Dieses Mal: CDU-Frauen gegen Jenna Behrends

Selten habe ich mich so aufgeregt: Und zwar darüber, wie sich einzelne CDU-Frauen jetzt zu den Sexismus-Vorwürfen der 26-jährigen Kommunalpolitikerin Jenna Behrends äußern. Am Freitag hatte sie in einem offenen Brief Sexismus in der CDU angeprangert – Sexismus, den sie selbst erlebte, der sie verletzte, und der von den beschuldigten Personen bis heute nicht dementiert wurde.

Das schreibt Jenna Behrends in ihrem Brief an die CDU:
"Liebe Partei, ich weiß, du lästerst gerne bei zu viel Bier."
"Aber die junge Frau, die bereit wäre, sich [...] hochzuschlafen, gibt es nur in deiner schmutzigen Fantasie."
"Kannst du dir in deiner kleinen Welt wirklich nicht vorstellen, dass ich als junge Mutter meine Freizeit lieber mit meiner Tochter verbringen würde, als in einer Männerrunde?"
"Ich wollte [einer Freundin] vom Abgeordneten erzählen, der besonders aktiv Gerüchte über meine angeblichen Affären verbreitetet, weil er mich offenbar als Konkurrenz sieht..."
"und vom Senator, der einen Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus vor meiner Nominierung fragte: 'Fickst du die?'."
Auch die Frauenunion kritisiert Jenna: Dort finde man keine Verbündete, sondern nur Konkurrentinnen. "Auch wenn ich mich anfangs mehr am angeblichen Hochschlafen gestört habe..."
"...bin ich mir unschlüssig, ob ich den 'Die-hat-zu-große-Ambitionen'-Vorwurf von einer anderen Frau nicht noch vernichtender finde."
Trotz oder wegen des ganzen Sexismus denkt sich Jenna: "Politik ist zu wichtig, um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen."
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Jetzt wird sie hart dafür angegangen: Nicht nur in den üblichen Kommentarspalten und auf Twitter, sondern ausgerechnet in ihren eigenen Reihen – direkt und persönlich.

Der schlimmste Vorwurf: Jenna Behrends ist wirklich ein Flittchen.

Als Reaktion auf ihren offenen Brief erklären die Kreisvorsitzenden der Frauenunion in Berlin-Mitte, Sandra Cegla, und Zana Ramadani (früher übrigens Femen-Aktivistin) in einer Stellungnahme, dass Behrends eine Affäre mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber habe.

Ob es stimmt oder nicht – vollkommen egal, denn: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Das eine ist das Privatleben einer jungen Frau, die frei entscheiden darf, mit wem sie sich trifft. Das andere ist die traurige Realität in einer Partei, über die angeblich – selbst unter den Frauen – selten offen gesprochen wird.

Was ist los mit euch? Könnt ihr es nicht verkraften, dass eine junge erfolgreiche Newcomerin jetzt Tacheles redet?

Der häufigste Vorwurf: Jenna Behrends geht es nur um Macht und Aufmerksamkeit.

Zana Ramadani sagte dem "Tagesspiegel": "Wir befürchten, es geht schlicht um Machtkämpfe.“ Alexandra Loock-Nester, seit 27 Jahren in der CDU-Basis, spricht von “Selbstüberschätzung“. Sehe man sich die Union an, gebe es viele junge Frauen, die nicht auf Behrends gewartet hätten, um ihre Rechte zu verteidigen. Als ob man sich nur über übergriffige Parteikollegen aufregen dürfte, wenn man vorher die Erlaubnis eingeholt hat.

Ich bin sicher, Behrends hätte einen anderen und einfacheren Weg gewählt, um ihr Anliegen vorzubringen – wäre er im Ansatz so effektiv wie dieser Brief gewesen. Warum sollte sich eine junge, alleinerziehende Mutter freiwillig den ganzen Stress antun, den eine solche Stellungnahme mit sich bringt? Und überhaupt: Wann, liebe Unionsfrauen, ist der richtige Zeitpunkt für einen solchen Brief?

Der absurdeste Vorwurf: Jenna Behrends hat "Vertrauensverhältnisse beschädigt".

Auch dieser Vorwurf stammt von der Kreisvorsitzenden Cegla. Mit "Vertrauensverhältnissen“ meint die Unionsfrau wohl eine "Schweigepflicht" über Dinge, die unbequem sind. Sie hätte sich gewünscht, Behrends wäre erst einmal den internen Weg gegangen, schreibt sie. Wie erfolgreich dieser Weg ohne öffentlichen Druck gewesen wäre – das schreibt sie allerdings nicht.

Was mich an der Sache auch aufregt, ist dieser Reflex: Anstatt über das angesprochene Problem zu sprechen, packen die Kritikerinnen die drei Standard-Diskreditierungs-Keulen aus: Sie ist tatsächlich ein Flittchen. Sie ist machtgeil und will sich nur profilieren. Sie ist eine Nestbeschmutzerin.

Abwiegeln ist manchmal eben das Bequemste. Das Richtige wäre aber: Wenn Frauen endlich mal zusammenhalten würden. Das würde nicht nur der CDU guttun, sondern uns allen.


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