Bild: dpa/Peter Kneffel
Antworten auf die drei wichtigsten Fragen.


Was ist passiert?

Nach dem Rücktritt von Mesut Özil und der daraus entstandenen Rassismusdebatte kam von den deutschen Nationalspielern erst: nichts. Und dann Kritik – nicht etwa an den vorhandenen Alltagsrassismen, sondern an Özil (bento). Das lange Schweigen der Spieler hat nun Jérôme Boateng als erster deutscher Nationalspieler kritisiert.

"Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben?", fragte Boateng in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Es gehe um einen tollen Spieler, der den deutschen Fußball verändert habe.

Eine Nummer 10 mit Mirgationshintergrund!
Jérôme Boateng über Özils Bedeutung

Worum geht es in dem Streit um Mesut Özil noch mal genau?

Mesut Özil und Ilkay Gündogan hatten sich kurz vor der Abreise zum Trainingslager der Nationalmannschaft mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren lassen. Der regiert die Türkei zunehmend autoritär und lässt unter anderem kritische Journalisten verhaften. Bei einem Sponsoren-Termin überreichten Özil und Gündogan ihm ein Trikot ihrer englischen Vereine. Für das Foto mit dem Autokraten gab es viel Kritik an den Spielern. Özil rechtfertigte sich auch während der WM nicht für das Foto.

Während der  Weltmeisterschaft in Russland vermischte sich die Erdoğan-Affäre immer mehr mit zum Teil wohl auch rassistischen Vorbehalten gegen die Spieler. Vor allem Özil wurde kritisiert und beschimpft. Nach der WM trat Özil zurück, beklagte die rassistischen Beschimpfungen und warf auch DFB-Boss Reinhard Grindel Rassismus vor.

Was hat Jérôme Boateng noch gesagt?

Bemerkenswert ist vor allem Boatengs Erklärungsansatz für das Schweigen der Mitspieler. Der 30-Jährige sagte der SZ:

Anscheinend haben viele sich nicht zu äußern getraut, weil sie gedacht haben, dass das bei den deutschen Fans nicht so gut ankommt.
Jérôme Boateng

Der Satz ist noch deutlich brisanter als Boatengs rhetorische Frage nach der fehlenden Danksagung. Der Verteidiger unterstellt allen Schweigern in der Nationalmannschaft damit indirekt, während der teils rassistischen Anfeindungen gegen Özil  aus Feigheit geschwiegen zu haben. Er glaubt offenbar, dass viele Spieler Özil zumindest für dessen Einsatz danken wollten – es aber aus Angst vor der öffentlichen Meinung nicht taten.

(Bild: dpa/Alex Grimm/Bongarts)

Das ist eine mögliche Erklärung für das Verhalten vieler deutscher Nationalspieler. Die andere: Spieler wie Neuer und Müller schwiegen erst und kritisierten Özil dann, weil sie seine Vorwürfe für Schwachsinn halten und sie den Spieler ganz offensichtlich nicht gegen die rassistischen Kommentare in Schutz nehmen wollten.

Für letztere These spricht zum Beispiel, dass Toni Kroos in Bezug auf Mesut Özils Vorwürfe von einem "hohen Anteil an Quatsch" sprach (bento). Und auch Manuel Neuer hätte gerne, dass nun "wieder" Spieler eingeladen werden, die "wirklich stolz" sind, für das eigene Land zu spielen.

Insofern ist Boatengs Interpretation also noch die wohlwollendere der beiden möglichen. Schmeichelhaft ist sie dennoch nicht.


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