Bild: dpa/Mohammed Mohammed
Vier Zahlen zum traurigen Krieg – und was Deutschland nun ändern will.

Seit bald vier Jahren bekriegen sich im Jemen Soldaten und Rebellen, das Nachbarland Saudi-Arabien bombardiert aus der Luft. Schlimmer noch: Saudi-Arabien hat mit anderen arabischen Staaten eine Seeblockade verhängt, Hilfsgüter und Lebensmittel können das bettelarme Land so nicht erreichen.

Schon seit Jahren leiden die Menschen im Jemen unter Hunger – nun hat die Uno neue Zahlen veröffentlicht, die zeigen, wie ernst es wirklich ist.

  1. Mehr als 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder sind nicht in der Lage, an ausreichend Lebensmittel zu kommen. Das wäre so, als ob jeder vierte Deutsche nichts zu essen hätte.
  2. 240.000 Menschen werden von der Uno in der höchsten Kategorie eingestuft – ihnen fehlt ausreichend Wasser, sie leiden eine aktue Hungersnot. Das entspricht der Einwohnerzahl von Freiburg oder Magdeburg.
  3. Hundertausende Kinder sind lebensbedrohlich mangelernährt – laut Unicef stirbt alle zehn Minuten ein Kind.
  4. 6700 Kinder und Jugendliche wurden seit März 2015, seit Beginn des Krieges, getötet.

Der jemenitische Bürgerkrieg

Der Jemen war einst zweigeteilt wie Deutschland. 1990 übernahm der Norden den sozialistischen Süden – ein Bürgerkrieg brach aus. Von der Spaltung hat sich das Land nie ganz erholt, im Arabischen Frühling 2011 kam es erneut zum Chaos.

Die neue Regierung wurde von schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes vertrieben, im Osten machte sich die sunnitische Terrororganisation Al-Qaida breit. Seit März 2015 bombardiert das Nachbarland Saudi-Arabien den Jemen und will die Anhänger der alten Regierung unterstützen. Laut Menschenrechtlern treffen die Bomben vor allem Zivilisten. Die Uno beschreibt den Krieg im Jemen als derzeit größte humanitäre Katastrophe der Welt.

Mehr zum Jemen auf bento.

Wer ist am Krieg im Jemen beteiligt?

Am Anfang waren es Regierungstruppen und Rebellen, außerdem die islamistische Terrorgruppe Al-Qaida, die sich in dem Chaos ausbreitete. Seit 2015 mischt aber auch eine Koalition mehrerer arabischer Staaten mit.

Angeführt wird diese Koalition von Saudi-Arabien, der Krieg gilt als erstes großes politisches Projekt vom jungen saudischen Thronfolger Muhammad bin Salman, genannt "MbS". Salman gilt als heimlicher Herrscher im konservativen Königreich, er kontrolliert die Armee und die Geheimdienste, verfolgt Oppositionelle und soll sogar Kritiker verschwinden lassen. Ihm wird vorgeworfen, den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi befohlen zu haben. (bento)

Den Angriff auf den Jemen hatte "MbS" einst als kurze Operation bezeichnet, mittlerweile bombardiert Saudi-Arabien den Nachbarstaat seit über drei Jahren. Die Waffen dafür kommen unter anderem aus Großbritannien, über Umwege auch von deutschen Firmen. Gerade hat Deutschland ein Exportverbot verhängt, es soll aber nur zwei Monate gelten.

Was muss passieren, damit sich die Lage im Jemen bessert?

Der Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sagt über den Jemen:

Es ist beschämend: Nicht einmal die Hälfte des Hilfsbedarfs ist gedeckt.

Damit Hilfsgüter ankommen, müssten Blockaden aufgehoben werden, die vor allem Saudi-Arabien aufrecht erhält. Deutschland will 2,5 Millionen Euro bereitstellen, damit der Jemen wieder auf die Beine kommt –  und weitere zwei Millionen Euro für das kommende Jahr zusagen. 

Im Februar soll es eine Spenderkonferenz geben, auf der Staaten aus aller Welt Hilfe für den Jemen zusammen wollen. Was aber noch mehr helfen würde: Statt nur Spenden und Lebensmittel zuzusagen, sollten vor allem erst mal die Waffenexporte eingestellt werden. 


Today

Falsche Werbung: Jetzt hängen in Berlin fake Anti-AfD-Plakate von Nutella
"Lieber braun aufs Brot als braun im Kopf"

Letzte Woche Coca Cola, jetzt Nutella: In Berlin ist wieder ein nachgemachtes Werbeplakat aufgetaucht. Mit den Worten "Lieber braun auf's Brot als braun im Kopf" wirbt das Plakat gegen "Rassismus, Intoleranz und die rechte Hetze der AfD".

Ist das Plakat echt?

Auf Anfrage von bento betonte Ferrero, zu dem Nutella gehört, dass das Plakat nicht von der Firma aufgehängt wurde. Ähnlich wie bei der Guerilla-Aktion in der vergangenen Woche, bei der ein Plakat von Coca Cola als Werbung gegen die AfD verwendet wurde, ist auch diesmal nicht bekannt, wer für das Nutella-Plakat verantwortlich ist.

Die Facebook-Seite "Stay Behind Foundation" teilt das falsche Nutella-Plakat. Hinter der Seite steht laut "Horizont" die Initiative "Hooligans gegen Satzbau", die sich im Netz gegen Rechtsextremismus einsetzt.