Bild: dpa/ Rolf Vennenbernd

Polizeischutz, abgesagte Sendungen und jetzt auch noch die Entscheidung von Angela Merkel: Die Kanzlerin lässt ein Verfahren gegen Jan Böhmermann zu. Zunächst klingt das nach einer schweren Niederlage für den Komiker, tatsächlich aber könnte Merkels Erklärung den bisher größten Erfolg in der Karriere von Jan Böhmermann einleiten.

Klar, Böhmermann ist die Sache über den Kopf gewachsen.

Er selbst ist abgetaucht, will nun erst Mal das Land verlassen und eine kleine Fernsehpause einlegen (mehr dazu bei bento). Das ZDF eiert herum, hat das Schmähgedicht gelöscht. Irritierend ist auch Böhmermanns Twitter-Nachricht, die er nach SPIEGEL-Informationen an Kanzleramtsminister Altmaier gesendet hat (SPIEGEL ONLINE). In ihr bat er offenbar um den Beistand der Bundesregierung, die Nachricht entspricht nicht seinem sonst so rauflustigen Stil. Die Lust an der Provokation, so scheint es, ist Böhmermann vergangen.

Trotzdem sind Böhmermanns Gedicht und die Reaktionen darauf die gelungenste Satire seit Langem.
Aus der theoretischen Lektion in Sachen Kunstfreiheit wird gerade eine praktische.

Böhmermann schwingt nicht die feine Klinge eines traditionellen Satirikers. Seine aufwändig produzierten Videos sind stets eine Mischung aus politischer Aktionskunst mit klarer Haltung und beißender Selbstironie. Die Reaktionen der realen Welt sind einkalkuliert, sind Teil des Spiels – wie beim #Varoufake. Alles, was Erdogan nun versucht, hat Böhmermann in seiner Moderation vorausgesagt, selbst den Gang durch die juristischen Instanzen. Böhmermann mag nicht erwartet haben, dass es tatsächlich dazu kommt, dennoch wird aus der theoretischen Lektion in Sachen Kunstfreiheit gerade eine praktische.

1/12

Das wichtigste aber: Jan Böhmermann und seine Mitarbeiter haben es jetzt schon so gut wie geschafft, den Paragrafen 103 aus dem Strafgesetzbuch streichen zu lassen. Er sorgt dafür, dass die "Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten" besonders hart bestraft werden kann, früher nannte man das Majestätsbeleidigung (mehr dazu bei bento). Der Paragraf ist veraltet und entspricht nicht mehr unseren heutigen demokratischen Werten. Das hat nun auch Angela Merkel erkannt – dank Böhmermann.

Damit aus der Niederlage doch noch ein Erfolg werden kann, muss Böhmermann natürlich vor Gericht freigesprochen werden, sonst wäre auch Merkels Gesetzesänderung nichts wert. Die Mehrheit der Experten rechnet nicht mit einer Verurteilung.

Vor ein paar Monaten moderierte Böhmermann noch im Spartenkanal ZDFneo. Sollte er wirklich freigesprochen werden, hätte ausgerechnet er Erdogan die Stirn geboten und das juristische Einfallstor für beleidigte Autokraten geschlossen – was für ein Erfolg für Böhmermann, was für ein Sieg der Satire. Zu wünschen ist es ihm.

Die Ereignisse der letzten Tage auf einen Blick:

Musik

"Rihanna, du bist die tollste Frau, die ich jemals kennenlernen durfte!"
Wenn Drake Liebeserklärungen macht.

Dass die Chemie zwischen den beiden Superstars Drake und Rihanna immer noch stimmt, davon konnte man sich schon bei näherem Hinsehen im Video zu "Work" überzeugen.