Böhmermann geht gerne mal unter die Gürtellinie.

Nach all dem Wirrwarr um Böhmermanns Erdogan-Gedicht fragen wir uns: Was denken eigentlich junge Deutsch-Türken? Wir haben nachgefragt, ob sie sich von dem Böhmermann Gedicht beleidigt fühlen und was sie über Erdogans Verhalten denken.

Resul ist 22 Jahre alt und macht ein duales Studium in Dortmund. Er findet, dass die türkische Regierung keinen Sinn für Satire hat.

Einige der Verse in dem Schmähgedicht waren schon leicht rassistisch. Aber ich habe das nicht auf mich bezogen oder auf die Kultur, aus der ich ursprünglich stamme. Für mich war das einfach ein Schmähgedicht über Erdogan. Über einige Verse musste ich schmunzeln.

Die ganze Aktion hat etwas Charmantes, aber auch gleichzeitig etwas Geschmackloses. Aber das bringt Satire mit sich. Das kennt man von Böhmermann auch nicht anderes. Er geht gerne mal unter die Gürtellinie. Man darf sich deshalb nicht angegriffen fühlen. Dennoch glaube ich, dass auch andere Staatsoberhäupter Anzeige erstattet hätten. Man muss beachten: Böhmermann wollte mit der Schmähkritik genauso eine Debatte anfangen.

Es scheint, als ob die türkische Regierung keinen Sinn für Satire hat. Merkel sollte darauf achten, dass die außenpolitischen Beziehungen nicht aufgrund eines Gedichtes belastet werden. Sie muss sich diplomatisch verhalten. Trotzdem sollte Merkel hinter unseren Werten wie Meinungsfreiheit stehen.

Tugba ist 19 Jahre alt und Studentin. Sie findet, dass Erdogan über dem Ganzen stehen müsste.

Das Schmähgedicht von Böhmermann handelt von dem Präsidenten der Türkei. Es ist also nicht irgendeine Person, sondern das Staatsoberhaupt. Erdogan muss trotzdem damit rechnen, dass es immer Leute gibt, die gegen ihn und seine Politik sind.

„Ein Gedicht sollte nicht die politischen Beziehungen und somit die Flüchtlingspolitik und das Handelsabkommen gefährden.“

Ich persönlich fühle mich von dem Gedicht nicht angegriffen, aber ich finde es auch nicht lustig. Trotzdem gibt es bestimmt Leute, denen es anders geht. So ist das eben mit Satire. Da sollte man als Präsident drüber stehen können, weil es immer Kritik geben wird. Ich finde das Vorgehen von Erdogan deswegen übertrieben.

Aber Böhmermann sollte weiterhin seine Show machen und Erdogan Politik. Ein Gedicht sollte nicht die politischen Beziehungen und somit die Flüchtlingspolitik und das Handelsabkommen gefährden.

Ahmet ist 21 Jahre alt und macht zur Zeit einen Bundesfreiwilligendienst. Er findet, dass man die Sache mit Humor nehmen müsse.

Ich persönlich fühle mich nicht von Böhmermanns Gedicht angegriffen, weil ich das mit Humor nehme. Klar sind einige Sachen krass. An einigen Stellen in dem Gedicht hat Böhmermann zum Beispiel alle Türken über einem Kamm geschert. Deswegen kann ich verstehen, wenn jemand anders denkt als ich.

Dass Satire unter die Gürtellinie geht, gehört für mich dazu. Trotzdem hätte Böhmermann beachten müssen, dass die Beziehungen mit der Türkei gefährdet werden könnten. Erdogans Reaktion ist aber echt übertrieben. Nur weil er ein Staatsoberhaupt ist, muss er nicht direkt beleidigt sein und rechtlich gegen Böhmermann vorgehen.

Studentin Betül ist 22 Jahre alt und glaubt nicht, dass die politischen Beziehungen zur Türkei gefährdet sind.

Ich finde das Gedicht von Böhmermann nicht lustig. Denn meiner Meinung nach sollte Satire kritisch sein, aber nicht krass beleidigend. Ich fühle mich aber dennoch nicht davon persönlich angegriffen, weil ich in Deutschland lebe und Erdogan nicht unser Staatsoberhaupt ist.

„Erdogan hat das Recht dazu.“

Erdogans Verhalten, also dass er rechtlich gegen Böhrmermann vorgeht, finde ich gut. Er hat das Recht dazu. Außerdem gibt es in Deutschland das Gesetz, dass ausländische Staatsoberhäupter nicht einfach so angegriffen werden dürfen.

Trotzdem sollten die Beziehungen mit der Türkei nicht wegen eines Gedichts gefährdet werden. Merkel sollte darauf achten. Ich persönlich denke auch nicht, dass es zu einem Bruch kommen wird. In Deutschland leben eben auch sehr viele türkische Migranten.

Fotostrecke: Immer dieser Böhmermann
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Ayse-Beyza ist 18 Jahre alt, macht gerade ihr Abitur und sagt: "Satire darf nicht alles."

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen – deswegen kann ich mich nicht wirklich mit den türkischen Präsidenten identifizieren. Aber ich kann die Reaktion von Erdogan nachvollziehen.

Nehmen wir dieses Beispiel: Wenn mich einfach jemand auf der Straße anhalten, beleidigen und danach das Ganze als "Kunst" betiteln würde, dann wäre das nicht in Ordnung. Dann würde ich wohl kaum lachen. Das ist meiner Meinung nach keine erlaubte Satire mehr und ist weit weg von künstlerischer Freiheit. Außerdem hat fast die Hälfte der Menschen in der Türkei den Präsidenten gewählt, und diese Bürger haben sicherlich einen ganz anderen Humor.

Ich bin aber positiv überrascht von Merkels Verhalten. Sie will die Beziehungen zu der Türkei nicht zerstören, das kann ich auch verstehen. Kurt Tucholsky hatte unrecht: Satire darf nicht alles!


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