auf den Straßen und Autobahnen des Landes fährt kein einziges Auto. (goisrael)

In Deutschland hat der Feiertag keine großen Auswirkungen auf die jüdische Community. Viele nehmen sich frei, fasten im Kreis der Familie und besuchen die Synagoge – aber öffentliche Rituale gibt es keine.

Fasten auch säkulare Juden?

In Israel gilt es als gesellschaftlicher Fauxpas an Jom Kippur in der Öffentlichkeit zu essen, zu trinken und Musik zu hören. Zwar scheren sich vor allem junge, säkulare Juden kaum um böse Blicke – das kollektive Fasten ist ihnen trotzdem wichtig.

Zum einen wollen sie sich der Gemeinschaft verbunden fühlen, unabhängig davon, wie oft der Einzelne über das Jahr verteilt die Synagoge besucht. Zum anderen nutzen viele die Stille, um sich unabhängig von der Religion mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. ("Jüdische Allgemeine")

Besonders in Tel Aviv finden viele säkulare Juden einen Kompromiss: Sie fasten, fahren aber gleichzeitig mit dem Fahrrad über die leeren Straßen an den Strand, statt in der Synagoge zu beten.

Auch Muslime fasten. Und zwar so:

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