Es ist ein vergessener Krieg: Obwohl im Jemen seit bald zwei Jahren der Bürgerkrieg tobt und das Land seit mehr als einem Jahr von mehreren arabischen Staaten aus der Luft bombardiert wird, findet das Schicksal der Jemeniten kaum Beachtung. Zumindest auf Social Media werben Jemeniten verzweifelt für die Situation in ihrem Land.

In drei Sätzen: Was passiert im Jemenkrieg?

Nach dem Arabischen Frühling 2011 erlebte der Jemen wie viele andere arabische Länder auch einen Umsturz, die neue Regierung konnte jedoch die Bevölkerung kaum überzeugen. Im Spätsommer 2014 besetzten schiitische Rebellen aus dem Norden, die Huthis, die Hauptstadt Sanaa. Das benachbarte Saudi-Arabien wollte die Unruhen an der Grenze nicht hinnehmen: Seit etwas mehr als einem Jahr bombardiert es den Jemen. (BBC)

Etwas genauer: Der Konflikt im Jemen in der Fotostrecke
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Warum ist die Aufmerksamkeit so gering?

Im ersten Jahr der saudischen Intervention kamen nach Angaben der Uno mehr als 3000 Zivilisten ums Leben, weitere 5000 Menschen wurden verletzt. Allein bis Ende vergangenen Jahres seien zudem rund 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht. (Uno I, Uno II)

Trotzdem sind die Konflikte in Syrien und Libyen für die Weltöffentlichkeit interessanter. Jemen gilt als Armenhaus des Nahen Ostens, das Land hat nur im Norden einige Ölvorkommen (wo die meisten der schiitischen Rebellen leben). Auch sind vom Jemen kaum Flüchtlinge zu erwarten – der Weg gen Europa ist zu lang und beschwerlich. Viele betrachten den Konflikt daher vor allem als Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und Iran, der als Unterstützer der Rebellen angesehen wird.

Auch kommen kaum verlässliche Informationen aus dem Jemen: Die Medien sind weitestgehend ausgeschaltet, nur ein Fünftel der Bevölkerung hat Zugang zum Internet (Economy Watch). Als Saudi-Arabien seine Luftangriffe begann, hätten Jemeniten Freunde im Ausland anrufen müssen, um zu wissen, wer da über ihren Köpfen fliegt, berichtet die Journalistin Sara Ishaq.

Drei Social-Media-Aktionen, die auf den Krieg aufmerksam machen

Diejenigen Jemeniten, die Zugang zum Netz haben, versuchen mit verschiedenen Aktionen, die Lage im Jemenkrieg abzubilden. Und auch Saudi-Arabien will sein Bild vom Krieg verbreiten.

1. Die Tiere von Taiz

Taiz ist eine Universitätsstadt im Frontgebiet zwischen Nord und Süd. Sie wird von den Huthi-Rebellen belagert und ist hart umkämpft. ("The Guardian") Bewohner haben im Februar Bilder veröffentlicht, die zeigen, wie es dem Zoo von Taiz in dieser Lage geht. Ein Leopard fraß aus Hunger seinen Käfiggenossen:

Die Löwen sind abgemagert und haben zum Teil offene Scheuerwunden:

Einige nutzen die Aktion aus Zynismus – weil sich ja keiner für die Situation der Kinder interesse.

2. Der Snapchat-Held aus Riad
(Bild: Snapchat/Majid al-Sabah)

Majid al-Sabah ist im arabischen Raum ein populärer Social-Media-Aktivist, Zehntausende folgen ihm auf Twitter und Snapchat. Saudi-Arabien lud ihn daher in seine Kommandozentren und an die Front in den Jemen ein (Arab News). Es folgten Feel-Good-Fotos vom Krieg.

Auch andere Instagramer und Twitter sprangen auf; besonders beliebt sind heroische Fotos der Spezialeinheiten.

Saudi-Arabien wird von unabhängigen Beobachtern scharf kritisiert: Menschen hungern und fliehen, Tausende Zivilisten sind gestorben. Das Königreich selbst hat keine richtige Strategie, wie es im Jemen kämpfen soll. Gerade deshalb versucht es, mit starken Bildern Erfolge zu inszenieren.

3. Tage zählen auf Twitter

Immer wieder versuchten Aktivisten, mit Hashtags wie #300DaysOfWar oder #10MonthsOfWar – oder gleich #ForgottenWar – auf sich aufmerksam zu machen.

Bilder von zerstörten Schulen wurden geteilt, aber auch Fotos von Kinderleichen oder zerfetzten Körpern.

Die jemenitische Bevölkerung hat in dem Krieg kaum Chance auf Einfluss: Sie ist zum Spielball zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und sunnitischen Extremisten geworden, zwischen den saudischen Streitkräften und der jemenitischen Restarmee.

Wie wir über andere Konflikte im Nahen Osten berichten:


Trip

Bier, Schlümpfe und H-Milch: Ein Hoch auf die Berliner Späti-Kultur

Spätis sind ein elementarer Bestandteil des Berliner Alltags, sei es für ein letztes Bier an einem Samstagmorgen oder einen Blumenstrauß für Oma an einem Sonntag. Was für Außenstehende wie ein überteuerter Minimarkt wirkt, ist für viele Berliner der Start in ein gutes Wochenende. Und ein Ort, an dem man immer wieder lustige, schöne und absurde Dinge erlebt.

Ein Kumpel von mir wurde neulich in einem Späti an der Warschauer Straße von einem bärtigen Mann in Unterhose bedient. Eine Touristin pikierte sich über die Freizügigkeit des Verkäufers: Irgendwas von "respektlos dem Kunden gegenüber" tuschelte sie ihrer Freundin zu. Der Verkäufer erwiderte: "Ihr müsst ja nicht so auf meinen Astralkörper gaffen." Die Frauen wurden rot und bezahlten zügig ihren portugiesischen Rotwein.