Bild: Neo Magazin Royale
Mal aus Versehen eine Bürgerrechtsbewegung gründen.

Wenn Jan Böhmermann irgendwo auf einem Bildschirm erscheint, ist ihm ein großes Publikum fast sicher. Ob Verafake, Rap-Videos als Polizistensohn oder Streit mit dem türkischen Staatspräsidenten: Böhmermann liefert. Sein neuester Öffentlichkeitsstunt klingt kaum weniger spektakulär: Eine "Bürgerrechtsbewegung" mit 44.000 Mitgliedern. 

Versehentlich, wie Böhmermann sagt.

Auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin konnte er damit problemlos die größte Halle an ihre Kapazitätsgrenzen bringen – auch wenn er nur per Skype in den leicht nach Kaffee und Schweiß riechenden Saal zugeschaltet war. Minutenlang leuchteten Handydisplays in der dunklen Konferenzhalle, während der Moderator auf einer gigantischen Leinwand seine neue Bewegung vorstellte.

Ihren Ursprung hat die Aktion in der vergangenen "Neo Magazin Royale"-Folge (bento). Dort stellte Böhmermann die viel diskutierte funk-Doku "Lösch dich" vor. In ihr erklären Youtuber wie Rayk Anders, wie Trolle und Rechte mithilfe von Gamer-Chatforen im Netz den Hass gezielt anstacheln und organisieren.

Kurz darauf verkündete Böhmermann unter dem Stichwort #ReconquistaInternet den Start seiner eigenen "Love-Armee" gegen den Hass – im Stahlhelm. Dem Aufruf folgten innerhalb weniger Stunden zehntausende Zuschauer. 

Auf der re:publica erzählte Böhmermann jetzt zum ersten Mal, wie groß die Bewegung inzwischen wirklich ist:

Wir haben aus Versehen eine Bürgerrechtsbewegung ins Leben gerufen.
Jan Böhmermann

Ursprünglich seien es sogar rund 51.000 Mitglieder gewesen, nach einigen "Serverproblemen" wachse die Gruppe jetzt wieder in diese Richtung. Genau wie bei der rechten Troll-Bewegung "Reconquista Germania" treffen sich die Mitglieder in einem Gruppenchat der Gaming-Plattform Discord. Als Armee will Böhmermann die Gruppe nicht verstanden wissen: "Das erinnert an vor 80 Jahren."

Doch warum der Aufwand? Ist Aufmerksamkeit nicht das, wonach Trolle und Rechtsradikale sich sehnen? In der Diskussion mit den Machern der "Lösch dich"-Doku sieht Böhmermann das anders und fragt zurück: "Was ist denn sonst für Lösung? Ist von rechts überhaupt eine Debatte gewollt?"

Böhmermann via Skype auf der re:publica(Bild: Jan Petter)

Überhaupt bewegt ihn das Thema. Zwischen demonstrativem Nase-Popeln auf großer Leinwand und Scherzen über Mansplainung zeigt Böhmermann in der Diskussion immer wieder, wie ernst ihm die Sache ist. Wenn in einer Demokratie das Wort "Systemling" zur Beleidigung werden, gelte es gegenzuhalten.

Wir leben in der freiesten Demokratie, die es auf diesem Fleckchen mitteleuropäischer Erde bislang wahrscheinlich gab.
Jan Böhmermann

Über die geplanten Aktionen der Anti-Hass-Gruppe wollen die Macher von #ReconqiustaInternet vorerst noch nichts verraten. 

Doch mit 44.000 Mitgliedern hat sie schon jetzt das Potential einiges zu verändern. Selbst die AfD hat nach jahrelangem Rechtsruck immerhin bislang nur rund 30.000 Mitglieder.

Was diese Zahlen wirklich bedeuten, wird sich noch zeigen. Dass Jan Böhmermann aber noch einiges geplant hat, dürfte aber sicher sein.

Kurz nach dem Böhmermannschen Skype-Auftritt hört man überall in der dunklen re:publica-Halle aufgeregtes Tuscheln. Eine junge Frau sagt ihrem Freund: "Ich hab mich bislang ja noch nirgendwo engagiert. Aber so mit Laptop und Böhmi, ich glaube, das könnte was werden."


Gerechtigkeit

Aldi drückt jetzt seine Milchpreise
Was das für Kunden – und Bauern – bedeutet.

Aldi will ab Donnerstag seine Milchpreise deutlich senken. Das hat die Supermarktkette nun angekündigt. 

Bei Aldi Süd ändern sich die Preise wie folgt:

  • Der Liter frische Vollmilch kostet 69 Cent, das ist ein Rückgang um 9 Cent von bislang 78 Cent.
  • Der Liter fettarme Milch kostet 61 Cent, das ist ein Rückgang um 7 Cent von bislang 68 Cent.
  • Das heißt, die Preise werden jeweils um mehr als ein Zehntel gedrückt.