Bild: dpa/Hani Mohammed
Was eine neue Zahl über verhungerte Kinder über die Lage im Jemen verrät.

Mindestens 84.701 Kinder werden ihren fünften Geburtstag nicht erleben. So viele sind im Jemen in den vergangenen dreieinhalb Jahren nach einer "konservativen" – also vorsichtigen – Schätzung allein am Hunger gestorben. Das hat die Organisation "Save the Children"  errechnet. (AP)

Die Kinder wurden Opfer eines schrecklichen Krieges. Nahrungsmittel und Hilfsgüter gelangen kaum in das abgeschnittene Land, die Zahl verhungerter Kinder könnte noch deutlich höher liegen. 

In Hamburg werden im Schnitt 25.000 Kinder pro Jahr geboren. Wäre Hamburg der Jemen, wäre es so, als ob jedes Neugeborene seit 2015 nicht mehr am Leben wäre.

In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel tobt seit Anfang 2015 ein Bürgerkrieg. Viele Menschen sind von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Schon Ende 2017 warnte die UN: Dem Jemen droht die größte Hungerkatastrophe der Welt, schlimmer noch, als wir es aus afrikanischen und asiatischen Ländern kennen:

Doch geschehen ist seither kaum etwas.

Was ist im Jemen los?

Der jemenitische Bürgerkrieg

Der Jemen war einst zweigeteilt wie Deutschland. 1990 übernahm der Norden den sozialistischen Süden – ein Bürgerkrieg brach aus. Von der Spaltung hat sich das Land nie ganz erholt, im Arabischen Frühling 2011 kam es erneut zum Chaos.

Die neue Regierung wurde von schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes vertrieben, im Osten macht sich die sunnitische Terrororganisation Al-Qaida breit. Seit März 2015 bombardiert zudem das Nachbarland Saudi-Arabien den Jemen. Laut Menschenrechtlern treffen die Bomben vor allem Zivilisten. Mehr zum Jemen auf bento.

Wer ist am Krieg im Jemen beteiligt?

Am Anfang waren es Regierungstruppen und Rebellen, außerdem die islamistische Terrorgruppe Al-Qaida, die sich in dem Chaos ausbreitete. Seit 2015 mischt aber auch eine Koalition mehrerer arabischer Staaten mit.

Angeführt wird diese Koalition von Saudi-Arabien, der Krieg gilt als erstes großes politisches Projekt vom jungen saudischen Thronfolger Muhammad bin Salman, genannt "MbS". Salman gilt als heimlicher Herrscher im konservativen Königreich, er kontrolliert die Armee und die Geheimdienste, verfolgt Oppositionelle und soll sogar Kritiker verschwinden lassen. Ihm wird vorgeworfen, den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi befohlen zu haben. (bento)

Den Angriff auf den Jemen hatte "MbS" einst als kurze Operation bezeichnet, mittlerweile bombardiert Saudi-Arabien den Nachbarstaat seit über drei Jahren. Die Waffen dafür kommen unter anderem aus Großbritannien, über Umwege auch von deutschen Firmen. Gerade hat Deutschland ein Exportverbot verhängt, es soll aber nur zwei Monate gelten.

Warum hungern so viele Kinder im Land?

Das liegt an einer Blockade, die Saudi-Arabien gemeinsam mit anderen arabischen Ländern verhängt hat. Sie haben die Grenzen zum Jemen geschlossen, Schiffe sperren die Häfen. Saudi-Arabien nimmt so das ganze Land als Geisel. Hilfslieferungen kommen nicht an, im kargen Wüstenland selbst kann nur wenig angebaut werden.

Die Jemeniten selbst haben kaum die Möglichkeit, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen: Wenige können der Blockade fliehen, auch sonst ist der Jemen nur von Wüste und Wasser umgeben. Und im Netz gibt es auch kaum Aktivisten; das Land ist zu zerstört, um über Social Media oder andere Kampagnen für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Wie geht es weiter?

Die USA wollten Saudi-Arabien kurzzeitig zu einem Ende der Kampfhandlungen im Jemen drängen. Mittlerweile ist es wieder ruhig geworden, zu viel liegt US-Präsident Donald Trump an den Gewinnen durch Waffenverkäufe nach Saudi-Arabien.

Selbst, wenn es bald zu einem Ende des Krieges kommen sollte, ist es ein langer Weg hinaus aus der humanitären Katastrophe, sagt Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere. Das Land benötige einen umfassenden Wiederaufbau. Der Krieg verstärke lediglich die ohnehin schon schlimme Situation nach Jahren der Unterentwicklung.




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Frau muss Knöllchen zahlen, weil ihre Parkscheibe pink ist
Zwei Fragen, zwei Antworten

Wer in deutschen Innenstädten einen Parkplatz findet, der nichts kostet, hat schon einmal Glück gehabt. Dafür wird meistens eine Parkscheibe verlangt, um zu sehen, wann der Fahrer wieder an seinem Auto sein wird. Wer sie vergisst, bekommt einen Strafzettel – fair enough. In Sankt Augustin hat eine Frau nun aber ein Knöllchen bekommen, obwohl sie eine Parkscheibe hatte – nur wegen der Farbe.

Was war da los?

Obwohl die Parkscheibe gut sichtbar hinter der Frontschutzscheibe lag und die Parkdauer nicht überschritten war, bekam die Frau eine Strafe. Der Grund: Ihre Parkscheibe war nicht blau, wie die meisten, sondern in einem schrillen Pinkton gefärbt.