Bild: Yahya Arhab/dpa

Im Jemen herrscht seit bald drei Jahren ein schrecklicher Krieg. Im Land im Süden der Arabischen Halbinsel kämpfen seit 2014 verfeindete Milizen gegeneinander. 

Wenig später begannen mehrere arabische Länder unter Führung Saudi-Arabiens den Jemen zu bombardieren. Die Uno warnt mittlerweile vor der "größten humanitären Katastrophe der Welt". (Mehr zum Konflikt)

Was die Uno jedoch nicht tut: Kriegsführer Saudi-Arabien deutlich zu kritisieren.

Am Dienstag veröffentlichte der Uno-Menschenrechtsrat einen neuen Bericht, der auf die schreckliche Lage im Jemen aufmerksam machen will. Er listet Kriegstote auf, warnt vor dem Einsatz von Kindersoldaten. Die Tragödie im Jemen sei "komplett vom Menschen gemacht".

Aber: Im Bericht wird Saudi-Arabien nicht einmal namentlich erwähnt. Stattdessen fällt der Name "Koalition". 

Dabei gab es vor zwei Wochen noch einen Entwurf, der das Land deutlich anklagen wollte: als Kindermörder.

Das steht im aktuellen Bericht:

Seit März 2015 wurden mehr als 5100 Zivilisten getötet, davon fast 1200 Kinder.
Mehr als 3200 Zivilisten sollen auf das Konto der "Koalition" gehen, damit ist das von Saudi-Arabien angeführte Bündnis gemeint.
Im Krieg seien Hunderte Kinder als Soldaten rekrutiert, mehr als 1700 Fälle wurden gezählt.
Menschenrechtler hätten häufig Zehnjährige beobachtet, die mit Waffen an Kontrollpunkten patrouillieren.
Für rund zwei Drittel der Rekrutierungen seien die im Land kämpfenden Huthi-Rebellen verantwortlich. Diese werden vom Iran unterstützt.
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Das heißt: Saudi-Arabien ist für eine Vielzahl ziviler Toter im Jemen verantwortlich. Und die Uno benennt das auch – indirekt.

Ein früherer Entwurf des Berichts soll aber noch deutlicher gewesen sein. 

Demnach stand in der ursprünglichen Fassung, die der Nachrichtenagentur Reuters und Al-Jazeera vorlag, dass Saudi-Arabien im vergangenen Jahr für mehr als die Hälfte aller Kindstode im Jemen verantwortlich sei. Die Zahl sei "unverantwortlich hoch".

Laut "Foreign Policy" sollte Saudi-Arabien gar auf eine Schwarze Liste von Ländern gesetzt werden, "die Kinder töten und verstümmeln".

Aber Saudi-Arabien taucht nun doch nicht auf der Schwarzen Liste auf – wie auch im vergangenen Jahr.

Auch damals empfahl ein Uno-Bericht, das Land auf die Kindermörder-Liste zu setzen. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon strich das Königreich jedoch kurzerhand wieder. 

Saudi-Arabien soll die Vereinten Nationen erpresst haben, Fördergelder für Hilfsprogramme abzuziehen. Die saudische Regierung bestreitet das. (New York Times)

In diesem Jahr könnte es ähnlich gelaufen sein. Es gebe keine Grundlagen, Saudi-Arabien auf die Liste zu setzen, sagte der saudische Uno-Vertreter vorab: "Wir vertrauen darauf, dass die Uno die richtige Entscheidung trifft." (Al-Jazeera)

Genau das scheint jetzt passiert zu sein, leider.

So schlimm ist die Lage im Jemen:

In den vergangenen drei Monaten wurden mehr als 360.000 Cholera-Verdachtsfälle registriert – und fast 2000 Todesfälle. (Oxfam)
Mehr als 20 Millionen Menschen im Jemen brauchen dringend Hilfe, darunter zehn Millionen Kinder (Save the Children).
Insgesamt sind sieben Millionen Jemeniten von einer akuten Hungersnot bedroht.
Etwa 5000 Kinder sind im Krieg bereits ums Leben gekommen, alle zehn Minuten stirbt laut der Uno ein Kind unter 5 Jahren.
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Der Konflikt ähnelt dem Bürgerkrieg in Syrien: Lokale Milizen kämpfen gegeneinander, fremde Staaten mischen sich ein. Vor allem Iran und Saudi-Arabien versuchen, aus dem Krieg einen religiösen Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten zu machen. Die Zivilbevölkerung leidet unter den Kämpfen am meisten. 

Aber: Nur wenigen Familien aus dem Jemen gelingt die Flucht. Das Land ist von Meer und Wüste umschlossen. Ohne Flüchtlinge bleibt die Tragödie für viele lautlos – sie wird bereis der "vergessene Krieg" genannt.


Gerechtigkeit

Jemand will Wählerstimmen an Flüchtlinge vermitteln. Es riecht nach Fake
Aber rechte Seiten regen sich trotzdem schon auf.

Es gibt Deutsche, die nicht wählen gehen wollen. Und es gibt Menschen in Deutschland, die gerne wählen würden – Flüchtlinge und hier lebende Ausländer zum Beispiel. Also schlägt das angebliche Start-up VoteBuddy einen Tausch vor und erklärt genau das zum Geschäftsmodell: Auf der eigenen Website vermittelt VoteBuddy Nichtwähler an Nichtwählendürfer. 

Die Praxis ist illegal. Wer seine Stimme überträgt, betreibt Wahlfälschung. Die Macher wissen das auch selbst. Deshalb hätten sie ihren Geschäftssitz nach New York verlegt, schreiben sie auf der Homepage.

Rechte Blogs und Nutzer regen sich prompt über die Stimmvergabe an Flüchtlinge auf. Dabei scheint die Seite gar nicht echt zu sein.