Er möchte sogenannte Konversionstherapien für Homosexuelle verbieten, weiß aber nicht wie; den Pflegenotstand möchte er beenden und fordert, dass Pflegerinnen und Pfleger einfach mehr arbeiten: Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister und Mann der großen Ideen – die oft nicht allzu gut ankommen. 

Kein Problem, Jens Spahn versucht es einfach immer wieder.

Die neue Idee: Leute ohne Kinder sollen mehr als ohnehin schon in die Pflege- und Rentenversicherung einzahlen als Menschen mit Kindern. Aber wieso? Für die Gerechtigkeit, sagt Jens Spahn.

Schließlich basiere auf diesem Prinzip des deutschen Sozialstaates: "Im Umlagesystem bekommen die Alten das Geld von den Jungen – auch, wenn es die Kinder der anderen sind", schreibt Spahn in einem Gastbeitrag für die Zeitungen der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft". Die Rente der Alten besteht aus den Einzahlungen der Jungen. Doch leider gibt es immer mehr alte und immer weniger junge Leute – was den Kostendruck auf letztere erhöht. Das bedeutet, so der Gedanke von Spahn: Wer Kinder bekommt, leistet einen größeren Beitrag zum Erhalt des Systems als Kinderlose.

Und im Umkehrschluss müssen also Menschen, die keine Kinder haben und das System damit nicht unterstützen, stattdessen eben mehr zahlen, um es wieder gut zu machen.

Nur: Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung ist für Kinderlose bereits um 0,25 Prozentpunkte höher als für Versicherte mit Kindern. Und Menschen ohne Kinder sind häufig junge Leute:

(Bild: BMFSFJ )

Sie würden also durch Spahns Plan noch mehr finanziell belastet als ohnehin schon.

Jens Spahn kann sich aber offenbar nicht vorstellen, dass das ein Problem sei. Er sei schließlich "selbst Kinderloser, der bereit ist, finanziell mehr zur Zukunftsfähigkeit des Systems beizutragen". Was Jens Spahn aber vergessen hat, zu erwähnen: Er ist auch Bundestagsabgeordneter, Gesundheitsminister und kratzt nicht an der Armutsgrenze. 

Das mit dem Geld ist bei Spahn aber sowieso eine Sache für sich. Hartz IV bedeute ja schließlich auch nicht "Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut". Was wohl der Hartz IVler an der Armutsgrenze dazu sagen würde?

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Darum stehen heute Abend in vielen Städten Kerzen auf den Straßen
Drei Fragen, drei Antworten

Wenn du heute Abend unterwegs bist, könnte es sein, dass dir Kerzen auffallen, die auf Gehsteigen und vor Hauseingängen stehen. Manchmal liegen auch Blumen daneben. Viele Anwohnerinnen und Anwohner stellen heute Grabkerzen oder Teelichter in kleinen Gläsern nach draußen. Aber nicht irgendwohin – sondern nur an ganz bestimmte Stellen.

Warum stehen in manchen Städten am 9. November Kerzen auf den Straßen?

Heute ist der 9. November an diesem Tag jährt sich die Reichspogromnacht zum achtzigsten Mal. Eine Nacht der Barbarei, in der Juden attackiert, getötet und verschleppt wurden. Deshalb stellen Menschen heute Lichter neben die Stolpersteine im Gehweg, die an diejenigen erinnern sollen, die durch den Nationalsozialismus ihre Wohnungen und Besitztümer, ihre Familien und ihre Leben verloren.

Die Stolpersteine hast du bestimmt schon oft gesehen. Es sind die messingfarbenen Gedenktafeln in Größe und Form eines Pflastersteins, die im Boden neben anderen Steinen verlegt werden. Ursprünglich waren die Steine ein Kunstprojekt. Inzwischen liegen sie überall in Deutschland und 21 weiteren Ländern Europas. (Stolpersteine